Sonstige Strafsachen

Tennisball mit Drogen über die Knastmauer

Landgericht Osnabrück: Kurzer Prozess nach „kleinem Lauschangriff in der Zelle“

Ein Prozess vor dem Landgericht Osnabrück wegen Drogenhandels konnte nach einer erfolgreichen Verständigung auf eine Höchstgrenze des Strafmaßes erheblich verkürzt werden. Ein 27-jähriger Mann aus Bad Bentheim wurde zu 3 Jahren Haft verurteilt, weil er gestanden hatte in drei Fällen als Auftraggeber für die Einfuhr von Kokain aus den Niederlanden verantwortlich gewesen zu sein. Außerdem räumte der Angeklagte ein, zehnmal selber Marihuana eingeführt zu haben. In Handschellen wurde der junge Mann in den Sitzungssaal des Landgerichts Osnabrück gebracht und musste sich 18 Anklagepunkte anhören, die dann allerdings entsprechend einer zuvor erfolgten Absprache auf 13 reduziert wurden. Im Gegenzug gestand der Angeklagte, dass er aus der Justizvollzuganstalt (JVA) Groß-Hesepe heraus einen Mittäter beauftragt hatte, aus Enschede insgesamt 180 g Kokain nach Deutschland zu holen. Der bereits von der selben Strafkammer des Landgerichts Osnabrück zu 3 Jahren und 10 Monaten verurteilte Mittäter hatte die Drogen dann vereinbarungsgemäß nach Wolfsburg, Braunschweig und Hannover gebracht. Abgesprochen worden war der Drogenhandel in der Besucherzelle der JVA und mit Hilfe eines Telefons aus der Zelle heraus. Was der Angeklagte nicht wusste: Die Gespräche wurden abgehört, die Zelle war „verwanzt“. So kamen die Ermittler auch dahinter, dass ein Mitinhaftierter, der als Gärtner sowohl in, wie auch außerhalb der JVA arbeitete im Auftrag des 27-Jährigen Marihuana in den Knast schmuggelte. Mindestens einmal, so der Angeklagte vor Gericht wurden die Drogen in einem Tennisball von dem bereits verurteilten Mittäter über die Knastmauer geworfen und dann durch den Gärtner aufgehoben Seit 2000 ist der Bentheimer immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Erst waren es Diebstähle, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Körperverletzungen, weswegen er sich verantworten musste. Doch schon bald kamen Betäubungsmitteldelikte hinzu. Es erfolgten die ersten Haftstrafen, die zum Teil auch verbüßt wurden. Auch in den Niederlanden wurde er verurteilt, weil er eine illegale Drogenplantage betrieben hate. Als er 15 Jahre alt war, so der 27-Jährige, habe er begonnen zu kiffen. Erst durch den Kontakt zu seiner späteren Lebensgefährtin, mit der er zwei Kinder hat, sei er ans Kokain gelangt und abhängig geworden. Zwei Therapien habe er erfolglos absolviert, weshalb seine Krankenkasse einen weiteren Therapieantrag abschlägig beurteilt hätte. Er habe sich, so der 27-Jährige im falschen Umfeld befunden und sei nach seinen Haftzeiten auch immer dorthin zurückgekehrt. Auch in der Haft habe er Weichdrogen konsumiert. Die Staatsanwältin verwies ihrem Plädoyer darauf, dass es sich bei den Einfuhrtaten auch um Hartdrogen gehandelt habe und der Angeklagte bereits mehrfach auch einschlägig aufgefallen sei. Sie beantragte eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten, sowie den Wertverfall von 9000 Euro. Rechtsanwalt Jens Meggers betonte, dass dem Landgericht ein „langes Verfahren ins Haus“ gestanden hätte, wenn es zu einer vollständigen Beweisergebung gekommen wäre. Der „kleine Lauschangriff in der Zelle“ sei als „durchaus grenzwertig zu bezeichnen“. Sein Mandant wolle sich auch ohne Zusage der Krankenkasse ernsthaft um eine Therapie bemühen. In seiner Urteilbegründung zu den verhängten 3 Jahren Haft, sprach der Richter von einer „erheblichen kriminellen Energie bei der Planung der Straftaten aus der Haft heraus“. Neben der Haftstrafe erklärte er den „Wertverfall“ von 9000 Euro. Die Summe errechnet sich aus dem Verkaufswert von 180 g Kokain und stände der niedersächsischen Landeskasse zu, wenn das Urteil rechtskräftig wird. 

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