Körperverletzung

Rentner rastete aus: Immer wenn er Pillen nahm

Amtsgericht Osnabrück: Schläge mit dem Teppichklopfer zur Erinnerung an „eheliche Pflichten“

Osnabrück (kno) – Ein kleiner, unscheinbarer Mann mit wenigen strähnigen Haare über den Kopf gekämmt, sitzt auf der Anklagebank des Amtsgerichts Osnabrück. Er ist 68 Jahre alt und soll demnächst für 3 Jahre und 3 Monate ins Gefängnis. Vehement wehrt er sich gegen den Vorwurf der sexuellen Nötigung: „Danach kommt wohl nur noch Mord und Totschlag.“ Und ungewollt hat er damit recht, wenn man sich das Martyrium seiner gleichaltrigen Ex-Ehefrau vergegenwärtigt, dass am Muttertag 2007 mit ihrem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung in Bissendorf endete.

 

Angeklagt waren nur wenige Taten aus den 2 Wochen zuvor: Mehrmals soll der Rentner nach der Einnahme eines Potenzmittels seine Frau unter Gewaltandrohung und –anwendung zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Mit beschuhten Füssen habe er sie getreten haben, bevor sie einschlief. Als sie wieder aufwachte, habe er sie mit einem Teppichklopfer geschlagen. Letzteres gesteht er ein und fügt hinzu: „Ich wollte mir nicht die Hände schmutzig machen.“ Alles andere streitet er lautstark ab und beleidigt seine Lebensgefährtin in vulgärster Weise, wobei er auch von seinem Anwalt nicht zu bändigen ist. Seine ehemalige Sandkastenliebe, sei hässlich und unattraktiv geworden, er habe sie nur noch „für unten“ gebraucht. Weil der Sex nicht mehr so richtig klappte, ließ er sich blaue Pillen verschreiben, die aber nicht so ganz den gewünschten Erfolg hatten. Deshalb, so räumte er ein, habe er sich vor dem TV-Gerät durch Bilder stimuliert, während seine Frau im Bett auf ihn warten sollte. „Das war abgesprochen.“ Seine Ehefrau schilderte die Vorgänge völlig anderes: „Er hat es angekündigt. Heute abend müssen wir was machen.“ Sie habe keine sexuellen Kontakte gewollt und sei ständig gewaltsam dazu gezwungen worden, wobei es oft nur beim Sexversuch blieb. Im Viertelstundenrhythmus sei er immer wieder zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer hin- und her gelaufen: „Das ging über Stunden.“ Als sie ganz genaue Angaben machen soll, was sich wann zugetragen hat, wird sie unsicher: „Das war die Regel.“ Und dann erzählte sie mehr aus ihrem Leben, als im dürftigen Polizeiprotokoll steht. Schon kurze Zeit nach der Heirat 1993 habe er begonnen sie zu schlagen, anfangs nur zweimal im Jahre. Das steigerte sich im Laufe der Jahre. 1994 habe er sie wegen einer Nichtigkeit mit einem Bügeleisen traktiert. Sie zog für 3 Monate aus, kehrte zurück, erstattete aber keine Anzeige. Ihr Mann habe sie vollkommen kontrolliert, das Telefon und den Autoschlüssel bewacht. Nur zweimal im Jahr, so berichtete die Rentnerin, durfte sie zu Nachbarn, um Geburtstag zu feiern. In der Zeit vor dem Muttertag 2007 habe sie gemeinsam mit ihrem Mann angefangen zu trinken: „Man wird leidensfähiger.“ Erst ihre Schwiegertochter, die ebenfalls aussagte, konnte die völlig verängstigte, apathische Frau aus dem Albtraum befreien. Endlich zog sie dauerhaft aus und ließ sich scheiden. Zur Aussage bei der Polizei wurde die Rentnerin von der Zeugin begleitet. Anschließend musste sie stationär in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden.

Sexuelle Gewalt in der Ehe ist seit 1998 ein Straftatbestand. (Strafrahmen: 2 bis 15 Jahre) Dem 68-jährigen scheint das nicht bekannt gewesen zu sein, er sprach von „ehelichen Pflichten“. Wegen erwiesener einmaliger sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung wurde er jetzt verurteilt.

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