Raub und Diebstahl

Nach schweren Vorwürfe: Einstellung des Verfahrens

Landgericht Osnabrück: Erfahrener Richter klappte Raubakte zu.

Osnabrück – Die Anklage gegen einen 47-jährigen Kraftfahrer aus Nordhorn hörte sich dramatisch an. Von gemeinschaftlichem Handeln bei einer räuberischen Erpressung war zu lesen. Es sollte zu Misshandlungen gekommen sein. Opfer: Eine Frau aus der Ukraine, der angeblich angedroht wurde sie unter Drogen zu setzen, um sie in Frankfurt zur Prostitution zu zwingen.
Die Anklagepunkte wogen für das Amtgericht Nordhorn so schwer, dass der Fall nach dreitägiger Verhandlung an das Landgericht Osnabrück überwiesen wurde.
Die 10. Strafkammer des Landgerichts unter der Leitung des erfahrenen Vorsitzenden Dr. Temming nahm den Fall an und verhandelte ihn. Nach einer Stunde konnte die Akte zugeklappt werden. Die Parteien, Verteidigung, Nebenklagevertreter und Staatsanwalt hatten sich auf einen Vergleich geeinigt. Das Verfahren wurde nach einer Bargeldzahlung von 1500 Euro auf dem Richtertisch eingestellt.
Laut Anklage soll der 47-Jährige und ein "unbekannter" Mittäter am 09. Juni 2014 eine Frau in ein Auto gezerrt und ihr daraufhin die Handtasche abgenommen haben. 10 Minuten sei das Auto durch Nordhorn gefahren, wobei der "unbekannte" Mittäter sie an den Haaren gezogen und ihren Kopf auf die Rückbank gedrückt haben soll. Der Angeklagte habe dem Opfer dann gesagt, dass sie "weiterhin für ihn auf den Strich gehen solle" oder im Weigerungsfalle zusammen mit ihrer Tochter von ihm unter Drogen gesetzt und nach Frankfurt gebracht werde. Monatlich 500 Euro sollte das Opfer zahlen. Sozusagen als Vorkasse habe der Mittäter dann 100 Euro aus der Handtasche der Frau genommen, bevor sie vor ihrer Wohnungstür freigelassen wurde.
Fünf verletzte Strafrechtsparagraphen listet der Osnabrücker Anklagevertreter und brachte in moderaten Worten seine Verwunderung zum Ausdruck. Hier werde wohl mit "Kanonen auf Spatzen geschossen, erläuterte er in einer Verhandlungspause. Von einer räuberischen Erpressung könne schwerlich die Rede sein, es gäbe doch arge Zweifel an der Darstellung des Opfers. Dann stellte sich raus, dass der unbekannte Mittäter als Zeuge geladen war und auf dem Flur wartete. Er, so wusste der Staatsanwalt, habe die Ereignisse völlig anders geschildert.
Für Rechtsanwalt Robert Koop gab es daher nur eine Möglichkeit: Dieser Fall sollte so schnell wie möglich beendet werden. Schon im Vorfeld des Prozesses in Osnabrück hatte er sich mit Nebenklagevertreter Dr. Bernhard Weiner ins Benehmen gesetzt und einen Deal ausgehandelt: Gegen Zahlung eines Geldbetrages wollten beide vor Gericht einer Einstellung des Verfahrens zustimmen. Nun ging es nur noch um die Höhe dieses Täter-Opfer-Ausgleiches. Waren es im Schriftverkehr noch 3000 Euro, die erwogen wurden, reduzierte sich die Summe rasch auf 2000 Euro. Als Koop dann anbot 1500 Euro sofort und bar zu zahlen, entschied sich die Nebenklage für die Zahlung. Die folgende Einstellung des Verfahren war nur noch Formsache. Der Angeklagte dürfe sich der Ukrainerin nicht mehr nähern und Kontakt zu ihr aufnehmen, hieß es in der von Richter Temming verlesenen Einigung. Eine Strafzahlung von 10.000 Euro bei Zuwiderhandlung wurde dem 47-Jährigen angedroht.
Was sich nun wirklich während der abendlichen Fahrt durch Nordhorn im Auto abgespielt hat, war auch außerhalb der Verhandlung nicht zu erfragen. Der nun mehr bekannte "unbekannte Mittäter" verließ wortlos das Gerichtsgebäude. Rechtsanwalt Koop reagierte ausweichend auf die Frage, warum er nicht auf einen Freispruch hingewirkt habe: "Wir wollten das hier zügig beenden."
Das war ihm gelungen. Sein Mandant war zufrieden.
Und auch die Nebenklägerin, die während der Verhandlung noch weinend den Saal verlassen hatte, schien sich gegen Ende beruhigt zu haben.

Diesen Beitrag teilen



Nach schweren Vorwürfe: Einstellung des Verfahrens - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt