Körperverletzung

Attacken im Supermarkt: Angeklagter griff grundlos Kunden an.

Landgericht Osnabrück lässt sich Zeit bei der Frage einer Einweisung in die Psychiatrie

Osnabrück – Mit einer schwerwiegenden Frage muss sich ab seit Freitag die 18. große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück beschäftigen. Muss am Ende eines auf 4 Tage angesetzten Prozesses ein 31-Jähriger Nordhorner in die Psychiatrie eingewiesen werden, weil er für sich und andere eine Gefahr darstellt? Oder kann er durch kontrollierte Verabreichung von Medikamenten von weiteren Straftaten abgehalten werden?

Insgesamt neunmal war der Angeklagte im Frühjahr 2012 auffällig geworden, als er in einem Supermarkt, in einer Klinik und vor dem Bahnhof in Nordhorn Mitmenschen grundlos und völlig unerwartet angriff, sie anrempelte und an den Kopf schlug. In einem Fall stieß er eine Radfahrerin vom Rad. Seine Aktionen nahmen ihr vorläufiges Ende, nachdem er Fliesenteile (10 cm mal 10 cm) auf ein Nachbargrundstück warf und damit unter anderem Kinder gefährdete. Die herbeigerufene Polizei beleidigte er massiv.

In der Folge kam es zu mehreren kurzen Aufenthalten in der Psychiatrie. Seit September 2012 erhält er monatliche Depotspritzen gegen seine Wahnvorstellung.

Ob er die wirklich hat, steht im Mittelpunkt des Prozesses. Die Tatvorwürfe räumte der Angeklagte in einer von seinem Anwalt Michael Bernd Schultz aus Nordhorn verlesenen Erklärung ein, auch wenn er hinterher kleinlaut ergänzte, dass er sich kaum erinnern könne.

Sehr ausführlich stand der Werdegang des gelernten Bäckers und Konditors am Anfang des ersten Prozesstages.

Von den ersten Auffälligkeiten im Umgang mit Mitmenschen berichtet sowohl er, wie später auch sein jüngerer Bruder als Zeuge, im Zusammenhang mit dem Tod seiner Großeltern im Jahre 2007. Von einer chronisch schizophren Psychose ist in der Anklage die Rede. Ob diese auch wirksam war, als der heute 31-Jährige im Jahr 2008 insgesamt drei leichtere und einen schweren Verkehrsunfall verursachte, blieb bisher unklar. Der anwesende Psychiater Said Schendel wird vermutlich darüber in seinem Gutachten berichten.

Eines sagte der eigens geladene Betreuer des Nordhorners klar und deutlich: „Wenn er die Medikamente absetzt, geht´s schief.“ Ein Meldesystem der behandelnden Klinik, so führte der Betreuer weiter aus, informiere ihn, wenn der Patient seine Depotspritze nicht abholt.

Im Hintergrund des Prozesses spielt auch die wirtschaftliche Situation des Angeklagten eine Rolle. Trotz eines großen Erbes machte er 30000 Euro Schulden, weil er sich mit einem, so deutet Rechtsanwalt Schultz an, dubiosen Textilunternehmer aus Nordhorn einließ. Der 31-Jähriges stieg in seiner Naivität als stiller Teilhaber mit 50000 Euro in die Firma des Unternehmers ein.

Um die Rückzahlung dieses Geld streitet er in einem Zivilverfahren. Das Geld, so der Betreuer, wird dringend gebraucht, um offene Wasser- und Stromrechnungen zu bezahlen.

Weil die Folgen einer Fehlentscheidung von großer Tragweite sind, lässt sich das Landgericht Zeit. Obwohl die Richtigkeit der Tatvorwürfe eingeräumt wurde, will die Kammer am nächsten Verhandlungstag (26.9.) die Opfer der Körperverletzungen hören.

Entscheidend für die Frage einer Einweisung dürfte auch das Gutachten des Psychiaters sein, der den Angeklagten ausführlich befragt und untersucht hat.

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