Raub und Diebstahl

Schalker Fans entrissen Werder Fan Schal im Regionalexpress nach Osnabrück

Amtsgericht Osnabrück: „Das ist so wie im Sandkasten“

Das Spiel Werder Bremen gegen Schalke O4 am 16.4.2011 endete 1:1. Der Spielbericht verzeichnete keine roten Karten. Die allerdings gab es jetzt für zwei Schalker Fans vom Amtsgericht Osnabrück. Sie mussten sich verantworten, weil sie mit Gewalt gegen Fans anderer Mannschaften vorgegangen waren, um sich in den Besitz ihrer Schals zu bringen. Die beiden Schalkefans (27 und 24) aus Hamm und Hagen waren mit weiteren Fans schon am Morgen biertrinkend Richtung Bremen losgefahren und hatten, nach eigenen Angaben; auch während des Spiels heftig weitergebechert: „Bier gehört zum Fußball. 8 bis 10 Liter können es gewesen sein.“ Die Rückfahrt ihrer Fußball-Sauftour traten sie mit dem Regionalexpress RE 84 Richtung Osnabrück an. Hinter Bohmte entdeckten sie auf einem Rundgang durch den Zug einen Fan von Hannover 96 aus Bünde, der das Bundesligaspiel seines Vereins gegen den Hamburger SV (0:0) verfolgt hatte, aber vollkommen nüchtern war. Er hatte einen Schal um die Hand, einen weiteren um den Hals. „Die beiden Angeklagten“ so der 26-jährige Zeuge „haben versucht sich in den Besitz meiner Schals zu bringen.“ Sie hätten daran gezerrt und ihn mit seinem eigenen Schal gedrosselt. Folge: Massive Atemnot. Die Schals blieben beim Besitzer, weil andere Fahrgäste einschritten. Ein 67-jähriger Mitreisender beschreibt den Vorgang vor Gericht drastisch: „Der wurde massiv stranguliert.“ Die Atmosspähre im Zug sei sehr aufgeheizt gewesen, die Schalker Fans hätten „so randaliert, dass ich Angst um mein Leben hatte.“ Sie hätten gepöbelt und Frauen belästigt und seien dann aber nach den Protesten der Fahrgäste weitergezogen. In einem anderen Abteil stießen sie auf einen allein sitzenden Werder Fan, kenntlich an einem Trikot und einem Schal. Er war nüchtern und hörte Musik mit einem Kopfhörer. Plötzlich wurde der Kopfhörer aus seinem Ohr geschnippt und er wurde von dem beiden Schalkern gefragt, ob er sein Trikot oder den Schal abgeben wollte. Als er die Abgabe seiner Fanartikel verweigerte, wurde ihm der Schal entrissen, es gab einen Faustschlag ins Gesicht. Die Reihenfolge konnte vor Gericht nicht mehr festgestellt werden. Die beiden Schalker zogen dann mit ihrer Beute weiter. Auf dem Hauptbahnhof meldet der Bestohlene sich bei der Bundespolizei und identifizierte die beiden Täter. Deren Personalien wurden aufgenommen, aber sie wurden nicht durchsucht. Ein Bahnbediensteter gab den Hinweis auf einen Haufen von Fanartikeln im hinteren Teil des Zuges, der aber bereits weitergefahren war. Für das Amtsgericht stand nun die Frage im Raum, ob es sich bei dem gewaltsamen Entreißen des Schal um einen vollendeten Raub und in dem ersten Fall um einen Versuch handeln könne. Mit diesem Problem hatten sich, so der Amtsrichter, auch schon andere Gerichte beschäftigen müssen. In einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs heißt es, dass es sich nicht um einen Raub handele, wenn keine „rechtswidrige Zueignungsabsicht“ erkennbar sei, sondern die Sache (Schal) nur weggenommen wurde, um jemand anderen zu ärgern. Der Richter erläuterte für die Schalker Fans: „Das ist so wie im Sandkasten, wenn ein Kind dem anderen das Förmchen wegnimmt, nur weil es nicht will, dass das andere damit spielt.“ Die Staatsanwältin wertete die Drosselung mit dem Schal des Hannover Fans als eine „lebensgefährliche Handlung“ und sah zwei Fälle von Nötigung und eine gemeinschaftlicher Körperverletzung verwirklicht. Sie beantragte jeweils ein Jahr Bewährungsstrafe plus Geldauflage und gemeinnützige Arbeit. „Rivalitäten und Pöbelein zwischen Fans finden nicht im rechtsfreien Raum statt und sind nicht zu verharmlosen,“ stellte der Amtsrichter in seiner Urteilsbegründung fest. Das Schöffengericht verurteilte die beiden zu Geldstrafen von 60 Tagessätzen für den 27-Jährigen und 90 Tagessätzen für den jüngeren Schalke Fan, weil er den Faustschlag ausführte. Weil der Ältere ein Einkommen hat, beträgt der Tagessatz für ihn 40 Euro(Summe: 2400 Euro). Für den mittellosen 23-Jährigen wurden 14 Euro (Summe 1260 Euro) festgesetzt.

Diesen Beitrag teilen



Schalker Fans entrissen Werder Fan Schal im Regionalexpress nach Osnabrück  - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt