Raub und Diebstahl

Fahrt zum Landgericht Osnabrück vergeblich

Metalldiebe zogen ihre Berufungen zurück

„Außer Spesen nichts gewesen“, heißt es im Volksmund, wenn ein Unterfangen erfolglos endet und nur Kosten verursacht. Das mussten auch zwei Männer aus Nordhorn erfahren, die vor dem Landgericht Osnabrück versuchten gegen ihre Verurteilungen durch das Amtsgericht Nordhorn zu klagen. Die Vorinstanz hatte einen 36-Jährigen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und einem Monat verurteilt, weil er Drahtzieher einer Serie von Metalldiebstählen gewesen sein soll. Ab November 2010 soll er auf einen geschlossenen Gewerbegelände an der Lohner Flugplatzstraße in Nordhorn nachts Metall aus Container von dort ansässigen Betrieben gestohlen und anschließend bei einem Schrotthändler versilbert zu haben. Bis zum Juni 2011 kam es laut Anklage zu 10 Diebstahlsfällen mit einem Schaden von 630 Euro. Weil er selber keinen Führerschein und kein Auto hatte, fragte er dann einen 26-jährigen Mitbewohner, ob er sich an den nächtlichen Diebestouren beteiligen wolle. In der Folge transportierten die beiden Altmetalle, darunter auch VA-Edelstahl mit einem Mercedes Kombi ab. In acht Fällen erbeuteten die beiden Schrott für 4500 Euro. Der Drahtzieher, der einen Schlüssel für das Gewerbegebiet hatte, wollte mit seiner Berufung eine Bewährungsstrafe erwirken. Der Mittäter, der vom Amtsgericht Nordhorn zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt worden war, bestritt bei den ersten drei Taten, an denen er beteiligt war, vom kriminellen Hintergrund gewusst zu haben. Der 36-Jährige habe ihm gesagt, so der Angeklagte, vor dem Landgericht Osnabrück, dass er der nächtliche Abtransport mit dem Besitzer abgesprochen sei. Das konnte ihm die Richterin nicht so ganz glauben. Sie verwies auf die ungewöhnliche Aktivitätszeiten des Duos nachts zwischen 1 und 3 Uhr. Das, entgegnete der Angeklagte, sei angeblich geschehen, weil der Besitzer des Metalls nicht wollte, dass es seine Angestellten vom Abtransport erfahren würden. Doch auch das erschien der Richterin wenig plausibel, weil das Metall aus zwei Containern von verschiedenen Firmen gestohlen wurde. Sie machte den Angeklagten darauf aufmerksam, dass er die Möglichkeit habe, seine Berufung zurückzuziehen, um zusätzliche Kosten durch ein Urteil zu vermeiden. Nach einer fünfminütigen Beratung mit seinem Anwalt folgte der 26-Jährige dem Rat der Richterin und zog von dannen. Anschließend macht die Richterin dem verbliebenen Angeklagten klar, dass sie auch für sein Unterfangen keine besonders guten Chancen sah. Der mehrfach vorbestrafte Nordhorner habe seine Tat ein halbes Jahr nach einer Verurteilung wegen einer ähnlichen Tat begangen. Sein Bewährungshelfer hatte ihm angesichts seiner Alkoholproblematik ein schlechtes Zeugnis ausgestellt und er sich nicht ernsthaft bemühe. Sie sprach von einem „zweckdienlichen Verhalten zur Erlangung einer Bewährungsstrafe“. Der Angeklagte sei schlecht erreichbar und eine „Therapiemotivation“ nicht erkennbar. Die anwesenden Ex-Frau widersprach aus dem Zuschauerraum den Aussagen des Angeklagten, dass er nur ein bis zwei Flaschen Bier am Tag trinken würde. Er musste einräumen, dass es wohl 5 bis 6 seien und er außerdem noch Korn konsumiere. Es bestand kein Grund für die Annahme einer positiven Prognose. Angesichts der Aussichtslosigkeit seines Vorhabens zog der 36-Jährige ebenfalls seine Berufung zurück. Es blieb beim Nordhorner Urteil zu einer 13-monatigen Haftstrafe wegen 18 Fällen von Metalldiebstahls. Beide Angeklagten fuhren unverrichteter Dinge, aber mit höheren Kosten nach Nordhorn zurück. 

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