Körperverletzung

Berufung gegen Urteil des Amtsgerichts Nordhorn verworfen.

Landgericht Osnabrück: Keine positive Sozialprognose für brutalen Schläger

Osnabrück – Zur einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und vier Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung wurde ein 53-Jähriger aus Nordhorn verurteilt. Das Landgericht Osnabrück verwarf damit eine Berufung des Angeklagten gegen ein Urteil des Amtsgerichts Nordhorn, welches genau diese Strafe ausgeurteilt hat.
Beide Gerichte sahen es ohne Zweifel als erwiesen, dass der Angeklagte am Abend des 27.07.2014 seine damalige Lebensgefährtin, die sich von ihm trennen wollte, massiv gegen den Körper und Kopf geschlagen hat. Außerdem hat er bei seiner Festnahme Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet.
Sowohl vor dem Amtsgericht wie jetzt auch vor dem Landgericht hatte der Mann die Tat bestritten. Seiner Einlassung, dass die Frau das Haus am Abend verlassen hatte und später verletzt heimgekehrt sei, konnte das Gericht nicht folgen. "Warum", fragte nicht nur der Staatsanwalt, sondern auch der Nebenkläger und in ihrer Urteilsbegründung die Richterin, "soll die Nebenklägerin die Geschichte erfunden haben?" Sie hätte sich dadurch strafbar gemacht und sich zusätzlich an vier Verhandlungstagen als Lügnerin bezichtigen lassen müssen. Ihre Aussagen seien widerspruchfrei, in sich plausibel und ohne zusätzliche Belastungstendenzen. Nach der Tat war die verletzte Frau barfuss zu Nachbarn geflohen und dort von den herbeigerufen Polizeibeamten in einem Bett liegend vorgefunden worden. "So eine zerschundene Frau habe ich in meiner langen Berufstätigkeit noch nicht gesehen," berichtet ein Beamter vor Gericht. Im Haus des Opfers sei man, so schilderte er weiter auf den schwerst alkoholisierten Angeklagten getroffen, der aber den Eindruck erweckt habe, dass er mit dem Eintreffen der Beamten rechnete. Gegen seine Festnahme und seinen Abtransport zum Einsatzwagen haben sich der Betrunkene gewehrt, indem er sich fallen ließ und massiv sträubte.
Keine leichte Aufgaben hatte der Verteidiger des uneinsichtigen Mandanten. Er musste, den Aussagen seines Mandanten folgend, einen Freispruch beantragen, weil dieser die Tat bestritten habe. Ersatzweise, für den Fall einer Verurteilung verwies Rechtsanwalt Theo Krümberg darauf, dass der deutlich körperlich gezeichnete Mann eine Alkoholentwöhnungstherapie beginnen wolle. Das reichte dem Staatsanwalt nicht. Der Angeklagte habe spätestens seit seiner ersten Verurteilung im Februar die Gelegenheit gehabt, bei den entsprechenden Einrichtungen vorstellig zu werden. Auch dem Nebenklagevertreter Michal Schulz genügte die bloße Ankündigung nicht. Er stellte den Antrag seiner Mandantin ein Schmerzensgeld von 5000 Euro zusprechen.
Die vorsitzende Richterin erkannte zwar die Einschränkung der Steuerungsfähigkeit des Angeklagten, der zur Tatzeit einen Blutalkoholwert von 3 Promille hatte, an, erkannte aber keine Schuldunfähigkeit. Mit den Worten: "Wir haben uns gefragt, was für Sie spricht", wandte sie sich direkt an den Angeklagten. "Wir haben nichts gefunden," stellte sie fest. Im Gegenteil, der Angeklagte sei 2006 wegen Vergewaltigung zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Ein positive Sozialprognose sei nicht festzustellen. Diese sei aber ein Vorrausetzung für eine Bewährungsstrafe.
Die Strafe der Vorinstanz sei richtig gewesen und somit die Berufung zu verwerfen. Neben den Gerichtskosten wurde dem Angeklagten die Zahlung eines Schmerzengeldes von 5000 Euro auferlegt.

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