Sonstige Strafsachen

Bekannte im Internet als „Hobbyhure“ verleumdet

Landgericht Osnabrück: Fühlte sich der Neuenhauser zu seinem Opfer hingezogen?

Eine ganz normale Berufungsverhandlung. Genau richtig für 20 Studenten, die in Begleitung eines Amtsrichters den Prozess vor dem Landgericht Osnabrück verfolgten. Sie konnten lernen, was eine Beleidigung von einer öffentlichen Verleumdung unterscheidet und warum das Herstellen eines Internetzuganges mit fremden Zugangsdaten keine beweiserhebliche Fälschung von Daten ist. Verurteilt worden war ein 44-Jähriger am 28.11.2011 vom Amtsgericht Nordhorn wegen Beleidigung und Fälschung von Daten zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten. Ohne Bewährung. Das Gericht hatte festgestellt, dass der Angeklagte sich nach dem 27.2.2010 mit den Zugangsdaten eines anderen ohne dessen Wissen eine Internetverbindung hergestellt hat und dort auf den Internetseiten "mydirtyhobby.com", "poppen.de" und "kaufmich.de" unter Angabe des Namens und der Telefonnummer einer Bekannten ein Profil angelegt zu haben. Er soll unter ihrem Namen behauptet haben, sie würde sich als „Hobbyhure“ anbieten. Mehrfach hat er anschließend Kontakt mit Interessenten gehabt, worauf diese dann bei der ahnungslosen Frau anriefen, um ein Treffen zu vereinbaren. Das ungewöhnlich harte Urteil der Vorinstanz erklärte sich für die Zuhörer, als der Richter ein weiteres Urteil aus dem Jahre 2009 verlas. Danach hat der jetzt 44-Jährige 2007 auf einem Computer mit einer Fotobearbeitungssoftware die Köpfe von fünf, ihm bekannten Frauen auf die Körper von nackten Frauen montiert und anschließend mit entsprechend obszönen Texten im Internet für jedermann zum Anschauen bereitgestellt. Für 9 Fälle von Verbreiten pornographischer Schriften, Beleidigung und Verleumdung erhielt der Angeklagte ein Bewährungsstrafe von 2 Jahren. In beiden Prozessen hatte der Angeklagte ein umfängliches Geständnis abgelegt. Das wiederholte er jetzt auch vor dem Landgericht Osnabrück. Er entschuldigte sich bei der Geschädigten (die allerdings nicht erscheinen musste, Red.) und versuchte deutlich zu machen, warum er die Tat begangen habe. Ergänzt wurde diese Erklärung durch das Gutachten des Psychiaters Said Schendel, der dem Gericht auch erklärte, warum der Angeklagte seiner Meinung nach vermindert schuldfähig gehandelt habe. Der Angeklagte leide unter einem Minderwertigkeitsgefühl und habe sich zur Tatzeit in einer mittelgradigen Depressionsepisode befunden. Sei Alkoholmissbrauch sei zu der Zeit an der Grenze zur Abhängigkeit gewesen. Außerdem habe der Angeklagte an einer pathologischen Internetsucht gelitten und sich immer mehr zurückgezogen. Seine Tat habe natürlich auch eine sexuelle Note gehabt, sehr wahrscheinlich habe sich der 44-Jähriger zu seinem Opfer hingezogen gefühlt. Gutachter Schendel empfahl eine Therapieauflage für den Angeklagten. Der Richter gab anschließend einen Überblick über die rechtliche Einordnung. Problematisch sei die Einordnung der Fälschung von beweiserheblicher Daten. Der Staatsanwalt hatte hausintern bei einem Internetspezialisten Erkundigungen eingeholt. Ergebnis: Das Anmelden mit den Zugangsdaten einer anderen Person bei einem Internetprovider sei strafrechtlich zur Zeit mit Strafe bedroht. Außerdem, so der Staatsanwalt stelle die Tat aus seiner Sicht eher eine öffentliche Verleumdung dar. Für Rechtsanwalt Theo Krümberg war es wichtig, dass sein Mandant erneut eine Bewährungsstrafe erhielt. Als diese auch vom Staatsanwalt beantragt wurde, war der Urteil absehbar. Wegen öffentlicher Verleumdung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit wurde der Neuenhauser zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Das Gericht machte es ihm zur Auflage, dass er sich einer Therapie unterzieht. 

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