Körperverletzung

Unvermittelte Schläge mit dem Gummihammer

Landgericht Osnabrück verfügte Einweisung in die Psychiatrie

Osnabrück – Das Ergebnis eines Sicherungsverfahrens gegen einen 60-Jährigen aus Nordhorn vor dem Landgericht Osnabrück durfte für alle Beteiligten schon vor dem Prozess festgestanden haben. Doch trotzdem war eine reguläre Verhandlung erforderlich. Am Ende kam es dann, wie zu erwarten: Weil er im Zustand vollkommener Schuldunfähigkeit zwei Mitbürger angegriffen und in einem Falle schwer verletzt hatte, wurde der Angeklagte Anatolij S. in die forensische Psychiatrie eingewiesen.
Was am 13. Juli 2014 geschah, wird eine 60-Jährige Nordhornerin nicht vergessen. Gegen 17 Uhr war sie mit ihrem kleinen Hund auf der Blumenstraße unterwegs, als sie völlig unerwartet einen Schlag in den Rücken erhielt. Als sie sich umdreht, sah sie einen Mann, der mit einem großen Hammer auf sie einschlug. Mit einem Arm, so schilderte die Frau vor dem Landgericht, habe sie versucht Schläge, die sich auch gegen ihren Kopf richteten, abzuwehren. Sie sei gestürzt und habe sich dabei einen Wirbelbruch zugezogen. Nur durch das beherzte Eingreifen eines 63-jährigen Rentners konnte der Angreifer von weiteren Schlägen abgehalten werden. Ein Arzt stellte später bei dem Opfer zusätzlich zur Wirbelfraktur zahlreiche Prellungen, Schürfwunden und einen gebrochenen Finger fest.
Der Mann, bei dem es sich um den Angeklagten handelte, habe gerufen: "Ich bring dich um." Der zu Hilfe eilende Rentner will außerdem gehört haben: "Du hast meine Ehe zerstört."
Der Angreifer entfernte sich mit einem Auto vom Tatort. Das Tatwerkzeug, einen 30 cm langer harter Gummihammer, ließ er zurück.
Wenig später tauchte er im Mittelgang einer Schrebergartenkolonie am Ootmarsumer Weg auf und attackierte einen nichtsahnenden 61-Jährigen, der beim Johannisbeerenpflücken war. Mit einem Messer habe der Angreifer auf ihn eingestochen, berichtet der ehemalige Sportlehrer. Zum Glück habe er dem Stich ausweichen können. Er sei gestrauchelt und zu Boden gegangen. Der Angeklagte habe dann, so berichtete ein Schrebergartenkollege, der unweit des Geschehens stand, den am Boden Liegenden mit Füssen getreten. Der Angeklagte wurde kurze Zeit später von der Polizei festgenommen. Trotz ausführlicher Suche konnte das Messer nicht gefunden werden. Den Angriff hat das Opfer relativ unbeschadet überstanden.
Gebannt und teilweise auch leicht amüsiert, lauschten die Anwesenden im Verhandlungssaal den übersetzten Erklärungen des Angeklagten.
"Ja, ich habe sie mit dem Hammer geschlagen", räumte er den ersten Fall ein. Die Frau habe ihm mit "schwarzer Magie" sehr weh getan. Allein durch ihre Blicke sei sein Körper ganz rot geworden und habe angefangen zu brennen. "Man wollte im Krankenhaus mein Herz entnehmen. Es war alles schon vorbereitet." Auch den zweiten Angriff mit dem Messer "an der Datsche" gibt der Angeklagte zu. Einen Grund für diesen Angriff nennt er im Prozess nicht.
Einem psychiatrischen Gutachter gegenüber hatte er auch den Sportlehrer, sowie seine Tochter und seine Frau der schwarzen Magie bezichtigt. Der Angeklagte leide, so der Oberarzt, unter einer anhaltenden wahnhaften Störung und stelle eine Gefahr dar, zumal er bei seinen aggressiven Handlungen auch Waffen eingesetzt habe. Über die Ursache der Erkrankung könne nur spekuliert werden, ein Zusammenhang mit dem exzessiven Alkoholkonsum von 1-3 Flaschen Schnaps pro Tag seit dem 14 Lebensjahr könne nicht ausgeschlossen werden. Der Patient, so der Gutachter, reagiere nur sehr bedingt auf Psychopharmaka: "An den Wahn kommt man nicht ran." Der Angeklagte halte sich für gesund.
Vor dem Urteil stellte Nebenklagevertreter Torsten Rock für seine Mandantin fest: "Sie leidet erheblich unter den Folgen des Angriffes und sieht immer noch den Mann mit dem Hammer vor sich. Sie möchte ihm nie wieder begegnen."
Das dürfte nach dem Beschluss des Landgerichtes Osnabrück für lange Zeit sichergestellt sein. Der 60-Jährige wurde in die Psychiatrie eingewiesen.

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