Sonstige Strafsachen

7 Kg Heroin in Erdbunkern: Nachspiel mit mildem Urteil für den Qualitätstester

Zeugenschutzprogramm: Angeklagter von LKA-Beamten vor dem Landgericht Osnabrück abgeschirmt

Osnabrück (kno) – Angefangen hatte der Fall mit einem Knall. Eher leise und unauffällig endet er jetzt vor der 10. Großen Strafkammer des Landgerichts Osnabrück mit einem milden Urteil. Kernstück: Der gemeinschaftliche Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.

 

7 Kg Heroin waren von Polizeikräften in Erdbunkern in Sutthausen und in der Nähe von Bad Iburg sicher gestellt worden. Vorausgegangen waren umfangreiche Ermittlungen, die durch eine mysteriöse Explosion an der Baumstrasse in Osnabrück im Februar 2002 ausgelöst worden waren. Es folgte eine der größten verdeckten Ermittlungen im Raum Osnabrück, die im Jahre 2003 zur Verhaftung des Belmer Deutschrussen, Vitali R. in Spanien führte. Telefone waren abgehört und Ehebetten verwanzt worden. Schnell war die Rede von einer „Russenmafia“, die in Osnabrück ihr Unwesen treibe. Zwei Deutschrussen und ein Albaner wurden in den Jahren 2005 und 2006 zu Freiheitsstrafen zwischen 8 und 12 Jahren verurteilt.

 

 

Jetzt folgte das Nachspiel mit mildem Urteil: Die Verhandlung gegen einen Informanten aus dem Drogenmilieu. Er war 2003 hartdrogenabhängig und diente bei der Übergabe der 7 Kg Heroin als Qualitätstester. Erst als sein Testurteil -„eine Wahnsinnszeug“- feststand, erfolgte die Geldübergabe und das anschließende Vergraben der eingeschweißten Drogenziegel. Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Da können schnell ein paar Jahre Haft rausspringen. Nicht so bei Alexander S., der nicht mehr S. heißt und dessen Wohnort mit Hannover angegeben wurde. Doch dort „wohnt“ nur das Landeskriminalamt Niedersachsen, dessen Beamte den Angeklagten während der Gerichtsverhandlung abschirmten und nach der Urteilsverkündung an einen unbekannten Ort verbrachten. Der 33-Jährige ist im „Zeugenschutzprogramm“. Sein Urteil: Ein Jahr auf Bewährung. Eigentlich viel zuwenig angesichts der erheblichen Drogenmenge. Doch die Anwendung des Paragraphen 31 des Betäubungsmittelgesetzes ermöglicht die Reduzierung einer Bestrafung bis hin zum Verzicht, wenn eine Täter wesentlich dazu beiträgt Straftaten anderer aufzuklären oder zu verhindern. Die Anwendung dieses Paragraphen habe sich der Angeklagte „redlich verdient“, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Schließlich habe er wesentlich zum „Auffliegen der Gruppe“ beigetragen.

„Herr S.. Wir sehen uns hier nicht mehr wieder,“ stellte der Vorsitzende Richter abschließend fest. Das konnte er auch, denn Herr S. wohnt ja nun woanders.

Diesen Beitrag teilen



7 Kg Heroin in Erdbunkern: Nachspiel mit mildem Urteil für den Qualitätstester - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt