Sonstige Strafsachen

Der letzte Zeuge wurde vorgeführt

 Amtsgericht Osnabrück: Milde Strafen für geläutertes Drogenpärchen aus Melle

Osnabrück – Zu einer vergleichsweise milden Strafe wegen unerlaubten Handels, Anbau und Besitzes von Drogen wurde ein Paar aus Melle vom Amtsgericht Osnabrück verurteilt. Eine 27-jährige Frau erhielt eine Bewährungsstrafe von 8 Monaten, ihr 29-jähriger Partner bekam 2 Monate mehr, weil eine Vorstrafe einbezogen wurde.  Der Prozess hatte sich über 6 Tage hingeschleppt, weil immer wieder Zeugen nicht erschienen. Der letzte Zeuge erschien in Begleitung von 2 Polizeibeamten. Schlaff, kleinlaut und  kaum vernehmbar machte er vor Gericht eine überaus belastende Aussage, die letztlich wesentlich zur Verurteilung der beiden Angeklagten beitrug. Ja, er habe im Dezember 2009 und Januar 2010 mehrfach bei der 27-Jährigen kleine Mengen Marihuana gekauft. Diese seien nach vorheriger telefonischer Absprache in handelsüblichen Tütchen mit einem Hanfblatt an ihn übergeben worden. Er habe auch direkt dafür bezahlt. Widerlegt war nach dieser Aussage die Einlassung der Angeklagten, sie seien nur Auslieferungsfahrer für einen Melleraner gewesen, der auch einschlägig bekannt sei und bereits verurteilt wurde. Sie hätten für die Dienste lediglich Marihuana zum Eigenkonsum erhalten. Diese Behauptung lies sich auch nicht mit der Tatsache in Übereinstimmung bringen, dass bei einer Wohnungsdurchsuchung 5 Marihuanapflanzen in einem Terrarium im Schlafzimmer der Angeklagten entdeckt wurden.  Aufgeflogen waren die beiden vor einem Jahr bei einer Verkehrskontrolle, als sie mit einem Paket voller Marihuanatüten erwischt wurden. Mit Drogen hätten sie seit der Polizeikontrolle nichts mehr zu tun, erklärte die Angeklagte auf eine entsprechende Frage Richters im Prozess für beide Angeklagte. Sie hätten sich den Konsum abgewöhnt: „Die ersten Tage waren hart.“ Das Sprichwort „Was lange währt, wird endlich gut“ sei in diesem Fall nur bedingt anwendbar, eröffnete der Staatsanwalt sein Plädoyer. Am Ende eines verzögerten Verfahrens müsse eine Verurteilung der Angeklagten stehen, da sich die Anklage voll bestätigt habe. Anders sahen es die Verteidiger. Das Melleraner Paar hätte sich nur der Beihilfe schuldig gemacht. Sie seien nur Verteiler gewesen. Das anschließende Kopfschütteln der beiden, bezog sich auf die Frage des Richters, ob sie noch etwas hinzufügen wollten.  In seinem Urteil betonte er, dass die Frage, ob die beiden gewerbsmäßig gehandelt hätten, nicht eindeutig zu beantworten gewesen sei. Aus der Tatsache, dass bei ihnen 30 Tütchen mit Marihuana für jeweils 10 Euro entdeckt worden seien, ließe sich schon ableiten, dass sie „sich ein bisschen dazu verdienen“ wollten. Fest stünde, so der Richter, es war kein „Riesenhandel“, aber eben ein Verkauf von Betäubungsmitteln. Um der Bewährungsstrafe auch eine spürbare Sanktion hinzuzufügen, erteilte er für beide Angeklagte eine Geldauflage von jeweils 400 Euro. 

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