Sonstige Strafsachen

Besuch auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt wäre günstiger gewesen

 Landgericht Osnabrück: Nordhorner Apotheker zogen ihre Berufung zurück

 Osnabrück (kno) – Ein Besuch auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt wäre für der beiden Apotheker aus Nordhorn günstiger und sicherlich auch kurzweiliger gewesen. Doch weil sie gegen ein Urteil des Amtsgerichts Nordhorn vom 21. März 2011 Berufung eingelegt hatten, mussten sie vor der 7. kleinen Strafkammer des Landgerichts Osnabrück erscheinen.

Nach 45 Minuten war alles vorbei und beim Alten. Ebenso wie die beiden Männer im Alter von 40 und 67 Jahren hatte die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil der Nordhorner Erstinstanz Berufung eingelegt. Das Gericht hatte die beiden Apotheker wegen unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln in Tateinheit mit Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz zu Geldstrafen von jeweils 90 Tagessätzen zu 80 Euro für den Jüngeren und 150 Euro für dessen Vater verurteilt.  Wie in Berufungsverhandlungen vorgesehen, musste der Richter zu Beginn der Verhandlung das umfangreiche Urteil des Amtsgerichts Nordhorn verlesen, was ihm höchste Konzentration abverlangte. Jede Tat war einzeln mit Datum und dem Namen von Medikamenten aufgelistet. An 87 verschiedenen Tagen in den Jahren 2008 und 2009 hatte einer der beiden Angeklagten in einer der drei von ihnen in Nordhorn betriebenen Apotheken an einen Drogenabhängigen Medikamente ausgegeben. Das Strafbare daran war, dass auf den Rezepten andere Arzneimittel genannt waren, als ausgegeben wurden. Dem gesondert verfolgten Abhängigen muss es immer wieder gelungen sein in verschiedenen Nordhorner Arztpraxen den Ärzten nicht vorhandene Beschwerden vorzugaukeln um an die Rezepte zu gelangen. Diese Rezepte trug er dann im Abstand von wenigen Tagen, aber an manchen Tagen auch mehrfach in die Apotheke der Angeklagten, wo sie gegen die von ihm begehrten Drogenersatzstoffe ausgetauscht wurden.  Nach der Verlesung stellte der Richter fest: „Gegen dieses Urteil ist dann von allen Seiten Berufung eingelegt worden.“ Es stünde dem Gericht, so der Richter weiter,  eine umfangreiche Beweisaufnahme ins Haus. Er gab zu erkennen, dass diese schwierig sei, weil der Drogenabhängige sich in der ersten Instanz als nicht besonders auskunftsfreudig gezeigt habe. Es gäbe aber einen Ausweg aus dem Dilemma: Die Angeklagten könnten einen Teil der Taten einräumen, dann könnten andere Fälle eingestellt werden. Möglich sei natürlich auch eine Rücknahme der Berufungen. Ein Einstellung sei mit ihr nicht zu machen, so die Staatsanwältin, aber eine Rücknahme ihrer Berufung sei möglich, wenn auch die Angeklagten auf eine Weiterführung der Verhandlung verzichteten. Das, so ein Anwalt der Apotheker, habe sei im Vorfeld der Verhandlung mit den Mandanten auch schon erwogen worden, eine Zustimmung könne erfolgen. Sichtlich erleichtert über die gefundene Regelung verkündete der Richter den Beschluss: Die Berufungen werden zurückgezogen und die Kosten der Angeklagten seien von ihnen selber zu tragen. Den Rest zahlt die Staatskasse. Ansonsten bleibt es bei der Entscheidung des Amtsgerichtes Nordhorn.  

 

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