Raub und Diebstahl

Ferngesteuert: Von Arabella Kiesbauer zum Handtaschenraub gezwungen.

Landgericht Osnabrück: Botschaft der USA soll informiert werden

Wild gestikulierend redete 28-jährigen Gökhan R. bis kurz vor Verhandlungsbeginn auf seinen Anwalt ein und versuchte ihm seine Sicht der Sachverhalte zu vermitteln, die zur Verhandlung vor dem LG Osnabrück anstanden.

 

Dem Angeklagten aus Osnabrück wurden ein Handtaschenraub und der Diebstahl eines Sweatshirts im Frühjahr dieses Jahres vorgeworfen. Eigentlich ein alltäglicher Strafprozess, wäre da nicht das lange Vorstrafenregister und die konfusen Ausführungen des beschuldigten zum Tathergang. Laut polizeilichem Vernehmungsprotokoll habe er vor und während der Tat Stimmen gehört, die ihn zum Diebstahl aufgefordert hätten. Diese Einlassungen wiederholte der Angeklagte in Teilen vor Gericht, auch wenn er sichtlich bemüht war sich nicht als unzurechnungsfähig darzustellen. Er behauptete im Besitz eines amerikanischen Passes zu sein und werde gegebenenfalls die Botschaft der USA informieren. Das Landgericht folgte mit beachtlicher Ruhe den weitschweifigen Erläuterungen des Angeklagten, der aus dem Landeskrankenhaus zur Verhandlung gebracht worden war. Immer wieder sprach er von den Medien, die ihn ferngesteuert hätten: Die TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Scientology Sekte wurden von ihm federführend genannt. Auch zum eigentlichen Tathergang des Raubes, bei dem er auf der Johannisstraße einer pensionierten Ärztin aus Hasbergen die Handtasche entrissen hat, machte er wirre Angaben. Bis zum Marienhospital sei er von 20 Monstern verfolgt worden. Er habe dann die Tasche dem Opfer zurückgegeben. Dieses wurde von der Zeugenaussage des Opfers eindeutig widerlegt. Die Monster entpuppten sich als aufmerksame Passanten, die der Rentnerin zur Hilfe geeilt waren. Die Handtasche verlor der Angeklagte auf der Flucht und wurde von einem Lieferanten der Krankenhausapotheke aufgenommen und zurückgegeben.

Die Beweisaufnahme des Gerichtes endete mit dem Bericht eines Gutachters vom Landeskrankenhaus Osnabrück. Für den Facharzt der Psychiatrie stand eindeutig fest, daß der Angeklagte schizophren ist. Wenn er unbehandelt auf freiem Fuß bliebe, gehe von ihm eine erhebliche Gefahr aus.

Der Verteidiger des Angeklagten hatte Mühe sein Schlußplädoyer zu halten. Immer wieder wurde er von Gökhan R. unterbrochen, der ihm vorwarf, mit dem Gutachter und dem Gericht „gemeinsame Sache“ zu machen. In der Urteilsverkündung bezog sich das Gericht auf das Gutachten und folgte der Empfehlung des Arztes. Der Angeklagte habe keinerlei Einsicht in die Tragweite seines Handelns zu erkennen gegeben. Es wurde eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet.

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