Körperverletzung

Schlägerei vor der Milchbar: Nordhorner Urteil wurde geändert

Landgericht Osnabrück folgte dem Zweifelsgrundsatz.

Osnabrück – Die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Osnabrück wegen einer Schlägerei vor der "Milchbar" in Nordhorn-Klausheide endete für den 42-jährigen Angeklagten zwar mit einer Geldstrafe, aber trotzdem löste das Urteil bei ihm Zufriedenheit und bei den Angehörigen des Opfers Irritationen aus.

"Es mag für die für die Nebenkläger unbefriedigend sein, aber es bleiben Zweifel." Mit diesen Worten erläuterte der vorsitzende Richter der Berufungskammer des Landgerichts die teilweise Aufhebung eines Urteils des Amtgerichts Nordhorn. In der ersten Instanz war der Mann noch wegen zweifacher vorsätzlicher Körpervereltzung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden, weil es das Gericht als erwiesen angesehen hatte, dass er in der Nacht des 23. Juni 2012 zwei junge Männer mit dem Kopf gegen einen Laternenmasten geschlagen hatte. Ein 23-jähriger Student aus Nordhorn, hatte eine so schweres Hirnödem erlitten, dass Helfer und Ärzte lange Zeit um sein Leben fürchteten. er konnte sich auch nach 2 Tagen auf der Intensivstation an nicht mehr erinnern und stand dem Gericht somit nicht als Zeuge zur Verfügung.

20 Minuten sei der junge Mann ohne Herzschlag gewesen, schilderte ein 32-jähriger Polizist dem Gericht. Er war in der Nacht mit Kollegen aus Lingen gerufen worden, nachdem erkannt worden war, dass die Auseinandersetzung vor der Milchbar eventuell zum Ableben eines Beteiligten führen könnte. Die Polizisten hatten alle Mühe sich ein Bild von den Ereignissen zu machen, einige Zeugen waren erheblich alkoholisiert. Bald stellte sich heraus, dass zwei Brüder an der Schlägerei beteiligt gewesen waren. Einer hatte helle Kleidung an, der andere trug ein dunkles T-Shirt mit dem Aufdruck 81, welches ihn als Unterstützer des Motorradclub "Hell Angels" auswies. Abfällige Bemerkungen aus einer Gruppe von Feiernden in der Milchbar über das T-Shirt sollen Auslöser der Schlägerei gewesen sein.

Doch wer hatte den ersten Verletzen, der eine große Beule davon trug, gegen den Masten gestoßen? Und wer hatte den Studenten lebensgefährlich verletzt? Die erste Tat hatte der Angeklagte eingeräumt, doch mit der zweiten hatte er angeblich nichts zu tun. Der junge Mann mit der Beule hatte dem Gericht geschildert, dass ein hellgekleideter Mann, also der Angeklagte, sowohl ihn, als auch den Studenten im Nacken gefasst hatte und mit Wucht gegen einenLaternenpfahl gestoßen hatte. Diese Aussage deckte sich, darauf wies Verteidiger Joë Thérond hin, nicht mit der Aussage des jungen Mannes kurz nach der Tat und war auch nicht in Übereinstimmung zu bringen mit anderen Aussagen.

Obwohl sowohl die Staatsanwältin und auch Nebenklagevertreter Peter Skutta (Nordhorn) in ihren Plädoyers weiterhin von einer Schuld des Angeklagten ausgingen, kam es zu dem, angesichts der widersprüchlichen Aussagen der Zeugen nachvollziehbaren, aber für den Nebenkläger und seine Angehörigen vielleicht "unbefriedigenden Urteil". Der Richter gab sich Mühe und warb um Verständinis: Wegen des fehlenden Tatnachweises sei kein sicheres Urteil zu fällen. Auch in diesem Falle hätte der Zweifelsgrundsatz Vorrang, sodass der Angeklagte nur wegen der vermeintlich harmloseren vorsätzlichen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 100 mal 15 Euro zu verurteilen sei.
Fazit der Gerichts: Einer der beiden Brüder war für die schweren Verletzungen des Studenten verantwortlich. Doch welcher der beiden, konnte nicht festgestellt werden.

Ein Denkzettel dürfte das Urteil für den 43-Jährigen trotzdem darstellen: Er hat weitere Kosten durch seinen Wahlverteidiger und die Gerichtsinstanzen in 4-stelliger Höhe zu berappen.

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