Sonstige Strafsachen

Zwei Berufungsverhandlungen gegen Bramscher geplatzt

 

 

Landgericht Osnabrück: Peinlich für den Staatsanwalt – Ein Angeklagter sitzt in U-Haft

 

Osnabrück (hak) – Zu zwei verschiedenen Berufungsverhandlungen vor dem Landgericht Osnabrück erschienen am Donnerstag die beiden Angeklagten aus Bramsche nicht. Der eine hatte, wie sich rausstellte handfeste Gründe für sein Nichterscheinen, der andere hat sich vermutlich nach Italien abgesetzt.

 

 

Ein 42-Jähriger war vom Amtsgericht Osnabrück wegen vierfachem unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln und eines Diebstahls zur einer 3-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die üblichen Prozessbeteiligten waren pünktlich um 9 Uhr erschienen, nur der Stuhl des Angeklagten blieb leer. Nach den üblichen 15 Minuten Wartezeit erwog die vorsitzende Richterin den Angeklagten vorführen zu lassen: „Bramsche ist ja nicht so weit.“ Der Staatsanwalt merkte an, dass in der Zwischenzeit weitere Anklagen gegen den 42-jährigen erhoben wurden. Ob es denn sein könne, dass der Angeklagte in Haft sei, fragte die Richterin. Das, so der Staatsanwalt, könne er nicht sagen, die „Kommunikation sei schlecht“. Peinlich für die Staatsanwaltschaft: Wie sich herausstellte, war der Verdacht der Richterin begründet. Wegen mehrere Diebstähle saß der 42-Jährige in nebenan in U-Haft und hatte somit einen triftigen Grund für seine Verhinderung.

 

Im zweiten Fall vermutete der Verteidiger des Angeklagten, Christian Acksteiner schon vor Verhandlungsbeginn, dass sein Mandant nicht erscheinen würden: „Wir haben seit längerem keinen Kontakt.“ Ein 24-jähriger Italiener war zu einer 3-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er in angetrunkenem Zustand ohne Führerschein ein Fahrzeug geführt hatte. Er war im Januar dieses Jahres einer Zivilstreife aufgefallen, weil er mit einem Fiat Panda fuhr, der wegen eines defekten Auspuffs „laut wie ein Formel 1 Fahrzeug war“. Als er nicht erschien, stellte der Staatsanwalt fest: „Er wird wohl nach Italien gefahren sein.“ Nach Ende der 15-minütigen Wartezeit wurde die Berufung verworfen. Das hat Folgen für den Angeklagten: Eine andere Bewährungsstrafe von 2 Jahren wurde bereits widerrufen, für eine weitere 12-monatige Bewährungsstrafe wird dies geschehen. Mit den 3 Monaten aus dem jetzigen Verfahren sind es 39 Monate Haft. Fragwürdig sei, so der Staatsanwalt auf Nachfrage, ob die Italiener ihren Landmann auf Antrag der deutschen Strafverfolgungsbehörden ausliefern würden. Zwar würden mittlerweile Verkehrsvergehen europaweit geahndet, aber das gelte eben nicht immer im Strafrecht.

 

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