Sonstige Strafsachen

Affektüberdruck an Fahrstuhltür abreagiert

 Amtsgericht Osnabrück stellte Verfahren gegen Messerschwinger ein

Für einen nicht angekündigten Prozess vor dem Amtsgericht Osnabrück waren eigens zwei Justizbeamte abgeordnet worden, um eventuelle Streitigkeiten der Kontrahenten zu unterbinden. Wie sich im Laufe des Prozesses zeigte, war die Maßnahme der Behörde sinnvoll.
Ein 48-jähriger Türke aus Belm war angeklagt im Januar dieses Jahres an drei verschiedenen Tagen Familienmitglieder eines Nachbarn bedroht und körperlich misshandelt zu haben. Im Mittelpunkt des Prozesses standen die Ereignisse am 14. Januar 2012 vor dem Fahrstuhl im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses an der Frankfurter Straße. Der Angeklagte sei durch Hilferufe seiner Frau auf eine Auseinandersetzung im Erdgeschoss aufmerksam geworden und dann mit einem großen Küchenmesser bewaffnet die Treppe heruntergelaufen. Dort sei er auf den Vater und 3 Söhne seines Nachbarn getroffen, die sich mit seiner Frau und seiner Tochter stritten. Er habe das Messer geschwungen und schließlich in die Fahrstuhltür gerammt, sodass es zerbrach. Es soll zu einer kleinen Verletzung am Finger eines Kontrahenten gekommen sein. Außerdem habe der Angeklagte gerufen: „Ich bring euch alle um.“ Wenige Tage später habe er, so die Anklage, die Drohung wiederholt und präzisiert: „Ich schneid euch den Kopf ab.“ Bevor der Angeklagte sich zu den Tatvorwürfen äußerte, war es ihm wichtig die lange Vorgeschichte der Auseinandersetzung zu schildern. Ihm seien durch den Nachbarn die Autoreifen zerstochen worden, sein Auto gestohlen und sein Hörgerät kaputt gemacht worden. Außerdem: „Der hat meine Frau geschlagen.“ Er habe immer alles runtergeschluckt und auch am 14. Januar sei „nix passiert“. Er habe niemanden verletzt oder bedroht. Beleidigungen und den Einsatz des Messers gegen die Fahrstuhltür gesteht er ein: „Ich war sauer.“ Als die Staatsanwältin nachfragt, echauffiert er sich: „Was würden Sie machen, wenn Ihre Frau zittert?“ Es folgte die Gefälligkeitsaussage eines jungen Nachbarn, der durch den Türspion den Streit vor seiner Haustür beobachtet haben will. Er berichtete vom „Anfassen“ der Ehefrau des Angeklagten durch die vier Männer und von „Belästigungen“ und „Anspielungen“. Die Richterin wollte es genau wissen und der Zeuge kam ins Straucheln. Gehört habe er eigentlich nichts und das „Anfassen“ kann er weder zuordnen, noch beschreiben. Aber er sei sich sicher, dass es keine Drohungen durch den Angeklagten gegeben habe. Und das Messer sei auch nicht in der Nähe eines Halses gewesen. Dem eigentlichen Kontrahenten, dem Nachbarn war es als weiterem Zeugen wichtig ebenfalls die Vorgeschichte zu erzählen. Er erhob seinerseits schwere Vorwürfe gegen den Angeklagten. Immer wieder musste ihn die Richterin ermahnen doch lediglich zum Gegenstand der Anklage auszusagen. Doch der Zeuge hatte eigens Bilder vom Fahrstuhlbereich des Hauses gemacht und weitere Unterlagen mitgebracht, die er unbedingt zeigen wollte. Nach der Behauptung: „Der hat auf der ganzen Frankfurter Straße Probleme gemacht,“ kam es zu einem kurzen Wortgefecht der beiden Streithähne. Ein Polizist aus Belm bestätigt, dass es im betreffenden Haus immer wieder Probleme zwischen den Bewohner unterschiedlicher Nationalitäten mit einer „anderen Mentalität“ gebe: „Wir sind da regelmäßig.“ Da die einzige „neutrale“ Zeugin nicht erschienen war, wurde ihre Aussage verlesen. Danach erklärt der Verteidiger, dass die weiteren 8 geladenen Zeugen nicht neutral seien und somit „weitere hochemotionale Auftritte zu erwarten“ seien. Sein Mandant habe lediglich „seinen Affektüberdruck an der Fahrstuhltür abreagiert“. Der Königsweg für das Gericht liegt in einer Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage. Diese Geldauflage, müsse, so die Staatsanwältin, aber „spürbar“ sein, denn die jahrelangen Streitigkeiten hätten durch den Einsatz des Messer eine „neue Qualität“ erreicht. Das Amtsgericht Osnabrück stellte das Verfahren gegen den Angeklagten gegen eine Geldauflage von 200 Euro vorläufig ein. Nach dem Prozess wurden die beiden Familienclans getrennt aus dem Amtsgericht eskortiert.

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