Sonstige Strafsachen

Zeuge erschien erneut nicht: Ordnungsgeld auf 300 Euro erhöht

Amtsgericht Osnabrück: Prozess um Marihuanapflanzen im Terrarium schleppt sich hin

Osnabrück – Die Anklage des Staatsanwaltes vor dem Amtsgericht Osnabrück war kurz und knapp, doch der Prozess vor dem Amtsgericht zieht sich in die Länge. Unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln lautet der Anklagevorwurf. Vier Verhandlungstage waren bereits erforderlich, weil Zeugen nicht erschienen. Auch beim bisher letzten Termin, wartete das Gericht vergebens auf einen Zeugen, gegen den bereits ein Ordnungsgeld verhängt worden war. Ein weiterer Termin wurde für das neue Jahr angesetzt. Eine 27-Jährige und ihr 29-jähriger Lebensgefährte aus Melle waren am 30.1.2011 in einer Verkehrskontrolle geraten. In ihrem Fahrzeug waren mehrere Marihuanatüten entdeckt worden. Bei einer daraufhin durchgeführten Wohnungsdurchsuchung in Melle wurden im Schlafzimmer des Paares fünf Marihuanapflanzen gefunden. Außerdem tauchen in den Akten geringe Mengen von Amphetaminen auf, die im Besitz der beiden Angeklagten gewesen sein sollen. Keine großen Mengen, aber eben strafrechtlich relvant. Der Prozess hätte am ersten Tag im November zu Ende sein können. Hätte. Doch es fehlten Zeugen, weitere sollten auf Antrag der Verteidiger geladen werden. Am 8. Dezember sollte es dann weiter - und nach kurzer Verhandlung zu Ende - gehen. Doch auch zu diesem Termin erschienen zwei Zeugen nicht. Ein Ordnungsgeld von jeweils 150 Euro, wegen Nichterscheinens wurde verhängt. Ersatzweise sollen 3 Tage Ordnungshaft abgesessen werden. Nächster Verhandlungstermin: 20.12.: Der erschienene Berichterstatter stand vor einem geschlossenen Sitzungssaal. Eine Nachfrage beim Richter ergab: Wegen Krankheit der Angeklagten musste der Prozess auf den 28.12. verschoben werden. Das kann passieren. Zu diesem bisher letzten Verhandlungstag erschienen nicht nur sämtliche Prozessbeteiligten, sondern tatsächlich auch ein Zeuge. Es handelte sich um den jüngeren Bruder des Angeklagten, der sich sogar bereit erklärte eine Aussage zu machen, obwohl er diese, wegen der Verwandtschaft, auch hätte verweigern können. Viel konnte er dem Gericht nicht berichten. Deutlich wurde, dass er seinen Bruder nicht belasten wollte, aber als Entlastungszeuge konnte er so recht auch nicht dienen. Er habe, so der 21-Jährige mitbekommen, dass ein Mann seinem Bruder in Neunkirchen ein Päckchen ins Auto gab. Was denn da wohl drin gewesen sei, wollte der Richter wissen. Das, so der Zeuge, könne er nicht sagen. Im weiteren Verlauf der Befragung gab er zu, dass er wohl geahnt habe, dass „es Drogen waren“. Es sei ihm auch bekannt gewesen, dass sein Bruder gelegentlich Marihuana konsumiere. Er habe aber nicht mitbekommen, dass dieser damit handle. Der Richter zeigte ihm daraufhin Bilder aus dem Schlafzimmer der Angeklagten. Nein, so der Zeuge, die fünf Hanfpflanzen im Terrarium habe er bei seinen zahlreichen Besuchen nie gesehen. Damit war die Vernehmung des Zeugen beendet. Der Richter ließ den nächsten aufrufen. Doch der bereits schon einmal erfolglos Geladene war wieder nicht erschienen. Auf Antrag des Staatsanwaltes wurde das Ordnungsgeld gegen ihn auf 300 Euro erhöht und eine Vorführung zum nächsten Termin erwogen. Doch wann soll der nächste Termin sein? Die beiden Anwälte haben keine Terminkalender dabei, einer baut eine Telefonverbindung zu seinem Büro auf und fragt die einzelnen Vorschläge des Richters ab. Nach längerem Bemühen gelang es schließlich. Der neue Termin wurde auf den 10.1.2012 gelegt. Damit die Angeklagten auch pünktlich erscheinen können, passte der geduldige Richter den Termin an die Bahnverbindungen nach Melle an. Ob die beiden Angeklagten den fehlenden Zeugen dann mitbringen?

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