Körperverletzung

Vergewaltigungsopfer schilderte Tat unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Landgericht Osnabrück: 16 Jahre Alkohol und Schläge

Vor dem Landgericht Osnabrück begann der Prozess gegen einen in Nordhorn wohnhaften Polen (44), dem die Anklage Anklage schwere sexuelle Nötigung und Körperverletzung vorwirft. Am ersten Tag kam der Angeklagte sowie das Opfer, seine geschiedene Ehefrau – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – zu Wort.
Alkohol. Dieses Wort zog sich wie ein roter Faden durch den ersten Tag eines Vergewaltigungsprozesses in dem für die Öffentlichkeit nur die Darstellung des Angeklagten zu hören war. Die Schilderung seines vermeintlichen Opfers bezüglich des Tatvorwurfes geschah aus nachvollziehbaren Gründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Am 30.10.2014 endete, so stellt es sich bisher dar, das jahrelange Martyrium einer jetzt 46-jährigen Ukrainerin, die im Jahre 2000 einen Polen kennengelernt hatte, ihn heiratete und einen Sohn von ihm bekam. Schon in der Zeit als die beiden noch in Polen lebten, habe ihr damaliger Mann viel getrunken und sie dann auch geschlagen. Irgendwann sei sie, so schilderte sie dem Gericht, in die Ukraine zurückgezogen doch ihr Mann habe sie überredet gemeinsam nach Deutschland zu ziehen.
Im Jahre 2014 lebten die beiden mit ihrem Sohn in Nordhorn. Immer wieder, dass bestätigten später auch weitere Zeugen sei es alkoholbedingt zu „häuslicher Gewalt“ und entsprechenden Polizeieinsätzen gekommen. Mal wurde die Frau von der Polizei mitgenommen, weil sie ihren Mann geschlagen haben soll, dann wieder war es der Mann, dem ein „Hausverbot“ erteilt wurde.
Ende Oktober 2014 eskalierte der Streit der Eheleute endgültig.
Laut Anklage habe der Angeklagte die Frau nachts in betrunkenen Zustand aus ihrem Bett gezerrt, sie mit Klebeband gefesselt und ihr sowohl anal, als auch vaginal Gegenstände eingeführt. Da sie laut um Hilfe gerufen habe, sei sie von ihrem Mann dann geknebelt worden. Um den ganzen Kopf habe er Klebeband geführt. Zweimal konnte sie sich von der Fußfesselung befreien, doch auf dem Weg zur Ausgangstür habe der Angeklagte sie gepackt und erneut gefesselt. Schließlich konnte sie fliehen, als Nachbarn an die Tür klopften.
Nach der Anklageverlesung konnte der Beschuldigte sich zum Tatvorwurf äußern. Als seine Dolmetscherin übersetzte: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll,“ dachten die Zuhörer, dass jetzt ein umfassendes Geständnis folgen würde, doch weit gefehlt. Die vorsitzende Richterin hakte nach: „Stimmt es denn, was Ihnen vorgeworfen wird?“ „Gar nichts stimmt,“ war die postwendende Antwort. Es folgte eine lange Bezichtigung seiner Exfrau. Sie habe ihn geschlagen, den gemeinsamen Sohn massiv vernachlässigt und auch körperlich gezüchtigt. Er habe sie schließlich loswerden wollen. Aus Rache habe sie ihn dann eine Woche nach der zur Rede stehenden Nacht angezeigt.
Aus der Tatsache, dass seine Exfrau anderthalb Stunden lang vernommen wurde, er psychiatrisch begutachtet werden soll und dem was aus der Aussage des Opfers durchsickerte, lässt sich vermuten, dass es sich um Schutzbehauptungen handeln könnte. Auch die Aussagen eines Polizeibeamten und von zwei Nachbarn, stützen eher die Anklage.
Ob sich die Andeutungen des Verteidigers, dass die Frau der Prostitution nachgegangen sei, bewahrheiten, wird sich am 12.10.2016 zeigen. An diesem zweiten Prozesstag soll das psychiatrische Gutachten vorgetragen werden.

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