Jugendliche

Brandserie in Emlichheim juristisch abgeschlossen

Landgericht Osnabrück: Geschädigte bleiben vermutlich auf Kosten hängen

Osnabrück – Eine Serie von Mülltonnenbränden beunruhigte die Gemeinde Emlichheim im Januar und Februar 2014. Sie endete abrupt mit der Ergreifung eines 20-Jährigen, der am 11.11.2014 vom Amtsgericht Nordhorn wegen Sachbeschädigungen, vorsätzlicher Brandstiftung, Diebstahls und Falschbezichtigung zu einem Wochenende Arrest und Ableistung von 50 Arbeitsstunden verurteilt wurde. In einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Osnabrück kam es zu einer Einstellung von drei Anklagepunkten. Es blieb aber bei der Strafe der Vorinstanz. Gleich zu Beginn der Verhandlung machte der Vorsitzende der Jugendkammer deutlich, dass er die Strafe als "eher moderat und angemessen" betrachte. Er frage sich also, welches Ziel die Berufung haben solle. Die junge Verteidigerin des Angeklagten, der in Begleitung seiner Mutter erschienen war, erklärte, dass sie sich mit der Verurteilung in drei Anklagepunkten nicht einverstanden erklären könne. Es gäbe keinerlei Indizien dafür, dass ihr Mandanten an den drei Tatorten gewesen sei. Das, so stellte sich in der folgenden Verhandlung heraus war richtig. Allerdings: Es gab eine Geständnis des jungen Mannes. Während der Tatzeit war er alkoholabhängig. Er wurde nach seiner Festnahme vom März bis Oktober 2014 in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Befragt zu den einzelnen Taten, erklärte er, dass er sich an nichts erinnern könne. Er sei in den Abendstunden, als sich die Taten ereigneten, jeweils betrunken gewesen. Die aufgeklärte Tatserie begann am 22. Januar 2014: Um 23.37 Uhr erreichte die Feuerwehr ein Notruf. Am Busbahnhof stünden zwei große Restmülltonnen vor einem Gebäude in Flammen. Den hinzugezogen Polizeieinsatzkräften teilte der Anrufer, der am Brandort verblieben war, mit, dass er beobachtet hätte, wie zwei, ihm namentlich bekannte Brüder die Tonnen in Brand gesteckt hätten. Bei dem Anrufer handelte es sich um den Angeklagten. Ermittlungen ergaben, so berichtet dem Gericht ein Polizeibeamter, dass die Brüder ein "wasserdichtes Alibi" hatten. Sie lägen aber seit der Schulzeit mit dem Angeklagten "im Zwist".
In den folgenden Tag brannten in Emlichheim drei weitere Mülltonnen ab. So loderte am 6.2. ein recht großes Feuer im Hinterhof an der Bahnhofstraße und am 13.2 standen kurz vor Mitternacht plötzlich vier Tonnen an der Grasriete in Flammen. Das Feuer griff auf einen abgestellten Mercedes Sprinter der Lebenshilfe Grafschaft Bentheim GmbH über, der zwar von der Feuerwehr gelöscht werden konnte, aber einen Totalschaden von 20000 Euro darstellte.Noch zwei weitere Male soll der Angeklagte gezündelt haben. Anfang März 2014 stellte die Kreisparkasse in Emlichheim fest, dass ein Bedienfeld einer Sicherheitstür und wenig später das Eingabefeld eines EC-Automaten verkokelt waren. Videoaufnahmen zeigten den Angeklagten, wie er die Schalterhalle betrat und wieder verließ. Außerdem wurde dem Angeklagten der Diebstahl eines Computerspieles in einem Supermarkt im Wert von 20 Euro zu Last gelegt. Diesen Diebstahl räumte der Angeklagte vor dem Landgericht ein. Als er schilderte, dass er das Spiel bei einem Gebrauchtwarenhändler verkauft hatte, um Alkohol zu kaufen, räumte er unbeabsichtigt weitere Diebstähle ein: "Der gab immer so 14 bis 15 Euro für ein Spiel." Als der Richter nachhakte, merkte der Angeklagte seinen Versprecher und machte dicht.

Wichtiger Baustein der Nordhorner Verurteilung war ein Geständnis des 21-Jährigen bei der Polizei. In der Vernehmung des Polizeibeamten zeigte sich, dass es keine eindeutigen Zuordnungen der einzelnen Taten gab. Der Anklagte hatte auf Nachfrage eher pauschal alles zugegeben, was ihm zur Last gelegt worden war.
Der Polizeibeamte konnte aber feststellen: "Danach war Schluss mit der Brandserie."
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden drei Anklagepunkte von Brandstiftungen eingestellt. Darunter auch der Fall mit dem abgebrannten Mercedes Sprinter.

Die vorläufige Einstellung hat keinerlei bindende Wirkung für ein zivilrechtlichen Verfahren, macht aber deutlich, dass es schwierig sein dürfte, Ansprüche geltend zu machen. Außerdem ist der junge Mann mittellos, sodass eine etwaige Vollstreckung ins Leere laufen dürfte.
Es sei denn, "er gewinnt irgendwann im Lotto", wie der Staatsanwalt feststellte.

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