Sonstige Strafsachen

Mediale Inszenierung? – Verhaftung vor Kameras geplant?

Eklat beim Landgericht Münster: Anwalt aus dem Landkreis Osnabrück verhaftet

Osnabrück (kno) – Im Landgericht Münster kam es während eines Prozesses wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung zu einem Vorfall, der an Szenen aus amerikanischen Spielfilmen erinnert. Um 9.44 Uhr forderte der Vertreter der Staatsanwaltschaft Münster einen Anwalt aus dem Landkreis Osnabrück auf seine Robe auszuziehen: „Ich nehme Sie vorläufig fest.“ Die Szene fand vor laufender Kamera des WDR statt, der ungewöhnlicherweise neben anderen Pressevertretern am 20-igsten Verhandlungstag anwesend war.

Die Staatsanwaltschaft Münster erklärte auf Nachfrage der Osnabrücker Nachrichten, dass die Verhaftung „situationsbedingt“ notwendig gewesen sei. Dem verhafteten Anwalt werde zur Last gelegt, dass er in der Gerichtskantine einen Zeugen durch Zahlung von 50.000 Euro bewegen wollte eine Falschaussage zu machen. Es bestünde die Gefahr einer Verdunklung, die den Haftbefehl begründe. Zu der Frage, woher die Presse den Tipp bekommen habe, wollte sich der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Auch das Landgericht Münster gab keine Stellungnahme dazu ab.

Der Osnabrücker Rechtsanwalt Jens Meggers, der den Kollegen vertritt, ist empört: „Die Maßnahme der Staatsanwaltschaft ist unverhältnismäßig.“ Die Behandlung seines Mandanten in der JVA-Münster sei entwürdigend. Er dürfe nicht einmal seine eigene Unterwäsche tragen, Anstaltskleidung sei Pflicht. Anwaltskollege Frank Otten pflichtet seinem Kollegen bei: „Die Art und Weise der Verhaftung vor laufender Kamera ist völlig inakzeptabel.“ Otten beanstandet auch die Berichterstattung, in welcher der volle Name und der Wohnort des Anwalts genannt und sein Gesicht gezeigt wird. Rechtsanwalt Harald Kolsen äußert sich ähnlich kritisch: „Das war ein geplanter, spektakulärer Coup der Staatsanwaltschaft. Eine diskreterer Umgang wäre ohne Weiteres möglich gewesen. Man hätte den Anwalt in einen anderen Raum bitten können, um ihn dort von seiner Verhaftung in Kenntnis zu setzen.“

Rechtsanwalt Antonius Kleimann ist ebenfalls an dem Münsteraner Verfahren beteiligt. Er bezweifelt die Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen: „ Der ist schon häufiger bei der Justiz auffällig geworden.“

Klare Worte findet auch Rechtsanwalt Robert Koop aus Lingen: „Das Ganze wirkt, wie eine mediale Inszenierung.“ Koop fordert eine förmliche Untersuchung durch den nordrhein-westfälischen Justizminister. Fragestellung: „Wer hat die Anwesenheit der Kamerateams während der Verhaftung geplant?“

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