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Finanzielle Unterstützung des Vaters durch Drogenhandel.

Landgericht Osnabrück: Schwere Belastung durch den minderjährigen Sohn

Osnabrück – In einem Verfahren wegen Betäubungsmittelhandel vor dem Landgericht Osnabrück gegen einen 47-Jährigen aus Schüttorf kam es zu der ungewöhnlichen Situation, dass der 17-jährige Sohn des Angeklagten gegen seinen Vater aussagte.
Nein, antwortete der Angeklagte auf die Frage des vorsitzenden Richters, ob er zu den soeben verlesenen Anklagepunkten etwas sagen wolle. Die Staatsanwältin hatte ihm vorgeworfen im vergangenen Jahr mit Marihuana in nicht geringer Menge gehandelt zu haben. Die Drogen habe er zuvor in den Niederlanden gekauft, um sie dann in nach dem illegalen Import mit Gewinn in Deutschland zu verkaufen. Ungewöhnlich: Der Mann soll seinen minderjährigen Sohn für Kurierdienste eingespannt haben.
Aufgeflogen war der Drogenhandel am 15.8.2014. Am Morgen des Tages erschien auf einer Polizeidienststelle in Bad Bentheim die Mutter des 17-Jährigen. Sie gab an, dass sie vermute, ihr Sohn handele mit Drogen. Als Beweis übergab sie ein Handy des 17-Jährigen auf dem Kurzbotschaften gespeichert waren, die den Verdacht begründeten. In der Folge kam es zu einer Durchsuchung des Zimmers des Sohnes, der dann Angaben zu Herkunft der Drogen machte. Sein Vater habe ihm diese zur Verteilung an Freunde gegeben. In einer Hausdurchsuchung beim Vater wurden 52,32 g Marihuanablüten in mehreren Klemmverschlusstütchen gefunden.
In einer Vernehmung machte der Sohn umfangreiche Angaben zum Ablauf des Drogenhandelns. Diese Aussage führte im Wesentlichen zu der Anklage gegen seinen Vater.
Für dessen Verteidiger Robert Koop war fraglich, ob die belastenden Aussagen überhaupt verwertet werden durften. Koop vermisste in den Protokollen einen entsprechenden Hinweis auf die Belehrung des Sohnes bezüglich des Zeugnisverweigerungsrechtes.
Doch anders als sein Vater packte der 17-jährige Sohn vor Gericht aus. Er tat dies, wie die Juristen sagen, voll umfänglich. Auf die vielen Fragen des Richters blieb er keine Antwort schuldig, er nannte Namen von Kunden und Drogenmengen und Preise.
Ab seinem 13-Lebensjahr habe er Cannabis konsumiert: "Ich war wohl süchtig." Sein Vater habe diese anfänglich beanstandet. Doch auf der anderen Seite habe er selbst Wasserpfeifen geraucht und ihn animiert. Weil sein Vater in finanziellen Nöten gewesen sei, habe er ihm helfen wollen und an seine eigenen Freunde, aber auch an die Abnehmer seine Vater Marihuana ausgeliefert und das Geld an ihn abgegeben. Geld habe er dafür nicht erhalten, lediglich Rauschmittel für den Eigenkonsum.
Am nächsten Verhandlungstag, so kündigte Verteidiger Koop an, werde sein Mandant nun doch etwas sagen: "Vieles von dem was der Zeuge gerade gesagt hat, ist falsch."

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