Raub und Diebstahl

138 Schachteln Zigaretten in der Jogginghose

Landgericht Osnabrück verhängte Bewährungsstrafe – Positive Sozialprognose für Wiederholungstäterin

Osnabrück – Die Tat, mit der sich das Landgericht Osnabrück in einer Berufungsverhandlung beschäftigen musste, ereignete sich am 19.02.2011 in einem Supermarkt in Nordhorn. Insgesamt fünf Personen aus Nordrhein-Westfalen sollen an einem ungewöhnlichen Ladendiebstahl beteiligt gewesen sein, bei dem 135 Schachteln Zigaretten im Wert von 680 Euro gestohlen wurden.

Eine 29-jährige Frau aus Moers hatte Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichtes Nordhorn eingelegt. Sie war als Einzige zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monate verurteilt worden. Ihre Mittäter hatte das Amtsgericht freisprechen müssen, weil ihrer Tatbeiträge nicht eindeutig zuzuordnen waren.

Die recht hohe Strafe für die 3-fache Mutter ergab sich, weil sie bereits 8-mal mit der Strafjustiz Kontakt hatte und zum Tatzeitpunkt unter laufender Bewährung stand. Wegen gemeinschaftlichen Diebstahl war sie zuletzt 2010 zu einer anderthalbjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Was sich genau im K&K Markt in Nordhorn abgespielt hatte, wurde in der Berufungsverhandlung nur am Rande erörtert, weil die Angeklagte nach einem Rechtsgespräch und Beratung durch ihren Anwalt das Ziel der Verhandlung auf den „Rechtsfolgenausspruch“ beschränkte. Es sollte somit nur noch um die Frage gehen, ob die vom Amtsgericht Nordhorn am 27.07.2012 ausgesprochene Freiheitsstrafe erneut zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Das setzte voraus, dass die Angeklagte, die im ersten Verfahren geschwiegen hatte, nunmehr ein Geständnis ablegte. Das tat sie dann auch. Allerdings nicht „voll umfänglich“, sie nannte keine Mittäter und beschrieb auch ihren Tatbeitrag nur nebulös. Es ergab sich der Eindruck, dass sie Angst vor der Nennung der Namen der Beteiligten hatte. „Ich habe mein Leben geändert,“ erklärte die Frau. Sie habe sich von den Personen getrennt und widme sich jetzt ausschließlich der Betreuung ihrer drei Kinder (11 J., 4 J., 3 Mon.), die sie von drei Vätern hat.

Bekannt wurde lediglich, dass die Angeklagte eine Kassiererin im K&K Markt in ein Gespräch verwickelte, während hinter aufgetürmten Küchenpapierrollen auf dem Transportband und einem zeitungslesenden Mittäter andere Diebe insgesamt 138 Schachteln Zigaretten in die Jogginghose eines Beteiligten verfrachteten. Wie er mit der prall gefüllten Hose den Supermarkt verlassen konnte, hätten vielleicht die 5 geladenen Zeugen beschreiben können, doch die konnten wegen der Berufungsbeschränkung das Gericht ohne Aussage wieder verlassen. Feststeht, dass das Quintett auf dem Parkplatz des Marktes gestellt wurde. In einem von 2 Fahrzeugen wurden die gestohlenen Zigaretten sicher gestellt. Doch zu diesem Zeitpunkt waren sie nicht mehr in der Jogginghose eines Diebes, sodass eine genaue Täterzuordnung erschwert wurde.
Ausschlaggebend für die Verhängung einer erneuten Bewährungsstrafe war der verlesene Bericht einer Bewährungshelferin. Daraus ergab sich, dass die geborene Kasachin sich anfänglich als unzugänglich und kritikunfähig zeigte, doch in der letzten Zeit ihre Termine zuverlässig wahrnimmt und sich scheinbar von den damaligen Mittätern fernhält. Fazit: Positive Sozialprognose.
Nach entsprechenden Plädoyers des eigens aus Bonn angereisten Wahlverteidigers und der Staatsanwältin setzte die 5. kleine Strafkammer die 10-monatige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. „Wir hoffen, dass das gut geht,“ verkündete der Richter und ließ damit erkennen, dass ein geringer Restzweifel besteht.

Falls die Verurteilte sich in den nächsten 4 Jahren erneut auf Diebestour begeben sollte und dabei erwischt würde, hätte sie mindesten 28 Monate abzusitzen. Hinzu käme die weitere Strafe für die neue Tat.

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