Sonstige Strafsachen

Schnee im Dickicht des Drogendschungels

Landgericht Osnabrück: Gefakte Designertaschen und Entführung in Istanbul

 

Osnabrück (kno) – Bereits seit 9 Verhandlungstagen ist die 18. große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück damit beschäftigt sich im Dickicht des Drogendschungels zurecht zu finden. Dem 34-jährige Ahmed T. wirft die Staatsanwaltschaft vor seit 2007 in Osnabrück einen schwunghaften Handel mit Heroin und Kokain betrieben zu haben, um damit seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

 

Zahlreiche Indizien müssen geprüft und Zeugen gehört werden. Die Glaubwürdigkeit eines Mittäters und Kronzeugen, der bereits gesondert verurteilt wurde, wird von der Verteidigung angezweifelt. Am 9. Prozesstag wurde deutlich, dass alle Zeugen  Geschichten erzählen, die geprägt sind von Beeinflussungen, Angst oder dem Bemühen eigene Tatbeiträge herunterzuspielen. So berichtete eine 49-jährige Zeugin aus GM-Hütte, dass sie „bedroht und beschimpft“ worden sei, nachdem sie einen Drogenfund im Garten ausgebuddelt und zur Polizei gebracht hatte. An einem frühen Novembermorgen 2007 habe sie im Keller eines Mehrfamilienhauses Wäsche gewaschen, als der Sohn einer Nachbarfamilie mit dem Spaten in den Garten ging. „Was macht der mit dem Spaten?“ habe sie sich gefragt und wenig später mit ihrer anderen Nachbarin darüber gesprochen. Diese hatte nachts verdächtige Geräusche im Garten gehört. „Ein kleines Bäumchen in einem Steinbeet stand schief,“ erzählte die weitere Zeugin dem Gericht. Im Keller habe sie bereits zuvor kleine Plastiktütchen mit aufgedruckten Hanfblättern gefunden. Ihre Nachbarin habe eine Plastikdose und ein „eiförmiges Silberpapier“ ausbuddelt, welches sie dann zusammen zur Polizei gebracht hätten. Natürlich habe sie Angst vor den Folgen der Anzeige gehabt, bestätigte sie auf Frage der Vorsitzenden und fügte hinzu: „Ich kann meine Augen aber nicht verschließen.“ Hintergrund dieser Aussagen: Der Mann mit dem Spaten soll Drogen aus dem Besitz des Angeklagten vergraben haben, nach dem ein Drogengeschäft in Bad Iburg gescheitert war. Es handelte sich um 78 Gramm gestrecktes Heroin. 2 Versionen einer anderen Geschichte erzählten ein 32-jähriger Türke und seine Frau dem Gericht. Beide kennen den Angeklagten. Der Zeuge war in den Niederlanden wegen der Einfuhr von 15 Kilogramm Heroin aus Istanbul nach Amsterdam 2007 verurteilt worden. Erst berichtete er, dass er nicht gewusst habe, was in dem Koffer gewesen sein, den er auf einem Flug mitnehmen sollte. Wenig später räumt er ein, dass seine Frau in Istanbul entführt worden sei und man ihn gezwungen habe, den Koffer mitzunehmen. Nach seiner Festnahme auf dem Flughafen Schipol habe er dann den Namen des Angeklagten als Hintermann genannt. Das, so berichtete er jetzt dem Gericht, habe er nur getan, weil er eifersüchtig auf den Angeklagten gewesen sei. Man habe ihm in den Niederlanden gesagt, dass seine Strafe geringer ausfalle, wenn er Namen nenne. Er gibt zu, dass er damals gelogen habe. Seine Frau bestätigt die Entführung in Istanbul. Eigentlich sei sie mit ihrem Mann dort gewesen, um „gefakte Designertaschen“ für den deutschen Markt zu ordern. Nach der Verhaftung ihres Mannes in Amsterdam habe man ihr gesagt, dass er geflohen sei. Jetzt sollte sie Paare finden, die Koffer aus der Türkei nach Europa bringen. Eine weitere Geschichte sollte eine Dolmetscherin aus aufklären, die lediglich ein Wort aus einer Telefonüberwachung übersetzen sollte. In einem auf türkisch geführten Gespräch des Angeklagten war das kurdische Wort „berf“ gefallen. Die Sachverständige übersetzte es mit „Schnee“.

 

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