Körperverletzung

"Herz-Jesu-Entscheidung" zugunsten eines Nordhorners

Landgericht Osnabrück: Unreflektierter Alkoholkonsum ausschlaggebend für Straftaten

Osnabrück – Ungewöhnlich lange benötigte die 22. Kleine Strafkammer des Landgerichtes Osnabrück für die Urteilsberatung in einem Berufungsverfahren gegen einen 24-Jährigen aus Nordhorn. Das Amtsgericht Nordhorn hatte ihn am 6 März 2014 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Nach über einer Stunde Beratung konnte der Angeklagte erleichtert zur Kenntnis nehmen: Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.
Im Zentrum der Verhandlung stand der "unreflektierte Alkoholkonsum" des Angeklagten, der am 23 März 2013 einem Gast in einer Diskothek in Uelsen einen Barhocker an den Kopf geworfen hat, sodass dieser neben anderen Verletzungen einen Schädelbruch erlitt. Die Tat hatte der Angeklagte bereits bei der Vorinstanz gestanden. Der Richter stellte fest, dass das Opfer, sowie der Angeklagte Glück gehabt hätten, denn "sonst würden wir hier über Totschlag und über zehn Jahre Haft reden."
Eigentlich standen die Vorzeichen für eine Umwandlung der Freiheitsstrafe vor der Verhandlung denkbar schlecht.
Zum Zeitpunkt der Tat stand der Angeklagte unter zweifacher Bewährung. Zahlreiche Vorstrafen seit 2007 brachte der Nordhorner mit. Neben Betruges, Einbruchs und Fahren ohne Fahrerlaubnis, listet sein Registerauszug auch mehrere Verurteilungen wegen Körperverletzungen auf.
Was die dreiköpfige Kammer zur langen Diskussion brachte, war der Bericht des Bewährungshelfers und eines psychiatrischen Gutachters. Der Bewährungshelfer bescheinigte dem Angeklagten, dass dieser sein Verhalten geändert habe und jetzt besser mitarbeite. Der Gutachter erläuterte die Verhaltensänderung. Seit Mitte November befinde sich der 24-Jährige in einer stationären Alkoholtherapie. Eine Weiterführung der Therapie sei unabdingbare Voraussetzung für eine Leben ohne Straftaten. Der Psychiater empfahl für die Zeit nach der stationären Therapie eine ambulante Nachsorge mit ständigen Kontrollen. Nach den beiden Fachleuten sprachen sich sowohl die Verteidigerin, wie auch der Staatsanwalt für eine Bewährungsstrafe aus.
Nach über einer Stunde betrat die Kammer dann den Gerichtssaal. Für fünf Jahre werde die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt, verkündete der Richter. "Wir machen hier etwas, was man auf keinen Fall tun sollte: Wir bauen einen Bewährungsturm auf." Zu den zwei bestehenden Bewährungsstrafen käme jetzt eine weitere hinzu. Insgesamt 8 Auflagen erhielt der Angeklagte. Neben der Zahlung eines Schmerzensgeldes, ist der Verurteilte verpflichtet an Therapien teilzunehmen und keinen Alkohol zu trinken.
Das Nordhorner Urteil sei zum Zeitpunkt seiner Fällung vollkommen richtig gewesen, so der Richter. Für den Angeklagten sei nicht nur das Ende der Fahnenstange erreicht, sondern er sei "schon 10 cm drüber. "Bei der kleinsten Kleinigkeit fahren Sie ein," wandte sich der Richter nach einer langen Standpauke noch mal deutlich an den Angeklagten. "Das war hier eine Herz-Jesu-Entscheidung."

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