Sonstige Strafsachen

Ein halber Prozess und nicht die ganze Wahrheit

Landgericht Osnabrück: Eskalation nach Routineeinsatz wegen Sachbeschädigung

Osnabrück (kno) – Was sich wirklich am 12.7.2010 um 14 Uhr in einem Mietshaus im Stadtteil OS-Wüste abgespielt hat, wurde in einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Osnabrück nicht geklärt. Das Verfahren endete abrupt mit der Rücknahme der Berufung. Die 6 geladenen Zeugen brauchten nicht mehr auszusagen. Der angeklagte Ralf W. und seine Frau waren vom Amtsgericht Osnabrück wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Bedrohung zu 6 Monaten Haft auf Bewährung, beziehungsweise zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt worden.

 

Er sei in seiner Wohnung von den Polizisten „überfallen worden“, berichtete der Angeklagte. Drei Beamte waren zu einem Routineeinsatz wegen einer gemeldeten Sachbeschädigung zur Sandgrube gefahren. Das sei keine Sachbeschädigung gewesen, so Ralf W. sondern ein Unfall. In alkoholisiertem Zustand sei er vor der Eingangstür ausgerutscht, weil seine Nachbarin wiedereinmal die Werbepost auf den Boden geworfen habe. Dabei sei die Eingangstür beschädigt worden. Bei dem Versuch die Scherben zu beseitigen habe er sich leicht verletzt. Wenig später hätten dann die Beamten an seiner Tür geklingelt. Er habe den Sachverhalt erklärt und sich dann in die Küche begeben. Von einem Beamten sei er aufgefordert worden mit ihm auf den Flur zu kommen. Er habe das nicht eingesehen. Auf dem Flur sei er mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen worden. Dann habe man ihn die Treppe runtergeschleift, wiederum verletzt und gegen seinen Willen zu einem Krankenwagen gebracht. Dort habe man ihn auf den Boden gedrückt, bevor er abtransportiert worden sei. Seine Frau, dass gibt sie vor dem Landgericht zu, habe sich eingemischt und die neugierige Nachbarin und die Beamten beleidigt: „Ich schau doch nicht zu, wenn mein Mann verprügelt wird.“ So ungefähr soll es sich entsprechend der Schilderung der Angeklagten abgespielt haben. Nach den Aussagen der Polizeibeamten hatte sich dem Amtsgericht ein anderes Bild der Ereignisse geboten. Danach hatte sich der Angeklagte massiv gewehrt und Todesdrohungen ausgesprochen. Hinzu kamen 20 Eintragungen, auch wegen Körperverletzungen und Beleidigungen. Der Vorsitzende Richter fragte den Angeklagten: „Warum hat das Amtsgericht den Beamten geglaubt?“ „Weil Polizisten immer geglaubt wird,“ antwortete Ralf W. Der Richter ließ erkennen, dass es auch diesmal vermutlich nicht anders sein würde. Nach einer Beratung mit den Anwälten nahmen das Ehepaar seine Berufung zurück. Es blieb bei dem Urteil der Vorinstanz. Die bereits wartenden Beamten brauchten nicht mehr auszusagen. Sie hätten erklären können, warum sie zwei weitere Streifenwagen zu einem vermeintlichen Routineeinsatz wegen Sachbeschädigung gerufen hatten und wie stark die Gegenwehr des Angeklagten, der zur Tatzeit 2,1 ‰ Alkohol im Blut hatte, wirklich war.

 

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