Sonstige Strafsachen

150 Dezibel im Stadion an der Bremer Brücke

Landgericht Osnabrück: Sprengstoffanschlag auf Fussballspiel war durch Münsteraner Ultras geplant

Osnabrück  Wegen eines Sprengstoffanschlags auf ein Drittliga-Fußballspiel hat das Landgericht Osnabrück am Freitag einen 24 Jahre alten Mann zu 5 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der aus Italien stammende Ultrafan von Preußen Münster am 10. September vorsätzlich die Verletzung von zahlreichen Fans des gegnerischen VfL Osnabrück in Kauf genommen hat. Bei dem Sprengstoffanschlag wurden 33 Menschen im Stadion zum Teil schwer verletzt. Zu den Opfern gehörten neben zahlreichen Polizisten auch Kinder. Der Angeklagte hatte zu Beginn dSpielertunnel Bild
es Prozesses die Tat gestanden und um Entschuldigung gebeten. Seiner Aussage zufolge hatte er mit dem Sprengkörper in der Größe einer Coladose lediglich das Dach des ehemaligen Spielertunnels in der Osnabrücker Osnatel-Arena treffen wollen und keine Menschen. Der Sprengkörper sei auch auf dem Dach gelandet, aber dann durch einen Spalt in den Tunnel gefallen, wo sich kurz vor Beginn des Spieles zahlreiche Sicherheitskräfte aufhielten. Der Angeklagte hatte geltend gemacht, seit dem frühen Morgen Alkohol und Drogen - Speed und Marihuana - konsumiert zu haben. Bei dem Sprengkörper handelte es sich um einen sogenannten Polenböller, den sich ein Anhänger der mittlerweile aufgelösten Ultrafan-Vereinigung „curva monesteria“ aus Münster illegal im Internet bestellt und vor dem Spiel dem Angeklagten übergeben hatte. Diesem war es gelungen den dosengroßen Gegenstand in seiner Hose durch die laschen Sicherheitskontrollen im Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück zu schmuggeln. Wie ein Sprengstoffexperte des Landeskriminalamtes Niedersachsen vor dem Landgericht Osnabrück als Gutachter aussagte, war der Sprengkörper anders als in Deutschland zugelassene Böller nicht mit Schwarzpulver, sondern mit einer hochexplosiven Mischung von Aluminiumpulver und Kaliumperchlorat gefüllt. Bei der Zündung entstand laut Gutachter ein Schallpegel von über 150 Dezibel, was bei den Verletzten zu Knall- und Explosionstraumata geführt hatte. Einige Beamte erlitten darüber hinaus auch Bauch- und Beinverletzungen durch Teile der herumfliegende Ummantelung des Sprengkörpers. Zahlreiche Beamte waren längere Zeit dienstunfähig, einige sind es noch. Die Polizei war dem Angeklagten nach Auswertung von umfangreich vorhandenem Foto- und Videomaterial auf die Spur gekommen. Sein Foto entdeckten die Fahnder als Profilbild in einem sozialen Netzwerk des Internets. Schon eine Woche nach der Tat konnte der festgenommen werden. Auf seinem Mobiltelefon entdeckten die Ermittler eine SMS Nachricht vom Tattag: „Bitte OSNA töten. Wir wollen gewinnen.“ Der Behauptung des Angeklagten, dass die Verwendung von Polenböllern in Italien an der Tagesordnung sei und nicht geahndet werde, widersprach der Fanexperte Dr. phil. Gunter Pilz aus Hannover. Nach zahlreichen Vorkommnissen sei in Italien 2001 ein Sondergesetz erlassen worden, welches 2005 nach Ausschreitungen in Mailand erneut verschärft worden sei.

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