Raub und Diebstahl

Mit dem Fahrrad und einem Schraubendreher zum Tatort

Landgericht Osnabrück: Dreiköpfige Einbrecherbande aus der Grafschaft muss sich verantworten.

Bereits seit zwei Tagen verhandelt das Landgericht Osnabrück gegen eine dreiköpfige Einbrecherbande, die in den Jahren 2015 und 2016 vornehmlich in der Grafschaft Bad Bentheim ihr Unwesen trieb. Insgesamt 16 Taten werden dem Trio zur Last gelegt. Der Gesamtschaden, verursacht durch die Diebstähle in Einfamilienhäusern und die Zerstörungen von Fenstern und Türen beläuft sich auf 170.000 Euro. In weiteren Verfahren wird gegen Mittäter verhandelt. In Handschellen wurden zwei Angeklagte vorgeführt. Sie sitzen seit Mitte Dezember 2016 in U-Haft. Die dritte Angeklagte (23) ist die Ehefrau des Haupttäters (33). Der dritte Angeklagte – er soll an zehn Einbrüchen mitgewirkt haben - sitzt in den Verhandlungen zwischen den Eheleuten, ist aber isoliert, denn er belastet die junge Frau, der die Anklage die Beteiligung an fünf Taten vorwirft. Sie soll, laut Anklage, die beiden Männer jeweils mit ihrem Auto zu den Tatorten gebracht haben und eventuell „Schmiere gestanden“ haben. Die Mutter eines 6-monatigen Säuglings, dem Sohn des Hauptangeklagten, bestreitet Taten. Sie habe den Angeklagten erst im September 2015 kennen gelernt und nicht sofort gesagt: „Hurra, wir brechen irgendwo ein.“ Am Tage vor der Verhaftung habe sie den 33-Jährigen geheiratet.

Die Tatserie begann im Juli 2015 und hatte dann eine fast einjährige Unterbrechung. Der Grund für die vermeintliche Untätigkeit der Gruppe wurde bisher nicht bekannt. Tatorte waren Nordhorn (mehrfach), Schüttorf, Bad Bentheim, Isterbeck, Vreden, Halle Dinkel, Georgsdorf, Quendorf, aber auch Greven und Bremen.

Die Vorgehensweise der Männer oder auch des Haupttäters alleine war immer ähnlich: Nach der Fahrt mit dem Fahrrad oder eben dem Auto der Freundin wurde ein Einfamilienhaus ausgekundschaftet. Es wurde geschaut, ob es sich lohnen könnte. Auf die Frage des Richters, woran man das erkennen können, antwortete der 33-Jährige: „Das ist Glücksache.“ Durch Klingeln wurde geprüft, ob jemand im Hause ist. „Dann sind wir rein.“ Mit einem großen Schraubendreher wurden Fenster oder Türen aufgehebelt. Gelegentlich wurde auch ein Kellerfenster eingetreten. Ob es denn auch gescheiterte Versuche gab, wollte der Richter wissen. „Nein. Ich komme überall rein.“ Notfalls wurde mit einem Stein eine Glasscheibe zertrümmert und durchgegriffen.
Gestohlen wurden ausschließlich Wertgegenstände: Schmuck, Bargeld, Kameras, Laptops. Schubladen wurden aufgerissen und durchsucht. In der Regel gab es keinen Vandalismus. Eine Geschädigte berichtete allerdings von stark verschmutzen Teppichen und zerrissenen Gardinen.
Die Schadensummen waren unterschiedlich. Von 1500 Euro bis 38000 Euro wurden genannt. Bemerkenswert waren die zum Teil hohen Bargeldsummen, die den Tätern in die Hände fielen. In einem Fall waren es laut Polizeiakte 9000 Euro. Die Täter bestreiten die hohen Werte des Diebesgut zum Teil. Als in einem Fall von gestohlenem Goldschmuck gesprochen wurde, konnte sich der Haupttäter erstaunlich gut erinnern: „Das war kein massiver Goldschmuck, sondern nur vergoldetes Metall. Da sind die Leute über den Tisch gezogen worden. Vermutlich im Ausland.“
Den Einbrechern fielen aber auch echte, wertvolle Schmuckstücke und zum Teil eben auch Dinge in die Hände, die für die Besitzer einen ideellen Wert haben, so zum Beispiel gravierte Eheringe, ein Familienstammbuch oder auch ein Kommunionskreuz. Letzteres wurde sichergestellt und dem Eigentümer wieder übergeben. Der meiste Schmuck wurde bei Goldaufkäufern oder Juwelieren verkauft, die Fotoartikel landeten in Pfandhäusern. Wertvolle, gestohlene Münzen wurden, laut dem zweiten Angeklagten „auf Silberpreis verkauft“. Er wisse überhaupt nicht, wie man Münzen sonst verkaufen könne, antwortete er auf die verwunderte Nachfrage des Richters.
Die beiden männlichen Angeklagten sind beide drogenabhängig und gaben Schulden, als Gründe für ihre Einbrüche an. Der 33-Jährige nannte 50000 Euro als Gesamtsschuldenssumme.
Für ihn wurde ein psychiatrischer Gutachter beauftragt, der die Frage der Schuldfähigkeit und die etwaige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt beurteilen sollte. Der Mann sei zwar mehrfach abhängig, aber während der Taten nicht rauschbedingt eingeschränkt gewesen. Er sei voll schuldfähig. Der Psychiater empfahl eine zweijährige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.
26 Eintragungen weist das Bundeszentralregister für den 33-Jährigen auf. Seit 1999 beschäftigt er die Gerichte. Diebstähle, Einbrüche, Körperverletzung sind die genannten Delikte. Er saß bereits längere Zeit im Gefängnis und auch dieses mal wird es wohl kaum zu einer Bewährungsstrafe kommen.

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