Jugendliche

Auf den Köpfen rumgetrampelt – 4 Jahre für Gewaltexzess am Güterhahnhof

Urteil der Jugendkammer des Landgerichts: Erziehungsgedanke steht im Vordergrund

Der Fall hatte im Sommer des letzten Jahres in Osnabrück für Aufsehen gesorgt: Am frühen Morgen des 31.7.2011 hatten 3 junge Männer in einem Gewaltexzess zwei andere am ehemaligen Güterbahnhof so schwer geschlagen und getreten, dass einer von beiden fast gestorben wäre. Jetzt urteilte die Jugendkammer des Landgerichts: Zwei Angeklagte müssen für 4 Jahre und 3 Monate, ihr Mittäter für 1 Jahr und 5 Monate ins Gefängnis. Die Tat am Güterbahnhof begann mit der Begegnung der beiden Gruppen am Fußgängertunnel, der die Hamburger Straße mit dem Hauptbahnhof verbindet. Nach einem Wortwechsel verpasste das später Opfer, der 33-jährige René K. dem 21-jährigen Jan M. eine Kopfnuss, der dabei – für ihn erst unbemerkt – einen Schneidezahn verlor. Als dieser das Fehlen später in der Großraum-Disko Stellwerk am Güterbahnhof bemerkte, plante er mit den Mitangeklagten aus Rache eine Prügelei. Die Gruppe wartete bis die René K. und sein Neffe Felix H. (22) die Disko um 5 Uhr morgens verließen. Jan M. griff René K. an, während zeitgleich der Mitangeklagte Falk L. (22) den Neffen zu Boden schlug und sich dann entfernte. Jetzt griff der dritte Angeklagte Leandro S. (20) ein und attackierte den Neffen. Beide – Jan M. und Leandro S.- trampelten mehrmals auf die Köpfe der wehrlosen Opfer ein. Erst als eine mutige Zeugin „Aufhören, Aufhören“ schrie, ließen die beiden von ihren Opfern ab und entfernten sich mit Siegerposen. René K und Felix H. blieben schwer verletzt zurück, eine Krankenschwester leiste Erste Hilfe. René K. erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Traum, war zeitweise ohnmächtig und überlebt nur nach umfangreichen Operationen am Gehirn. Er hat einseitig sein Gehör verloren, kann kaum sehen und hat erhebliche neurologische Defizite. Richter: „René K. konnte seinen Sohn nicht mehr erkennen.“ Auch für Felix H. sind die Folgen der Prügelei immer noch spürbar. Nach mehreren Operationen an seinem Gebiss ist er immer noch in Behandlung. „Mein Mandant“ stellte Opferanwalt Thomas Klein in seinem Plädoyer fest, „hat nur überlebt, weil eine mutige Person beherzt eingegriffen hat. Tritte auf den Kopf sind lebensgefährlich. Wer das tut, nimmt den Tod eines Menschen in Kauf.“ Die beiden Hauptangeklagten hätten sich des versuchten Totschlages schuldig gemacht. Anders sah es die Jugendkammer. Man könne es zwar objektiv so sehen, aber entscheidend sei, was die Angeklagten subjektiv beabsichtigten. Ihr primäres Ziel sei die Ausübung ihrer Rache gewesen. Es handle sich nicht um ein versuchtes Tötungsdelikt, weil kein Tötungsvorsatz erkennbar sei. Obwohl im Vorfeld der Tat Alkohol und Drogen von den Angeklagten konsumiert worden waren, seien sie in ihrer Steuerungsfähigkeit nicht erheblich eingeschränkt gewesen. Die beiden Hauptangeklagten hätten gemeinschaftlich eine schwere Körperverletzung begangen und dabei lebensgefährliche Handlungen ausgeführt. Für Jan M. und Leandro S. sei wegen Reifeverzögerungen das Jugendstrafrecht zu Anwendung zu bringen. Der Erziehungsgedanke stehe dabei im Vordergrund. Beide Angeklagte seien bereits, auch einschlägig vorbestraft, ihre Taten seien gleich zu bewerten. Neben den Haftstrafen wurden alle 3 Angeklagten gesamtschuldnerisch verurteilt an René K 75000 Euro und an Felix H. 10000 Euro zu zahlen. „Ob da in absehbarer Zeit etwas Vollstreckbares herauskommt, ist fraglich,“ stellte der vorsitzende Richter fest, bevor er die Urteilverkündung beendete.

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