Sonstige Strafsachen

3 Monate Haft wegen sexueller Handlung am Fenster

Landgericht Osnabrück: Hartnäckiger Anwalt zieht Berufung schließlich zurück

Osnabrück – Eigentlich hatte die Berufungsverhandlung gegen einen 23-Jährigen aus Bramsche vor dem Landgericht Osnabrück von Anfang an keine Aussicht auf Erfolg. Das musste schließlich auch der Angeklagte und vor allem sein Verteidiger einsehen.

 

In Handschellen wurde der hagere und große Angeklagte in den Gerichtsaal gebracht. Eine 9-monatige Bewährungsstrafe des Amtsgerichts Bersenbrück vom 11.2.2011 wegen sexuellem Missbrauchs von Kindern war widerrufen worden, weil er den Auflagen des Gerichtes nicht nachgekommen war. Am 13.07.2011 war er außerdem vom Amtsgericht Bersenbrück wegen einer exibitionistischer Handlung zu einer Freiheitsstrafe von 3 Monaten verurteilt worden, die nun vor der 22. kleinen Strafkammer des Landgerichts erneut verhandelt wurde. Dass er im August 2010 in Bramsche-Hesepe am Fenster seiner Wohnung onaniert habe, wurde von ihm nicht bestritten. Eine Zeugin hatte ihn dabei beobachtet und ihm „mit der Faust gedroht.“ Das habe seine Erregung aber noch gesteigert. Aufgehört habe er nicht.  Nicht akzeptabel ist für den Verteidiger, dass sein Mandant für diese Tat 3 Monate ins Gefängnis solle. „Was bringt das?“, fragte der Anwalt und zettelt vor Gericht eine Diskussion über das Strafrecht und Urteile an. In anderen Fällen kämen „ganz böse Buben“ mit Bewährungsstrafen davon. „Was nützt ihm das?“ verengt er das Gespräch ausschließlich auf die Sicht seines Mandanten. Der besonnene Richter lässt den streitfreudigen Fürsprecher gewähren, gibt aber immer wieder zu erkennen, dass er „nichts sehe, was eine Bewährungsstrafe rechtfertigen“ würde. Der Anwalt gibt nicht auf. Jetzt mischt sich auch der Staatsanwalt ein und macht deutlich, dass der Angeklagte keine Schritte unternommen habe, um sich therapieren zu lassen. In einem Bericht des Bewährungshelfers heißt es, dass der Angeklagte „keine Tagesstruktur habe“ und Betäubungsmittel, wie Marihuana und Speed konsumiere.  Das Urteil des Amtsgerichts Bersenbrück sei gut begründet, stellt der Richter ergänzend fest. Es bestehe eine „hohe Rückfallgefahr“. Nach den deutlichen Hinweisen des Gerichts auf die Aussichtslosigkeit der Berufung, zieht sich der Anwalt muffelnd mit seinem Mandanten zur Beratung zurück. Nach einer kurzen Unterbrechung scheint es so, als ob sich immer noch keine Einsicht eingestellt habe. Erst auf konkrete Nachfrage des Gerichts gibt der Verteidiger zu Protokoll: „Wir nehmen die Berufung zurück.“  

 

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