Körperverletzung

Prozess vor dem Landgericht Osnabrück erfordert viel Geduld

Viereinhalbstündige Vernehmung außerhalb der Öffentlichkeit .

Osnabrück – Prozesse in denen es um die Verletzung des Rechtes auf sexuelle Selbstbestimmung geht, stellen für die Gerichte oft eine große inhaltliche und zeitliche Herausforderung dar. In den meisten Fällen gibt es nur zwei Beteiligte: Täter und Opfer. An ihren Aussagen liegt es, ob es zu einer Verurteilung oder einem Freispruch kommt. Diese Problematik zeigt sich auch in einer Verhandlung vor dem Landgericht Osnabrück in der sich ein 32-jähriger Nordhorner gegen den Vorwurf verteidigen muss, seine ehemalige Lebensgefährtin körperlich misshandelt und in zwei Fällen zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.

Nur die Personalien des Angeklagten und die nuschelig vorgetragene Antragsverlesung durften die Zuschauer im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Osnabrück verfolgen, dann erfolgte, nach nicht öffentlicher Verhandlung, der Beschluss, dass die Öffentlichkeit für die Zeit der Vernehmung des vermeintlichen Opfers der Misshandlungen auszuschließen sei.
Dem Angeklagten war zuvor vorgeworfen worden in der Zeit vom 14.10.2010 bis zum 17.3.2012 in der Wohnung der Lebensgefährtin in Fürstenau die Angeklagte massiv sexuell bedrängt und geschlagen zu haben.
Der erste Fall am 14.10.2012 wurde bereits aktenkundig, nachdem die Angeklagte sich nach einer angeblichen Vergewaltigung dem Zugriff ihres Peinigers, der sie zu weiteren sexuellen Handlungen zwingen wollte, entziehen konnte. Von einer herbeigerufenen Polizeistreife wurde sie nachts im Hinterhof ihres Wohnhauses in einem Bademantel hockend angetroffen. In der Folge dieses Vorfalles kam es, laut Anklageschrift, immer wieder zu körperlichen Übergriffen. Die Frau wurde an den Haaren gezogen, gewaltsam entkleidet, geschlagen und gewürgt. Sie erlitt Hämatome am Hals, den Rippen und dem rechten Auge.

Die nicht öffentliche Vernehmung der Hauptbelastungszeugin erforderte mehr Zeit als gewöhnlich. Sehr leise und verzögert, so war später zu hören, habe die Belastungszeugin auf die vielen Fragen der Richter, Verteidiger und von zwei Gutachtern geantwortet.
Viereinhalb Stunden starrten derweil die wartenden Zuschauer die Tür des Gerichtssaales an, immer in der Hoffnung bald wieder zu hören zu dürfen. Nach und nach trudelten die geladen Zeugen, alles Polizeibeamte, ein und wurden gebeten später wieder zu erscheinen.
Immerhin: Am Nachmittag sagten noch zwei Beamte aus. Sie berichteten von einer Beziehung, die vom schweren Alkoholmissbrauch gekennzeichnet gewesen sei. Der Angeklagte habe sich in seiner Vernehmung als "Unschuldslamm" dargestellt, dem keine Übergriffe vorzuwerfen seien. Die Verletzungen seiner Lebensgefährtin erklärte er als Folge von "alkoholbedingten Stürzen".
Die Vernehmung seiner ehemaligen Partnerin, die nach dem letzten Vorfall im Marienhospital Osnabrück lag, habe sich, so ein Beamter, anfänglich schwierig gestaltet: "Sie war kaum ansprechbar." Eine Belastungstendenz habe er bei der Zeugin nicht feststellen können. Sie habe ihre Verletzungen auch als mögliche Folge des übermäßigen Alkoholmissbrauchs erklärt und nicht dem Angeklagten zugeordnet.

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