Sonstige Strafsachen

Abgabe von Drogen an 14-Jährige in Meller Internetcafe

Amtsgericht Osnabrück: Marihuanadepot hinterm Tresen

Zwei Brüder im Alter von 34 und 38 Jahren mussten sich vor dem Amtsgericht Osnabrück wegen des Handelns mit Betäubungsmitteln verantworten. Gegen die beiden Angehörigen einer arabischen Großfamilie hatte die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, weil sie im Zeitraum Herbst 2010 bis Frühjahr 2011 in einem Internetcafe in Melle Marihuana in kleineren Mengen verkauft hatten. In 8 Fällen war der Käufer ein Erwachsener und in 10 Fällen handelte es sich um Jugendliche im Alter von 14 Jahren. Gleich zu Beginn der Verhandlung räumte der jüngere der beiden Brüder sehr leise die Taten umfänglich ein: „Ja, das ist so gewesen.“ Anders dagegen sein Bruder, dem nur ein Drogenverkauf an einen Jugendlichen zu Last gelegt wurde. Er bestritt die Tat. Für den Richter war besonders die Drogenabgabe an die „jungen Kerle“ Grund genug mal nachzufragen: „Sie haben 6 Kinder. Wollen Sie, dass die demnächst auch Drogen nehmen?“ „Nein“, antwortete der Angeklagte. Er habe in der Zeit selber Marihuana geraucht, jetzt aber damit aufgehört. Er fügte weinerlich hinzu: „Meine Mutter redet seitdem kein Wort mehr mit mir.“ In der Tatzeit sei er „ständig bekifft“ gewesen und habe aus dem Verkauf seinen eigenen Konsum finanziert. Bei einer Polizeikontrolle in dem Internetcafe waren hinter dem Tresen 18,2 g Marihuana gefunden worden. Das sei, so der Angeklagte aber alles gewesen, was er jemals verkauft habe. Sein Bruder habe von dem Depot hinter dem Tresen nichts gewusst. Die einzige offene Frage im Prozess, ob der 38-Jährige auch Drogen verkauft hat, stand im Mittelpunkt der Zeugenaussage eines mittlerweile 15- Jährigen aus Melle-Westerhausen. Mehrmals musste der geduldige Richter den Zeugen auffordern, lauter und deutlicher zu sprechen. Doch davon ließ sich der Zeuge nicht beeinflussen. Stockend räumte er ein, dass er mit anderen zusammen und auch allein mit dem Fahrrad zum Internetcafe gefahren sei, um dort jeweils 1 Gramm Marihuana zu erwerben. Als es um die Tatbeteiligung des älteren Angeklagten ging, drehte sich dieser um und fragte den Zeugen mit leicht drohendem Unterton: „Willst du sagen, dass ich dir 2 mal was verkauft habe?“ Der Zeuge druckste und gab dann leise zu Protokoll, dass er sich nicht genau erinnern könne. Auch die Nachfrage des Richters ergab nur ein „Keine Ahnung“. Bei einer polizeilichen Vernehmung hatte der 15-Jährige anhand von 11 Lichtbildern den Angeklagten erkannt, allerdings nicht mit absoluter Sicherheit. Dies bestätigte ein Polizeibeamter aus Melle, der als zweiter Zeuge gehört wurde. Er sagt auch, dass die arabische Großfamilie eine Vielzahl von Angehörigen hätte und sich Brüder natürlich ähneln können. Somit war kein eindeutiger Tatnachweis zu führen, was für die Staatsanwältin bedeutete, für den 38-Jährigen einen Freispruch zu beantragen. Sein Bruder war im Jahre 2004 bereits einmal wegen Drogenbesitzes verurteilt worden, seine andern Eintragungen im Strafregister betrafen Diebstähle, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Beleidigung. Da er ein volles Geständnis abgelegt hatte und es sich bei den Betäubungsmitteln um Weichdrogen in kleine Mengen gehandelt habe, könne, so die Staatsanwältin von einem minderschweren Fall ausgegangen werden. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Auch der Verteidiger des 34- Jährigen sah eine Haftstrafe auf Bewährung als angemessen an. Er hielt 16 Monate für richtig. Der Amtrichter und die Schöffen blieben in ihrem Urteil in der Mitte: Der Angeklagte wurde zu einer Bewährungsstrafe wegen 18 Fällen von Drogenhandels, worin auch 10 Fälle der Abgabe an Jugendliche enthalten sind, zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er muss außerdem 200 Stunden gemeinnützige Dienste verrichten. Sein Bruder wurde freigesprochen. Das Melleraner Internetcafe ist zwischenzeitlich geschlossen worden, das Ladenlokal wird jetzt von einem arabischen Kulturverein als Treffpunkt genutzt.

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