Sonstige Strafsachen

Abgabe von Drogen an abgängige Jugendliche aus Meller Heim bisher unbewiesen

Amtsgericht Osnabrück: Viele Zuschauer, ein Angeklagter mehr, aber zuwenig Zeugen

Angekündigt war ein schlichter Prozess vor dem Amtgericht Osnabrück wegen der Abgabe von Drogen an eine 14-jährige Jugendliche gegen einen 36-Jährigen Angeklagten aus Melle. Doch welche Überraschung: Der kleine Saal im Amtsgericht ist voll besetzt mit Schülern und auf der Anklagebank sitzt ein zweiter Angeklagter, der bereits 47 Jahre alt ist. Auch er soll die junge Bewohnerin einer sozialen Einrichtung in Melle mit Drogen versorgt haben. Beide Angeklagte streiten die Vorwürfe ab. Wie es genau zur seltsamen Vermehrung der Angeklagten gekommen ist, wird bis zum Ende des ersten Verhandlungstages nicht genau deutlich. Ein Angeklagter zuviel, zwei Zeugen zuwenig. Weder die Jugendliche, die angeblich die Drogen erhalten hat, noch ihre Mutter sind trotz ordnungsgemäßer Ladungen im Amtgericht erschienen. Es wird ein Ordnungsgeld gegen die Mutter von 150 Euro verhängt. Ob gegen eine Jugendliche auch ein Ordnungsmaßnahme ergriffen werden kann, ist nicht ganz klar: Es hängt, so der Vorsitzende Richter, vom Reifegrad ab. Und davon kann sich das Gericht wegen der Abwesenheit der Zeugin kein Bild machen. Die Strafmaßnahme wird zurückgestellt. Immerhin: Ein Zeuge aus Melle ist erschienen. Verwunderlich wäre es schon, wenn ein Kriminalhauptkommissar einer gerichtlichen Ladung keine Folge leisten würde. Der Zeuge berichtet, dass er und seine Kollegen, die Jugendliche, die aus dem Meller Heim als „abgängig“ gemeldet wurde, in der Zeit vom 25.4 bis 9.5.2011 mehrfach aus der Wohnung des 36-jährigen Angeklagten geholt hätten. Einmal sei sie völlig orientierungslos und verwirrt gewesen. Ein Drogentest sei positiv verlaufen und bei einer Blutuntersuchung seien „erhöhte Amphetaminwerte“ festgestellt worden. Das Mädchen habe angegeben mit brauen Pulver versorgt worden zu sein, welches sie sich in die Nase gezogen habe. Im September 2011 sei die Jugendliche auf der wache in Melle erschienen, weil sie angeblich vom Angeklagten der Wohnung verwiesen worden sei. Sie sei dann in eine Jugendhilfeeinrichtung nach Hessen verbracht worden. Eine Freundin, die heute noch Kontakt zu ihr hat, berichtete vor dem Amtgericht, dass sie gesehen habe, wie der Angeklagte ihr auf einer Bank am Meller Berg Drogen gegeben habe. Beide hätten diese Drogen von einem Spiegel in die Nase gezogen. Vom unsteten Leben der 14-Jährigen konnte auch eine Betreuerin berichten: Das Mädchen sei immer wieder aus der Einrichtung abgehauen. Manchmal sei sie für wenige Stunden und zum Duschen zurückgekehrt. Der Prozess soll am 22 März um 13.30 Uhr fortgesetzt werden. Fraglich ist, wie viele Angeklagte, Zeugen und Zuschauer sich dann im Amtsgericht Osnabrück einfinden?

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