Raub und Diebstahl

Einbruchsopfer schläft mit Eisenstange im Bett

Landgericht Osnabrück: Einlassung eines Einbrechers „völlig abwegig und lebensfremd“.

Von vier Justizbeamten bewacht wurden zwei Angeklagte in Handschellen in den Gerichtssaal zu ihrer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Osnabrück gebracht. Dass ihre Handschellen zusätzlich mit einem Bauchgurt gesichert worden waren, hatte einen Grund: Die beiden 24-jährigen Männer sind hochgefährlich, sie neigen zu massivem Widerstand gegen Vollzugsbeamte. Einer der Männer war vom Amtsgericht Osnabrück verurteilt worden, weil er am 30.5.2011 nach einem Streit mit einem Kontrahenten auch gegen die zur Streitschlichtung herbeigerufenen Polizisten vorgegangen war und diese dabei aufs übelste beschimpft und verletzt hatte, obwohl ihm zwischenzeitlich Handschellen angelegt worden waren. Beide Männer waren außerdem wegen eines gemeinschaftlich begangen Einbruchversuchs in Melle zu Haftstrafen von 14 und 15 Monaten verurteilt worden. Dagegen hatten sie Berufung eingelegt. In der Nacht des 20.8.2011 um 23.48 alarmierte ein Zeuge die Polizei, nachdem er auf der Mühlenstraße in der Melleraner Innenstadt über einen längeren Zeitraum ein Scheppern und Klirren gehört hatte. Schon nach kurzer Zeit traf eine Polizeistreife ein und begab sich zum Eingang des betreffenden Gebäudes. Dort erschien erst der eine und wenig später der zweite Angeklagte. Zusammen mit den Polizisten wurde das Haus kontrolliert. Im 2-ten Stock dann die Überraschung: Die Eingangstür zu einer Wohnung war vollkommen demoliert, das Oberlicht zersplittert. In der Wohnung herrschte Chaos, im Treppenhaus fanden sich Blutspuren und Teile eine Hifi-Anlage. Die beiden Männer wurden festgenommen. Im Keller des Hauses entdeckten die Polizisten einen Haufen mit weiterer Beute, die zum Abtransport bereitstand. Während einer der Täter den versuchten Einbruch gestand, bestritt der zweite bis in die Berufungsverhandlung seine Mittäterschaft. Da er selber keine Angaben machen wollte, fiel seinem Verteidiger die Aufgabe zu eine Geschichte zu präsentieren, die das Gericht in seinem Urteil später, als „völlig abwegig und lebensfremd“ einstufte. Er sei, so die unglaubwürdige Version, nach einer Veranstaltung in der Meller Innenstadt von dem Mitangeklagten angesprochen worden, ihm beim Abtransport der Beute zu helfen. Danach sei es zu einer Schlägerei mit anderen gekommen und beide seien dann in das Haus an der Mühlenstraße geflüchtet. „Gewisse Verdachtsmomente sind zwar vorhanden,“ so der Verteidiger, diese würden aber nicht für eine Verurteilung reichen. Die „Verdachtsmomente“ listete anschließend der Staatsanwalt auf: Bei dem Angeklagten wurde ein Latexhandschuh entdeckt, er hatte in seiner Socke einen Schraubendreher stecken, seine Hand war verletzt, sein Blut war im gesamten Treppenhaus an den Wänden. Das Klirren im Haus sei bis kurz vor dem Eintreffen der Polizei zu hören gewesen, eine Flucht vor einer angeblichen Schlägerei sei erfunden.
Die beiden Angeklagten kamen vor 10 Jahren aus Russland und Tschetschenien nach Deutschland. Sie haben beide mehrere erheblichen Vorstrafen unter anderem wegen, Körperverletzung, schweren Raubes, Diebstahls und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. Beide haben längere Hafterfahrung. Feixend nahm einer der Angeklagten die Verwerfung seiner Berufung zu Kenntnis, bevor er von den Wachtmeistern im Saal wieder verschnürt und abtransportiert wurde. Das Opfer des Einbruchs hatte zuvor als Zeuge geschildert, dass er nach dem Einbruch, bei dem er nicht anwesend war, eine Woche nicht in seiner Wohnung geschlafen habe und seit dem aus Angst nur noch mit einer Eisenstange im Bett schlafen würde.

Diesen Beitrag teilen



Einbruchsopfer schläft mit Eisenstange im Bett  - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt