Sonstige Strafsachen

Falsch verstandener Mutterliebe: Beihilfe zum Drogenhandel

Landgericht Osnabrück: Keine Babysocken in der Tüte 

Nach 2 Stunden Verhandlung vor dem Landgericht Osnabrück waren aus einem paar Babysocken 150 g Amphetamine geworden. Und noch etwas hatte sich geändert: Das Urteil des Amtsgerichts Nordhorn vom 11. Oktober 2011 gegen eine 61-Jährige aus Bad Bentheim. Aus zwei Fällen der Beihilfe zum Drogenhandel wurde einer. Entsprechend geringer die Geldstrafe: Nur 90 statt 150 Tagessätzen zu je 10 Euro. Was blieb war die „falsch verstandene Mutterliebe“, welche die nicht vorbestrafte Frau auf die Anklagebank gebracht hatte. Zu Beginn der Berufungsverhandlung wurde die Verteidigerin der 61-Jährigen gefragt, was denn das Ziel der Berufung sei. Es werde ein Freispruch angestrebt, antwortete Rechtsanwältin Christiane Preuß, weil ihre Mandantin unschuldig sei. Aus der Verlesung des umfangreichen Urteils der Vorinstanz ergab sich, dass die Angeklagte mit ihrem 29-jährigem Sohn zusammen im Jahre 2010 eine Wohnung in Bad Bentheim bewohnte. Am 30.7.2010 soll sie einem Zeugen in dieser Wohnung 150 g Amphetamin übergeben und dafür Geld erhalten haben. Am 25.8. 2010 soll sie vom selben Zeugen 150 Euro als Anzahlung für eine weitere Amphetaminlieferung entgegen genommen haben. Zum ersten Fall erklärten die Rechtsanwältin und anschließend die Angeklagte, dass es wohl richtig sei, dass sie etwas herausgegeben habe. Sie habe auch Geld entgegen genommen. Es habe sich um Babysocken gehandelt, die für die Freundin des Mannes bestimmt gewesen seien, der da am 30.7. vor der Tür stand. Das Geld, so erklärte die Angeklagte, habe ihr Sohn dem Mann zuvor geliehen. Diese Aussage führte zu zahlreichen Nachfragen des Gerichts und des Staatsanwaltes. Ob sie denn nicht misstrauisch gewesen sei, so die Richterin zur Angeklagten. Schließlich sei ihr Sohn ja erst 2 Monate zuvor aus der Haft gekommen, wo er wegen Drogenhandels eingesessen habe. Nein, sie hätte Vertrauen zu ihrem Sohn gehabt. Und in der Tüte seien Babysocken gewesen, von einem Drogenhandel könne keine Rede sein. Der Staatsanwalt fragt etwas lauter und deutlicher nach: „Sie wissen, dass ihr Sohn siebenmal wegen Drogenhandels vorbestraft ist und über 4 Jahre in Haft war. Und dann wollen Sie uns erzählen, dass Sie nicht misstrauisch waren, als ein fremder Mann an der Tür klingelt und Geld abgibt und dafür eine Tüte mitnimmt?“ Sie habe von der Vielzahl der Verurteilungen nichts gewusst, entgegnet die Angeklagte. Ein Polizeibeamter vermittelte dem Gericht als Zeuge einen Überblick über den Hintergrund der Ermittlungen, die letztlich auch zur Anklage gegen die 61-Jährige führten. Anfang 2010 hätten die Ermittler einen Hinweis auf einen umfangreichen Handel mit Drogen erhalten. Eine Gruppe von Personen sei telefonisch überwacht worden. In diesem Zusammenhang sei auch die Mutter eines Drogenlieferanten, die Angeklagte, ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Der zweite Zeuge war eigens aus Halle an der Saale angereist. Es handelte sich um den Drogenkurier, der bei der 61-Jährigen im Juli 2010 aufgekreuzt war. Er sagte ganz klar: „Ich wusste, dass da keine Babysocken drin waren.“ Seine Aussage belegte, dass auch die Angeklagte wissen musste, was sich in der übergebenen Tüte befand. Zum zweiten Anklagepunkt konnte der Zeuge keine genauen Angaben mehr machen. Es blieb offen, ob er Geld abgeliefert hat oder nicht. Jetzt war der Weg für eine einvernehmliche Lösung aller Beteiligten frei. Nach einer kurzen Beratung beantragt der Staatsanwalt eine Einstellung des zweiten Falles. Im Gegenzug räumt die Angeklagte den ersten Fall, also die Beihilfe zum Drogenhandel ein. „Aus falsch verstandener Mutterliebe“ hätte die Angeklagten ihrem Sohn beim Drogenhandel geholfen, stellte die Richterin in ihrem Urteil fest. Sie verhängt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 10 Euro gegen die 61-Jährige. Ihren Sohn hat es härter getroffen: Er wurde bereits zu 2 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt.

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