Körperverletzung

Schlägerei in Klausheide endete für Studenten mit Lebensgefahr

Landgericht Osnabrück: Diffuse Erinnerungen nach Feier in der Milchbar

Osnabrück – In einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Osnabrück muss sich ein 42-Jähriger aus Nordhorn wegen gefährlicher Körperverletzung in 2 Fällen verantworten. Wie bereits am 2. Juli 2013 in der ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht Nordhorn sind erneut 12 Zeugen geladen.

Es war die Nacht des 23. Juni 2012, als im Ortsteil Nordhorn-Klausheide kräftig gefeiert wurde. Neben dem jährlichen Schützenfest wurde im Dorfgemeinschaftshaus ein Geburtstag gefeiert und in einem Privathaus schräg gegenüber fand eine Grillparty statt. Bier und Schnaps flossen reichlich. Danach gab es eine Schlägerei vor dem Gemeinschaftshaus, die im Volksmund auch „Milchbar“ genannt wird.

Diffuse Erinnerungen mit Lücken, Widersprüchlichkeiten, veränderte Aussagen nach Gesprächen mit anderen Beteiligten und Aussageverweigerungen von Verwandten. Aus diesen Teilen muss die Kammer ein Puzzle zusammensetzen, um zu klären wer wen beleidigt, geschubst und geschlagen hat. Fest steht: Ein 23-jähriger Student aus Nordhorn wurde mit dem Kopf gegen einen Laternenpfahl geschlagen. Er brach zusammen, war lebensgefährlich verletzt und musste auf der Fahrt zum Krankenhaus zweimal reanimiert werden. Er erlitt ein Hirnödem, wurde 2 Tage intensivmedizinisch versorgt und absolvierte nach einem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt eine vierwöchige REHA-Maßnahme. Ein weiterer junger Mann erhielt, ebenfalls ein Beule an der Stirn, weil sein Kopf ebenfalls gegen die Laterne geschlagen wurde. Für den Angeklagten, der vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt wurde, geht es um viel. Bei einer erneuten Verurteilung sieht es für ihn, im anstehenden Zivilrechtsstreit bezüglich der Übernahme der Krankenhauskosten und Schmerzensgeld schlecht aus. Nach der Grillfeier in seinem Haus, so der Angeklagte vor Gericht, habe es Stress mit seinem betrunkenen Schwager gegeben, der sich geweigert habe in ein Taxi zu steigen. In die lautstarke Auseinandersetzung hätten sich Personen aus einer vor der Milchbar stehenden Gruppe eingemischt. Beleidigende Äußerungen über ein von seinem Bruder getragenes T-Shirt, welches ihn als Anhängers des Motorradclubs Hells Angels auswies, seien gefallen. Sein Bruder habe sich auf die Gruppe zu bewegt und sei dort, so habe er es wahrgenommen, angegriffen worden. Daraufhin sei er in schlichtender Absicht zu der Gruppe gegangen und habe die Kontrahenten auseinander gerissen. Da vor ihm ein Laternenpfahl stand, könne es sein, dass der eine mit dem Kopf gegen die Laterne geraten sei. Das sei aber nicht der Schwerverletzte gewesen, so der 42-Jährige. Dieser kann sich an überhaupt nichts erinnern. Er wisse nicht mal, dass er auf der Feier gewesen sei, schilderte der 23-Jährige dem Gericht. Seine posttraumatischen Hirnstörungen klingen ab, aber immer noch leide er unter Konzentrationsstörungen und habe gelegentlich Kopfschmerzen. Der zweite Verletzte, ein 20-jähriger Student bezeichnete die Aussage des Angeklagten als „Quatsch“. Er sei vom Angeklagten, der sich keinesfalls in „schlichtender Absicht“ genähert habe, in den Nacken gefasst worden und gegen den Laternenmasten geschlagen worden. Auf Nachfrage von Verteidiger Joe Thérond erklärte er, dass es auch Schubsen oder Stoßen gewesen sein könne. Ganz sicher sei er aber, dass er gesehen habe, wie der Kopf des 23-Jährigen vom Angeklagten gegen den Pfahl geschlagen worden sei. Das habe er hinter einer Hecke liegend deutlich gesehen. Diese Aussage wurde von Thérond massiv angezweifelt. In Folge seiner hartnäckigen Nachfragen verließen Angehörige des Verletzten wütend den Verhandlungssisal. Nachdem drei Zeugen als Angehörige des Angeklagten ihre Aussagen verweigerten hatten, wurden weitere Personen aus der Milchbargruppe gehört. Ihre Aussagen waren nur sehr bedingt brauchbar, weil sie aufgrund ihres heftigen Alkoholzuspruchs kaum etwas mitbekommen haben. Ein 21-Jähriger vor Gericht: „Ich habe erst gestern gehört, dass ich überhaupt anwesend war.“ Der Prozess wird am 6.2.2014 mit der Anhörung von Vernehmungsbeamten fortgesetzt.

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