Jugendliche

Nach dem Urteil der Jugendkammer rastete der Verurteilte aus

Landgericht Osnabrück sieht Notwendigkeit einer erzieherischen Maßnahme.

Für ein Jahr und sechs Monate muss ein 19-Jähriger aus Nordhorn hinter Gitter. Die Jugendkammer des Landgerichts Osnabrück bestätigte im Tenor das Urteil des Amtsgerichts Nordhorn vom 18. November 2015, welches dem jungen Mann noch drei Monate mehr aufgebrummt hatte. Eine erneute Bewährungsstrafe stünde auf „tönernen Füssen“, so der Richter in seiner Urteilsbegründung, eine positive Sozialprognose könne die Kammer nicht erkennen.
Nach der Urteilsbegründung – die Jugendkammer hatte den Saal bereits verlassen – zeigte der kleine, sehr schmächtige Mann, daß er seine Nerven nicht im Griff hat.

„Dafür, daß ich einen Polizisten geschubst habe, soll ich 18 Monate in den Knast?“ Dann zeigte er sein anderes Gesicht.
In der vorangegangenen Verhandlung war deutlich geworden, daß dieses „Polizistenschubsen“ der sprichwörtliche Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte.
Spätestens seit 2012 ist der junge Mann mit montenegrinischem Pass immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. In seinem jungen Leben hat er bereits eine beachtliche Akte im Bundeszentralregister. Diebstähle, Einbrüche, Körperverletzungen und Drogendelikte sind erfasst worden. Besonders erschreckend eine Tat aus dem Dezember 2013. Mit drei maskierten Mittätern überfiel der Angeklagte einen alten Nachbarn, um ihn auszurauben. Sie klingelten bei dem ahnungslosen Mann und als dieser die Tür geöffnet hatte, fiel einer der Täter über das Opfer her und traktierte es mit Schlägen und Tritten. Weil der Überfallene laut schrie, ließ man schließlich von ihm ab und flüchtete. Für diese Tat wurde der Angeklagte zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt.
Obwohl er mehrere Jugendarreste und eine zweimonatige U-Haft erfahren hat, ließ er sich nicht von weiteren Strafttaten abhalten. Ein weiteres Verfahren mit vier Anklagepunkten ist zur Zeit beim Amtsgericht Nordhorn anhängig.
Die Tat, die jetzt zu der Verurteilung und dem Widerruf der Bewährungsstrafe wegen des versuchten Raubüberfalls auf den Rentner führte ereignete sich in der Nacht des 7.6.2015. Eine Polizeistreife war früh morgens um 4.30 Uhr wegen einer Ruhestörung gerufen worden. Zwei Beamte wollten mäßigend auf die Beteiligten einwirken, doch der Angeklagte mischte sich immer wieder ein. Irgendwann baute er sich drohend vor einem Beamten auf, sodaß dieser die Personalien aufnehmen wollte. Als der Angeklagte sich weiter uneinsichtig zeigte, entschlossen sich die Beamten, den jungen Mann festzunehmen. Doch plötzlich wehrte dieser sich sehr heftig und stieß einen Beamten um und flüchtete. Der Beamte verletzte sich an der Hüfte und am Handgelenk. Eine halbes Jahr mußte er eine Manschette tragen und war nur eingeschränkt handlungsfähig. Folgerichtig lautete die Anklage auf Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gefährliche Körperverletzung. Vor dem Amtsgericht Nordhorn zeigte sich der Angeklagte uneinsichtig: „Polizeibeamte werden dafür bezahlt, daß sie im Dienst verletzt werden.“
Auch sein Anwalt versuchte vor dem Landgericht den Angriff zu bagatellisieren: „Wenn jemand unglücklich fällt, kann sowas schon mal passieren.“ Schließlich seien Übergriffe auf Polizeibeamte doch mittlerweile alltäglich und wären meistens wesentlich heftiger.
In seinem Plädoyer stellte der Verteidiger die Frage: „Was bringt eine Inhaftierung?“ Und prompt antwortete die Staatsanwältin: „Schutz vor weiteren Straftaten.“
Die Jugendkammer schloss sich diesem Gedanken an und sah eine „erzieherischen Einwirkung“ als notwendig an.
Der Angeklagte unterbrach den Richter: „Ich soll in den Knast? Ich werde darin nicht besser.“ Schon vorher hatte er festgestellt: „Knast macht die Psyche kaputt.“
Als die vier Kammermitglieder den Saal verlassen hatten, legte er richtig los. Ziel seiner Wut: Die Staatsanwältin. Sie solle sofort den Saal verlassen. Dann folgten grobe Beschimpfungen und Drohungen, auch gegen die Familie der Anklagevertreterin. Diese blieb ruhig und ging. Anders der 19-Jährige: Seine Wut hat sich auf dem langen Weg bis zum Ausgang des Landgerichtes nicht gelegt.

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