Körperverletzung

"Jetzt hat dein letztes Stündlein geschlagen" - Nordhornerin floh in Todesangst zu Nachbarn

Landgericht Osnabrück verhandelt wegen gefährlicher Körperverletzung

Osnabrück – Am 26. Februar 2015 wurde ein 53-jähriger Mann aus Nordhorn wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 4 Monaten verurteilt. Jetzt muss er sich in einem von ihm angestrengten Berufungsverfahren vor dem Landgericht Osnabrück erneut verantworten.

Im Prozess vor dem Amtsgericht Nordhorn war festgestellt worden, dass der Angeklagte am 25. Juli 2014 seine damalige Lebensgefährtin schwer misshandelt hat, weil sie sich von ihm trennen wollte. Über den ganzen Tag hin hätte er versucht sie zum Überdenken ihrer Trennungsabsicht zu überreden. Mit zunehmendem Alkoholkonsum sei es dann zu immer heftigeren körperlichen Attacken gekommen. Der Angeklagte habe die Telefonleitung unterbrochen und den Wohnungsschlüssel abgezogen. Gegen 23 Uhr, so hatte das Amtgericht Nordhorn festgestellt, sei der Angeklagte "splitterfasernackt" im Schlafzimmer der Lebensgefährtin erschienen und habe sie schwerst misshandelt. Nach Faustschlägen ins Gesicht und auf den gesamten Körper, folgte ein Würgen bis zur Bewusstlosigkeit. Der Angeklagte habe verlangt, dass die Frau sich ausziehen solle. Dann habe der 53-Jährige plötzlich ein Klebeband in der Hand gehabt. Nach seinem Satz: "Ich bring dich um. Und wenn es das Letzte ist, was ich tue," konnte sein Opfer in panischer Angst fliehen. Eine noch rasch mitgenommene Hose zog sie auf der Straße an, bevor sie bei Nachbarn klingelte. Die herbeigerufene Polizei konnte den angetrunkenen Mann nur mit Mühe in einen Streifenwagen verfrachten. Im Krankenhaus wurden bei der Frau ein Schädelhirntraum ersten Grades, geschwollene Augen, diverse Hämatome am ganzen Körper und eine Thoraxprellung festgestellt.

Die Verlesung des Urteilstextes aus Nordhorn wartete der kleine, sehr schmächtige Mann ruhig ab, bevor er sich erstmalig umfassend zu den Vorwürfen äußerte. In Nordhorn hatte er noch geschwiegen, doch vor dem Landgericht Osnabrück verlas er eine mehrseitige Erklärung in der er die Vorwürfe - gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte - bestritt. Minutiös listete er die Ereignisse des Tages, vom Kaffeekochen nach dem Aufstehen über das Streichen eine Spaliers bis hin zum Rosewein trinken auf, doch seine Einlassung zur Entstehung der Verletzungen klang abenteuerlich. Seine Lebensgefährtin sei gegen Abend weggefahren oder gegangen und sei dann verletzt wieder gekommen. Sie habe ihn hernach bezichtigt die massiven Verletzungen herbeigeführt zu haben. Immer wieder habe sie ihn geschubst und auch geschlagen, führte der 53-Jährige an.
In einer Nachfrage machte der Staatsanwalt deutlich, dass er die Version des Angeklagten "schwer glauben" könne. Wie, so fragte der Ankläger, erklären Sie sich denn die Verletzungen Ihrer ehemaligen Freundin? Das sei ja, so der Staatsanwalt weiter, eine schwere kriminelle Handlung, wenn man sich selbst oder durch andere derartig verletzten lassen würde, um dann jemand anderem dann diese Tat anzulasten. Der Angeklagte hat darauf keine Antwort. Muss er auch nicht, stellte sein Verteidiger Theo Krümberg unterstützend fest. Sein Mandant blieb bei seiner Aussage, auch wenn er später einräumte, dass er an den Abend nur wenige Erinnerungen habe. Ein Blutalkoholspiegel von 2,83 Promille war bei dem Angeklagten kurz nach der vorläufigen Festnahme festgestellt worden.
Das vermeintliche Opfer, eine 52-jährige Frau aus Nordhorn, schilderte die Ereignisse so wie sie auch im Urteil des Amtsgerichtes zu lesen ist. Sie wirkt dabei nicht so, wie jemand, der sich eine solche Geschichte ausgedacht haben könnte. Als ihr Widersacher mit dem Klebeband erschienen sei, habe sie gedacht: "Jetzt hat dein letztes Stündlein geschlagen." Sie sei dann in Todesangst durch die Terrassentür zu den Nachbarn geflüchtet.
Diese hatten in einer polizeilichen Vernehmung von einer "vor Angst zitternden Frau" gesprochen, die sie gebeten habe, ihr zu helfen und sie nicht alleine zu lassen.
Von drei geladenen Polizeibeamten konnte nur einer erscheinen, seine Kollegen sind im Urlaub. Aus der Schilderung des erschienenen Beamten ließ sich kein massiver Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte heraushören, den der Angeklagte bei seiner Festnahme leistete. Vielleicht hat er sich nur gesträubt.
Was genau er in der Nacht des 25. Juli 2014 getan hat, wird sich am 25.9 endgültig klären. Dann sollen die beiden Zeugen gehört werden. Auch mit einem Urteil ist an diesem Tag zu rechnen.

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