Raub und Diebstahl

Überraschung auf der Wache: Ich bin der Spielhallenräuber

Landgericht Osnabrück: Angeklagter machte einen sehr positiven Eindruck

Osnabrück – Das Urteil der 10. Großen Strafkammer des Landgerichts Osnabrück gegen einen 25-Jährigen aus Nordhorn stieß bei allen Prozessbeteiligten auf Zustimmung. Der junge Mann hatte Ende des Jahres 2012 in Nordhorn zwei Spielhallen überfallen und wurde wegen schwerer räuberischer Erpressung zu 4 Jahren Haft verurteilt. Die Beamten auf der Polizeiwache staunten nicht schlecht, als am 30.12.2012 um 3 Uhr morgens ein junger Mann vor ihnen stand und von sich behauptete: „Ich bin der Spielhallenräuber.“ Aus einer kurzen ersten Vernehmung, die am später fortgesetzt wurde ergab sich, dass der Erschienene sich bezichtigte für zwei Überfälle auf Spielotheken in Nordhorn verantwortlich zu sein. Die Beschreibung der Tatabläufe ließen keinen Zweifel an der Richtigkeit seiner Behauptung.
Am späten Abend des 21.11.2013 war die Angestellte einer Spielothek am Gildehauserweg mit dem Saubermachen beschäftigt, als plötzlich ein maskierter Mann mit einer Pistole vor ihr stand und sie mit knappen Worten aufforderte seine mitgebrachte Stofftasche mit Geld zu füllen. Völlig verängstigt kam die Angestellte der unmissverständlichen Aufforderung nach. Schon nach maximal zwei Minuten war der Spuk vorbei. Doch der Schrecken, so die 45-Jährige vor Gericht, sitzt ihr bis heute in den Gliedern. Sie habe nicht mehr in der Spielothek weiterarbeiten können und sei seitdem arbeitslos. Ähnlich erging es am zweiten Weihnachtstag 2012 einer 60-Jährigen, die an der Bentheimer Straße in einer Spielhalle arbeitet. Sie habe zuerst an einen Scherz gedacht, als ihr ein Maskierter eine Waffe an die Schläfe hielt und sie zur Herausgabe von Geld aufforderte. Doch es war kein Scherz, sodass auch sie den mitgebrachten roten Stoffbeutel mit Geld aus der Kasse füllte. Die 60-Jährige betonte vor Gericht, dass sie noch wenige Jahre bis zur Rente weiterarbeiten müsse, weil sie auf das Geld angewiesen sei. Während sie eine Entschuldigung des Angeklagten ablehnte, hörte sich ihre Kollegin die durchaus glaubhaften Worte an, die der Angeklagte mit tränenerstickter Stimme an sie richtete: „Es tut mir so Leid, wenn ich höre, dass Sie jetzt arbeitslos sind.“
Der psychiatrischer Gutachter Said Schendel hatte sich im Vorfeld der Verhandlung die Lebensgeschichte des Angeklagten ausführlich angehört und kam zu dem Ergebnis, dass dieser bisher „nicht durchgehend verantwortungslos gehandelt habe.“ Er habe Empathie und können sich in die Situation seiner Opfer hineinversetzen. Zwar sei dem Angeklagten eine „Alkohol- und Drogenmissbrauchssymptomatik“ zu bescheinigen, er sei aber nicht süchtig. Der Angeklagte habe ihm berichtet, dass er seit seinem 10. Lebensjahr, erst Alkohol, später zusätzlich Marihuana und Kokain konsumiert habe. Zum Tatzeitpunkt habe aber keine Einschränkung der Schuldfähigkeit wegen dieser Problematik vorgelegen.
Nachdem der Angeklagte, so ergibt es sich aus seiner Biographie, von seinen getrennt lebenden Eltern „hin- und hergeschoben“ wurde, kam er in Heime und 2003 und 2008 auch mit dem Strafrecht in Kontakt. Er verbrachte eine Zeit in ein Jungendstrafanstalt, wo er den Hauptschulabschluss nachholte.
„Wenn es kein Geständnis des Angeklagten gegeben hätte, gäbe es diesen Prozess nicht,“ stellte der Staatsanwalt am Ende der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Osnabrück fest. Objektiv betrachtet könne es für die begangenen Straftaten „schon mal 7 bis 8 Jahre Haft“ geben, doch das gemachte Geständnis sei eine Art Lebensbeichte und somit „extrem schwerwiegend“ und positiv zu beurteilen. Dem Angeklagten sei klar geworden, was er angerichtet habe, so der Vertreter der Anklage, der in seiner Gesamtschau ein Strafmass von 4 Jahren und 6 Monaten für angemessen hielt.
Auch Verteidiger Thomas Heils betonte die Wichtigkeit des Geständnisses. Das Gericht dürfe die Möglichkeit einer Außenwirkung durch die Berücksichtigung der Beichte, die ohne Verfolgungsdruck ergangen sei, nicht verspielen und müsse es angemessen berücksichtigen. Er beantragte für beide Taten, dreieinhalb Jahre Haft und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Auch der Vertreter der Nebenklage, der noch einmal auf die erhebliche Schädigung seiner Mandantin verwies, erkannte das positive Nachtatverhalten des 25-Jährigen an.
Zu vier Jahren Haft wegen schwerer räuberischer Erpressung und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilte ihn das Landgericht. „Sie haben hier einen sehr positiven Eindruck gemacht. Sie haben noch Grundzüge von Anstand und Reue erkennbar werden lassen,“ stellte der Vorsitzende Richter fest. In einem ähnlichen Fall habe er vor kurzem ein Urteil von 8 Jahren verkündet. Der Angeklagte habe die Einsicht und die Kraft zur Umkehr, um ein bürgerliches Leben zu führen. „Ich lege Ihnen ausdrücklich ans Herz diese Chance zu nutzen.“

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