Sonstige Strafsachen

Schweinmast in Schieflage: Dann kamen die Rauschgiftgärtner

Landgericht Osnabrück: Erleichterung nach den Urteilen

Osnabrück (kno) – Wieder einmal ein Prozess wegen des Anbaus von Cannabis vor dem Landgericht Osnabrück. Immer häufiger stößt die Polizei in den Landkreisen Osnabrück und Emsland auf professionelle Cannabisplantagen. Seit 2005 wurden über 20 Anlagen entdeckt. Tendenz steigend.

 

Im Juni 2010 war es eine Anlage in Quakenbrück mit 940 Pflanzen, Ende Juli 2010 eine Anlage auf einer ehemaligen Kegelbahn in Schöninghsdorf bei Meppen (407 Pflanzen) und im Oktober 2010 ein Dachboden mit 66 Pflanzen in Osnabrück. Erst vor wenigen Tagen wurde eine 5-köpfige Gruppe vom Landgericht verurteilt, die bis Mai 2010 in einem ehemaligen Bahnhofsgebäude in Sögel und zusätzlich in Hörstel (NRW) über 3000 Pflanzen angebaut und abgeerntet hatten. „Es ist ja nicht die erste Indoorplantage,“ stellt Rechtsanwalt Thomas Klein fest, der schon mehrmals als Verteidiger in solchen Fällen aufgetreten ist und wie das Gericht und seine Kollegen inzwischen über Sachkenntnisse verfügen. Diesmal sind die Angeklagten sowohl Täter als auch Opfer. Ein 66-jähriger niederländischer Landwirt und seine 19-jährige Tochter und der 21-jährige Sohn. 1999 hatte der Landwirt mit seiner Frau günstig ein landwirtschaftliches Anwesen bei Lähden (Emsland) gekauft. „Er war von Kindesbeinen an mit Schweinen befasst,“ so Rechtsanwalt Klein. Weder seinem Mandanten noch dessen Kindern traut man zu, was die Staatsanwaltschaft ihnen vorwirft: Seit dem1. Okt. 2008 bis zum März 2009 sollen sie in Lähden gemeinsam eine große Cannabis-Indoor-Plantage aufgebaut haben, um die dort erzeugten Drogen gewinnbringend zu verkaufen. Lampen, Ventilatoren, Wasserleitungen, Be- und Entlüftung sowie eine Bewässerungsanlage sollen sie gebaut haben. Für den erhöhten Strombedarf sollen sie einen Verteilerkasten manipuliert haben. Wendepunkt im Leben des 66-jährigen Landwirts war der Tod seiner Frau im Jahre 2006. Sie hatte die bürokratische Seite der Schweinmast betrieben. Nach ihrem Ableben geriet das Unternehmen in Schieflage. Jetzt tauchte eine 3-köpfige Gruppe aus den Niederlanden auf, die das runtergekommene Anwesen pachtete, die Fenster und Türen des Schweinestalls verklebte und die aufwändigen Anlage installierte. Die Bande hatte die Rechnung ohne einen aufmerksamen Nachbarn gemacht. Ihm fiel auf, dass Torf auf dem Hof abkippt wurden. „Am anderen Morgen war der weg,“ berichtete der 45-jährige Landwirt dem Gericht. Als er dann gegenüber Bekannten den Verdacht äußerte, dass dort Hanf angebaut wird, habe man ihn erst für verrückt erklärt. Doch er meldete seine Beobachtungen dem Dorfpolizisten. Als wenig später ein Mitarbeiter des Stromversorger den Verteilerkasten untersuchte, warnte er dadurch die niederländischen Betreiber der Anlage. Sie konnten fliehen. Als die Polizei anrückte, waren auch die Bewohner verschwunden. Dafür entdeckten die Beamten eine der größten Anlagen bisher. Auf 400 qm standen 6500 Pflanzen in verschieden Größen: Vom Setzling bis zu erntereifen Cannabispflanzen von 1 m Höhe. Wie viel geerntet wurde und geerntet werden sollte kann nur geschätzt werden. Die Zahlen aus der Anklageschrift ergeben 150 Kg. Das ergäbe rechnerisch einen Großhandelpreis von 600000 Euro. Für Rechtsanwalt Thorsten Diekmeyer war klar: Seine 19-jährige Mandantin hat zwar von dem Anbau gewusst, aber keine Beihilfe geleistet. Etwas anders sieht es für ihren Bruder aus. Er hat, so erklärt Verteidiger Joë Thérond, zwar den Torf gefahren, aber ansonsten keine Hilfestellung als Rauschgiftgärtner geleistet. Kollege Thomas Klein schildert, wie sein 66-jähriger Mandant in die Falle lief und den Pachtvertrag mit den Tätern unterschrieb. Schwerstarbeit für Dolmetscher Elzo K. van der Veen: Er muss dem unbedarften Landwirt nicht nur die komplizierten rechtlichen Begriffe übersetzen, sondern auch erklären, was das alles bedeutet. Erleichterung dann bei allen Prozessbeteiligten, als das Landgericht die Urteile verkündet. Freispruch für die Tochter. Vater und Sohn erhalten eine 2-jährige Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zum Drogenhandel.

 

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