Sonstige Strafsachen

Sorgerechtsstreit als Auslöser für Anzeige wegen sexueller Übergriffe?

Amtsgericht Osnabrück: Junger Richter erkennt weiteren Aufklärungsbedarf

Osnabrück – Drei Verhandlungstage nimmt sich das Amtsgericht Osnabrück Zeit, um den Vorwurf der sexuellen Nötigung in einer Ehe aufzuklären. Mit bemerkenswerter Souveränität nähert sich der junge Richter dem heiklen Thema und widmet sich ausführlich den Aussagen der beiden Beteiligten.Dreimal soll der 30-Jährige Angeklagte in der Zeit zwischen März 2008 und März 2009 die Willenslosigkeit seiner schlafenden Ehefrau ausgenutzt und sie sexuell missbraucht haben, heißt es in der Anklage. Sollte sich dieser Vorwurf bestätigen, droht dem jetzt in Bielefeld wohnenden Angeklagten eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr. Wie meistens in solchen Fällen gibt es nur zwei Zeugen für die zur Rede stehenden Vorfälle und deren Aussagen stehen oft in krassem Widerspruch zueinander. So auch in diesem Fall. Der Angeklagte bestreitet, dass er mit seiner Frau den Geschlechtsakt vollzogen habe, während sie schlief: „Sie war immer wach und nie widerstandsunfähig.“ Richtig sei, dass er gelegentlich später als sie zu Bett gegangen sei und versucht habe sie wachzumachen: „Wenn auf meine Annäherungsversuche keine Gegenreaktion erfolgte, hatte sich der Fall erledigt.“ Es habe in der Ehe ein- bis zweimal in der Woche einvernehmlichen Sex gegeben. Der 30-Jährige gesteht ein, dass er vor dem Zubettgehen Bier getrunken habe. Er spricht von bis zu 6 Flaschen Bier. Ganz anders die Darstellung der Ehefrau des Angeklagten: Sie habe gelegentlich das Kronkorken-Aufploppen der Bierflaschen gezählt, während ihr Mann am Computer spielte: Es seien 9 Flaschen gewesen. Mindestens dreimal sei er betrunken zu ihr ins Bett gekommen und sei „übergriffig“ geworden. Sie sei wach geworden, als er mit ihr Geschlechtsverkehr hatte. Im Laufe der Verhandlung spielt die Entwicklung der Beziehung des jetzt getrennt lebenden Ehepaares ein wesentliche Rolle. Das Paar lernte sich 2004 kennen. Kurz darauf heirateten beide und zogen zusammen. Am 19.6.2005 wurde ihr gemeinsamer Sohn geboren. Es kam zu häufigen Wohnungswechseln. Von Bissendorf zogen die beiden nach Theenhausen (bei Werther, NRW) und schließlich nach Melle-Oldendorf. Grund für die Umzüge sei die mangelnde Sauberkeit seiner Ehefrau gewesen, sagt der 30-Jährige, der während der Zeit bei der Bundeswehr war und nebenbei eine Meisterschule besuchte. Am 14.2.2009 trennte sich das Paar. Er zog nach Bielefeld, sie in ihre Heimatregion nach Wilhemshaven. Der Sohn, für den beide ein Sorgerecht hatten, zog mit zu ihr. Am 26.12.2009 brachte der Vater den Sohn nicht von einem vereinbarten Besuch bei ihm zurück. Deshalb wurde die Mutter bei der Polizei vorstellig. Eine Polzeibeamter aus Jever, der als Zeuge aussagte, klärte den Fall mit dem Jugendamt ab. Ergebnis: Der Junge durfte dauerhaft bei dem Vater bleiben, weil die „Mutter unzuverlässig“ sei. Anläßlich des Kontaktes mit der Polizei erwähnte die Mutter nicht die sexuellen Übergriffe durch den Vater. Das geschah erst 3 Monate später. Weil es Nachfragen zu den Tatzeiten gab, musste die Ehefau nach der Anzeige ein zweites Mal zur Polizei. Im Protokoll wird als letzter Tatzeitpunkt der 30.3.2009 genannt. In ihrer Aussage vor Gericht bestand die Zeugin aber darauf, dass es in der Nacht vor dem 1. Mai gewesen sei. Daran könne sie sich genau erinnern, weil sie am nächsten Tag an einer Maiwanderung teilnehmen wollte. Weitere Ungereimtheiten entstanden vor Gericht durch die Daten von SMS-Nachrichten, die von der Zeugin als Beweis für die Taten vorgelegt worden waren. Zeugin: Das Datum auf dem Handy sei nicht richtig eingestellt gewesen. An zwei weiteren Tagen will das Gericht nun durch die Anhörung weiterer Zeugen versuchen die schweren Vorwürfe aufzuklären.

Diesen Beitrag teilen



Sorgerechtsstreit als Auslöser für Anzeige wegen sexueller Übergriffe? - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt