Sonstige Strafsachen

Angeklagte „Räuberische Erpressung“ endet mit Arbeitsstunden im Tierheim

Amtsgericht Osnabrück: „Es bleibt nur der `Schwachkopf´ für den Anwalt.“

Die Anklage hörte sich gewaltig an: Wegen räuberischer Erpressung musste sich ein 37-jähriger aus Bünde vor dem Amtsgericht Osnabrück verantworten. In der Prozessankündigung des Gerichtes war gar von der Androhung eines Totschlages die Rede. Am Ende kam es zu kollektivem Schmunzeln und 80 Arbeitsstunden im Tierheim. Der Angeklagte soll, so hält ihm der Staatsanwalt zu Beginn des Prozesses vor, in der Kanzlei eines Melleraner Anwaltes angerufen haben und gegenüber einer Mitarbeiterin gesagt haben: „Wenn der Schwachkopf sich noch nicht mal vernünftig mit seinem Mandanten besprechen kann,....“ und wenig später: „Wenn er keine Gegenanzeige wegen Totschlags riskieren will, soll der mal die Sache ganz schnell sein lassen.“ Damit habe er die Strafttatbestände der Beleidigung und der versuchten räuberischen Erpressung erfüllt, so der Anklagevertreter. Der Angeklagte erläutert: Er habe von einem Melleraner einen Passat für 650 Euro gekauft und 450 Euro angezahlt. Der Verkäufer habe ihn lediglich darauf aufmerksam gemacht, dass in der nächsten Zeit mal die hinteren Bremsbeläge gemacht werden müssten. Als er dann mit seiner Mutter eine Fahrt unternommen habe, so der Angeklagte, hätten die Bremsen plötzlich überhaupt keine Wirkung mehr gezeigt. Er hätte eine Fachwerkstatt angesteuert und der dortige KFZ-Meister habe ihm gesagt: „Jemand mit diesem Auto fahren zu lassen ist eigentlich versuchter Totschlag.“ Als er dann von dem Anwalt des Verkäufers aufgefordert worden sei, die restlichen 200 Euro zu zahlen, sei er sauer gewesen und habe die strittigen Äußerungen so getätigt. Das mit der Gegenanzeige und dem Totschlag erkläre sich aus dem Zustand des gekauften Autos. Der Amtsrichter zeigt Verständnis und fragt den Angeklagten, warum er das nicht schon früher gesagt habe. Er habe überhaupt keine Post bekommen, so der 37-Jährige und erst gestern von seinem Anwalt erfahren, dass heute eine Verhandlung stattfinde. Auch der Staatsanwalt erkennt an, dass die Erklärung des Angeklagten stimmig ist. „Dann bleibt nur noch der `Schwachkopf´ für den Anwalt,“ stellt der Richter fest und lässt den damit Beleidigten als Zeugen herein bitten. Der 35-jährige Anwalt hat den ganzen Prozess ins Rollen gebracht, in dem er eine Anzeige stellte. Über den Schwachkopf verliert er kein Wort und deutet lediglich an, dass er sich durch die Äußerung mit dem Totschlag bedroht gefühlt habe. Schon nach wenigen Minuten ist der Zeuge wieder verschwunden. Die verbliebenen Juristen beginnen eine kurzes Fachpalaver über Verbrechenstatbestände und versuchen den „Schwachkopf“ und die Drohung justiziabel zu machen. Die Lösung: Aus der räuberischen Erpressung wird eine versuchte Nötigung und die kann nach §153 a eingestellt werden. Jetzt muss dem Angeklagten nur noch eine Auflage erteilt werden. Da der 37-Jährige gerne mit Tieren arbeitet, wird ihm die Ableistung von 80 Stunden gemeinütziger Arbeit auferlegt. Vermutlich kann er die im Tierheim Bielefeld ableisten. Dort hatte er eigentlich am heutigen Verhandlungstag ein Vorstellungsgespräch, welches er aber wegen des Prozesses nicht wahrnehmen konnte. Das kann er jetzt nachholen.

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