Körperverletzung

Viele positve Aspekte: Bewährungsstrafe für Schläger und Trunkenheitsfahrer

Landgericht Osnabrück gibt Drogenabhängigem „die aller-, die allerletzte Chance“

Seitdem er mit 12 Jahren 1989 aus Kirgisistan nach Deutschland kam, nahm er Drogen und geriet seit 2001 immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. 10 Voreintragungen brachte der 34-jährige Melleraner mit zu einer Berufungsverhandlung ins Landgericht Osnabrück. Die elfte Eintragung lautet erneut: Bewährungsstrafe. Am 27. Oktober 2011 war Nikolaj N. vom Amtsgericht Osnabrück zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Ohne Bewährung. Vorsätzliche Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis und Versicherungsschutz waren die Gründe für die Verurteilung des mehrfachen Bewährungsversagers. Nach Feststellung des Gerichts hatte er in alkoholisiertem Zustand am 11. Dez. 2010 die Wohnung seiner von ihm seit 2007 getrennt lebenden Ehefrau aufgesucht und dort das Wohnzimmer verwüstet. Mit sehr drastischen Worten hatte er erst seine Frau beleidigt und hinterher massiv geschlagen. Auch sein 11-jähriger Sohn wurde von ihm misshandelt. Einen Monat später fuhr er, wieder unter dem Einfluss von Alkohol, ohne Führerschein mit einem Pkw ohne Versicherungsschutz zu einem Schnellimbiss und wurde dort auffällig. In seiner Berufungsverhandlung gestand der 34-Jährige die Straftaten ohne Einschränkungen ein. Ziel der Berufung sei eine Bewährungsstrafe. Er sei „kein Monster“, sondern jemand, der ein Drogenproblem habe. Er habe seine Frau vorher nie geschlagen. Das sei ja nicht ganz richtig, hielt ihm die Richterin entgegen. 2009 habe er einen Strafbefehl von 80 Tagessätzen zu 15 Euro wegen Körperverletzung zum Nachteil seiner Frau klaglos akzeptiert. Ja, das sei richtig, entgegnete der Angeklagte, der seit Anfang März 2012 von seiner Frau geschieden ist. Die Richterin verlas die umfangreiche Liste der Verurteilungen des Angeklagten meistens zu Bewährungsstrafen. Kurzzeitig war der Angeklagte in Haft. Betäubungsmittel-, Trunkenheits- und Verkehrsdelikte, sowie Körperverletzung und räuberischer Diebstahl sind bekannt gewordene Straftaten. 2003 absolvierte er erfolgreich 10 –monatige Drogentherapie, wie die Richterin aus Akten feststellte. Allerdings, so ergänzte sie anschließend, sei er dann ja wieder rückfällig geworden. Heroin konsumierte der Angeklagte bis Anfang 2011, wie er vor Gericht einräumte. Jetzt sei er in einem „Programm“ und erhielte Ersatzstoffe. Angestrebt sei eine erneute stationäre Therapie in einer entsprechenden Einrichtung. Der Antrag sei gestellt, so der Angeklagte, er warte nur noch auf die Kostenzusage der Deutschen Rentenversicherung. Anders als vor dem Amtsgericht könne sie für den Angeklagten jetzt eine positive Prognose abgeben, erklärte die Bewährungshelferin von Nikolaj N.: „Er macht mit und hält sich an die Auflagen.“ Er habe selbstständig den Kontakt zur Diakonie gesucht und nehme regelmäßig an Therapievorbereitungen teil. Jetzt erhielte er in Schulnoten ein „gut“, vor 5 Monaten sei es noch ein „ungenügend“ gewesen. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Angeklagte eine Therapie durchhielte. Außerdem sei der Strafvollzug nicht gut für ihn, denn im Knast „sei die Versorgung (mit Drogen, Red.) besser als draußen“. Nach den „vielen positiven Aspekten“ , die für den Angeklagten sprächen, beantragte sein Verteidiger eine Bewährungsstrafe. Ganz anders der Staatsanwalt: Es sei keinesfalls sicher, dass der Melleraner die Therapiezeit durchhielte, außerdem sei er immer wieder strafrechtlich in Erscheinung getreten. Der Anklagevertreter beantragte eine Verwerfung der Berufung. „Diese ist die aller-, die allerletzte Chance für Sie“, hieß es von der Richterin in Richtung Angeklagtem in der Urteilsbegründung: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, wollen Ihnen aber eine Neustart nicht verbauen.“ Gegen die Auflage. eine stationäre Therapie zu beginnen, wurde die Freiheitsstrafe in eine 4-jährige Bewährungsstrafe umgewandelt.


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