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Körperverletzung

„Warme Ohren“ für das Tragen eines Rockerpullis

Landgericht Osnabrück: Kein Hohheitsgebiet des MC Bandidos

 

Osnabrück (kno) – Wenn sich vor dem Landgericht Osnabrück 15 bis 20 Rocker in Kutten zusammenrotten, kann man sicher sein, dass im Gericht ein Prozess gegen Mitglieder oder sogenannte „supporter“ (Unterstützer) eines Motorradclubs (MC) geführt wird. Diesmal betraten die Rocker das Gericht nicht um ihre 4 angeklagten Kumpanen zu unterstützen.

 

Vielleicht fürchteten sie die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen und Durchsuchungen im Eingangsbereich des Landgerichts. 4 Osnabrücker Supporter des MC Bandidos im Alter zwischen 24 und 34 Jahren waren wegen schweren Raubes angeklagt, weil sie in der Nacht des 9.08.2008 einen 48-Jährigen vor einer Gaststätte an der Johannisstraße in Osnabrück niedergeschlagen und beraubt haben sollen. Ihre Beute: Ein Sweatshirt. Doch dieser Pulli war den Angreifern eigentlich egal, sie wollten ihn sogar vernichten. Ihnen ging es lediglich um das aufgedruckte Emblem: Einen Totenkopf mit Flügeln. Dieses Zeichen gehört zu den Insignien des rivalisierenden MC Hells Angels.

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Da die Angreifer keine Aneignungsabsicht gehabt hätten, wurde aus dem Raub lediglich eine gefährliche Körperverletzung. Darauf hatten sich im Vorfeld der Verhandlung die Staatsanwaltschaft und die 4 Verteidiger der Angeklagten geeinigt. Nachdem den Angeklagten eine Obergrenze von 2 Jahren Haft auf Bewährung in Aussicht gestellt worden war, legten sie vor Gericht Geständnisse ab. Mit Baseballschlägern und Schlagstöcken bewaffnet hatten sie ihrem Opfer aufgelauert, angegriffen und den Pulli über den Kopf gezogen. Anschließend flohen sie. Das 48-jährige Opfer blieb mit einer Platzwunde über dem Auge und einigen Hämatomen auf der Strasse liegen. Ob die Angreifer zuvor bereits von der Polizei observiert worden waren, blieb im Prozess unklar. Fest steht: Einsatzkräfte waren sehr schnell vor Ort und umzingelten einen Häuserblock am Rosenplatz. Schon nach kurzer Fahndung wurden die Schläger verhaftet und Waffen sowie das „Raubgut“ sichergestellt. Einer der Angreifer trug zum Tatzeitpunkt eine Schussweste.

In ihren Plädoyers sprachen die Verteidiger von einer gezielten Provokation durch das Opfer, weil er durch das Tragen des Hells Angels Emblem in Osnabrück die Bandidos herausgefordert habe. Ein Anwalt formulierte es so: „Wer seinen Kopf in den Backofen legt, muss sich nicht wundern, wenn er warme Ohren bekommt.“

Eine Tatprovokation konnte die Kammer des Landgerichts nicht erkennen: „Osnabrück ist nicht das Hoheitsgebiet der Bandidos.“ Wie im vorabgesprochenen Deal verabredet, beließ es das Gericht bei Bewährungsstrafen zwischen 18 und 24 Monaten. Außerdem müssen die Verurteilten an das Opfer ein Schmerzensgeld von insgesamt 4200 Euro zahlen.

 

Bild: 4 Männer vor Gericht: Sie sind zum Teil verheiratet und haben Kinder. Im August überfielen sie als „Supporter“ des MC Bandidos einen Sympathisanten des verfeindeten MC Hells Angels.

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