Raub und Diebstahl

Trotz 16 Kameras: 3 Überfälle auf Tankstelle in einem Jahr

Landgericht Osnabrück: Richter bittet Pächterin die Arbeit der Polizei zu machen

Osnabrück (kno) – 2 mal wurde die STAR-Tankstelle an der Bremerstraße im Januar des vergangenen Jahres überfallen. Ein weiterer Versuch am 5. Juni 2011 scheiterte, weil der Täter zu lange wartete und um 23 Uhr vor verschlossener Tür stand. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Osnabrück ist dieser Überfallversuch einem 45-Jährigen zuzuordnen. Nach einer eintägigen Verhandlung vor dem Landgericht Osnabrück mit 9 Zeugen und der eiligen Herbeischaffung eines USB-Speichersticks wurde der Angeklagte überraschend freigesprochen. „Ich habe da nix mit zu tun,“ beteuerte der 45-jährige Angeklagte zu Beginn der Verhandlung. Richtig sei, dass er an besagtem Sonntagabend ab 21 Uhr an der Einfahrt zur STAR-Tankstelle auf eine „Freundin“ gewartet habe. An einem Betonklotz habe er mehrere Zigaretten geraucht und sei dann unverrichteter Dinge nach Hause gegangen. Dort sei er um 22.15 Uhr eingetroffen, da sei er ganz sicher. Das könnte auch ein Mitbewohner und ein Freund bezeugen. Leider wisse er den Namen der „Freundin“ nicht mehr. Der Angeklagte war 4 Monate nach dem Überfallversuch in den Fokus der Polizei geraten, weil an 3 Zigarettenkippen vom Tatort seine DNA-Spuren gesichert werden konnten. Vergleichsspuren von ihm beim LKA Hannover ergaben einen Übereinstimmungstreffer. Anläßlich einer Hausdurchsuchung bei ihm entdeckten die Fahnder einer graue Regenjacke. Diese ähnelte einer Jacke, die der vermeintliche Täter bei seinem Versuch getragen hatte. Was genau am 5.6.2011 passierte, schilderte ein Angestellter der Tankstelle. Er habe gegen 23 Uhr die Ladentür geschlossen und angefangen den Laden sauber zu machen. Als er sich an der Tür niederhockte, konnte er schemenhaft eine vermummte Gestalt mit einer Kapuze über dem Kopf erkennen, die versuchte durch die Tür zu kommen. Als das nicht gelang, habe sich die männliche Person schnell entfernt. Von der gegenüberliegenden Straßenseite beobachte eine Zeugin aus ihrer Wohnung den Beginn eines Überfalls. Sie sah, wie sich jemand maskierte und auf die Tür zuging. Sie alarmierte zwei Hausbewohner, die die Verfolgung des gescheiterten Räubers aufnahmen. Seine Spur verlor sich in einem Schrebergartengelände im Schinkel. 16 Kameras überwachen das gesamte Tankstellengelände. Die entsprechenden Bilder wurden von der alarmierten Polizei gesichtet, aber nicht gesichert. Nur 3 schwarz-weiße Kopien gelangten in die Akten. Die nur aus Interesse am Prozess im Gericht anwesende Pächterin erklärte als „Spontanzeugin“, dass sich ein USB-Speicherstick mit mehreren Videosequenzen in der Tankstelle befände. „Dann möchte ich Sie bitten, die Ermittlungsarbeit der Polizei zu machen, und den Stick zu holen.“ 30 Minuten später werden die Dokumente der Leidensgeschichte des Pächterehepaares und seiner Angestellten an die Wand des Landgerichts projiziert. Neben den verschiedenen Kameraeinstellungen zu den Überfällen sind Bilder von zahlreichen Tankbetrügern und Ladendieben archiviert. Allerdings sind die gespeicherten Nachtaufnahmen vom Überfallversuch im Juni 2011 so schlecht, dass sie für eine Identifizierung nicht reichen. Unzureichend, so lässt der Richter durchblicken, ist die Ermittlungsarbeit der Polizei. Nur von einem Zeugen gibt es ein Vernehmungsprotokoll. Richter: „Die Beweislage wird mit größer werdendem Abstand ja nicht besser.“ Nach dem Freispruch des Angeklagten, wendet sich der Richter direkt an den Angeklagten: „Sie haben Schwein gehabt.“ Durch seine seltsame Einlassung und die Benennung von zwei unglaubwürdigen Alibizeugen hätte sich der Angeklagte selbst verdächtig gemacht. 

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