Sonstige Strafsachen

Bandidos Freispruch: Überraschend, aber nicht überzeugend

Amtgericht Osnabrück: Weg des Benzinkanisters unklar 

Osnabrück  – „Ich bin völlig anderer Meinung, als das Gericht. Die Sachlage war eindeutig. Es hätte eine Verurteilung erfolgen müssen.“ Mit diesen klaren Worten kommentierte der Staatsanwalt den soeben vom Amtsgericht Osnabrück verkündetet Freispruch von 3 Mitglieder des Motorradclubs (MC) Bandidos und einen Unterstützer wegen Brandstiftung. In seiner Urteilsbegründung nannte der Richter die Feststellungen des Gerichts, die sich aus der Beweisaufnahme ergaben. Er stützte sich dabei hauptsächlich auf die Aussage eines Angeklagten. Aussagen von Polizisten flossen weniger in die Urteilsbegründung ein. Teilweise wurden sie verzerrt oder falsch wiedergegeben, wie ein Prozessbeobachter hinterher feststellte. Fünf Personen hätten sich am Abend des 12.8.2009 vom Vereinsheim der Bandidos in Belm mit einem VW- LT und einem Polo zum Vereinsheim der Osnabrücker Bruderschaft an der Rheinstraße im OS-Hafen aufgemacht. Von dort erreichte die Polizei um kurz vor Mitternacht ein Notruf. Personen im Gebäude meldeten, dass gegen die Tür gehämmert würde. Außerdem seien Kameras und Schilder zerstört worden. Als die Polizei eintraf stieß sie auf biertrinkende Bandidos auf einer mitgebrachten Bank. Um 0.25 Uhr war der Spuk an der Rheinstraße beendet, die Bandidos fuhren zu einem Schnellimbiss, den sie im 0.45 Uhr wieder verließen. Auf dem Fürstenauerweg machte die Polizei um 1.17 Uhr eine sogenannte „Gefährdungsansprache“ an die drei Insassen des VW-LT, dessen Spur sich um 1.18 Uhr, laut Polizei an der Uhlandstraße am Ortseingang von Wallenhorst-Hollage verlor. Ebenso angehalten wird der VW-Polo, in dessen Kofferraum ein Polizist einen gefüllten 5 Liter Reservekanister findet. Um 1.38 Uhr erreicht ein Notruf die Polizei: Der führende Kopf der Osnabrücker Bruderschaft meldet, dass sein Audi 80 Avant vor seinem Haus an der Strasse „In den Dillen“ in Flammen steht. Er hat in seiner Wohnung gewacht, wie er der Polizei erzählt, weil er von der Aktion an der Rheinstraße Kenntnis erhalten hat und nun mit eine Angriff der Bandidos auf sich rechnet. Er habe eine Tür gehört und dann einen Knall. Der Polizei erzählt er: „Das waren die Bandidos.“ Die 4 Angeklagten werden wenige Minuten nach dem Notruf cirka 300 m entfernt vom brennenden Audi auf dem Parkplatz an der Ziegelei in Hollage festgenommen. Zwei von ihnen wurden von einer Polizeistreife aus Richtung Tatort kommend gesehen, ein anderer hat sich unter einer Pfannenaufsteller versteckt. Im Kofferraum des Polo: Ein leerer Kanister und eine Benzinlache. Das hatte ein Polizist berichtet. Der Richter stellt in seiner Begründung fest: „Der Kanister soll nicht mehr ganz gefüllt gewesen sein.“ Für den Richter stellte sich die Frage, ob die Zeit von 20 Minuten reichte, um von der Uhlandstrasse in Hollage zum Tatort zu kommen und dort ein Auto mit Brandbeschleuniger zu übergießen und anzuzünden. Eine Nachmessung ergab: Es sind 1,3 km Wegstrecke, Fahrzeit bei normaler Fahrweise unter 2 Minuten. Außerdem so der Richter sei nicht klar, welches Auto wo genau wann war. Es sei ihm, so der Amtrichter nicht möglich „den Weg des Kanisters nachzuzeichnen“. Fest stehe, dass die beiden laufenden Personen an der Ziegelei keinen Kanister dabei gehabt hätten. Lachende Gesichter bei den Angeklagten und ihren Verteidigern nach dem Freispruch auf dem Flur des Amtgerichts. Im Gerichtssaal: Ein Staatsanwalt, der vor laufender Kamera deutlich macht, dass er mit dem Urteil so gar nicht einverstanden ist und seinem Kollegen, den er vertritt, empfehlen will, Berufung einzulegen.

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