Sonstige Strafsachen

Räuberpistole vom "unbekannten Verwandten"

Landgericht Osnabrück: Deutliches Urteil wegen Drogenhandels

Osnabrück – Mit einem überraschend deutlichen Urteil gegen einen 24-jährigen Nordhorner zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft wegen Handelns mit Betäubungsmitteln endete eine Verhandlung vor dem Landgericht Osnabrück.

Den Besitz einer "nicht unerheblichen Menge Hartdrogen" konnte der Angeklagte nicht bestreiten. Gleich zu Anfang des Prozesses vor dem Landgericht hatte der kurzgeschorene Kampfsportler den Besitz von 64g Kokain zugegeben. Doch wie war das in fünf Tütchen verpackte Pulver, plus Feinwaage in seinen Wohnzimmerschrank gelangt? Und woher stammten die 960 Euro Bargeld, die Kriminalbeamte in einem Pokal in der Nordhorner Wohnung gefunden hatten? Stand im Hintergrund des Drogenfundes ein lukrativer, gewerbsmäßiger Handel?

Die Einlassung zur Herkunft des Kokains ließ einige Prozessbeteiligte schmunzeln, der Staatsanwalt bezeichnete sie später als "aufgetischte Räuberpistole". Ein Verwandter habe den Stoff mitgebracht, weil er diesen anlässlich einer Party in der Wohnung des Angeklagten und seiner Lebensgefährtin, konsumieren wollte. Am darauffolgenden Tag habe der Verwandte, so der Angeklagte, die Drogen in seiner Wohnung gelassen, weil er in die Niederlande weiter reisen und damit nicht über die Grenze wollte. Ob er denn den Namen des bisher "unbekannten Verwandten" nennen könne, wollte der Staatsanwalt wissen. Nein, das ginge nicht, so der Angeklagte. Auch könne er keine Teilnehmer der Party benennen. Angaben dazu hätte die anwesende Freundin des Angeklagten machen können, doch sie berief sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Sie sei, so bekundete sie vor dem Landgericht, seit 2009 mit dem Angeklagten verlobt.

Auskunftsfreudiger waren dagegen die vier folgenden Zeugen: Polizeibeamte aus Nordhorn und dem Emsland, die gegen den Angeklagten ermittelt hatten und bei der Durchsuchung der Wohnung anwesend waren. Ein mittlerweile pensionierter Beamte kennt den Angeklagten schon seit dessen 13-Lebensjahr. Die Beamten schilderten den Fundort der Drogen und des Geldes und gaben an, dass die Wohnung vor der Durchsuchung ordentlich gewesen sei.

Etwas anders habe es nach der Durchsuchung mit den Diensthunden ausgesehen. "Es sah schlimm aus. Die Hunde hatten auch das Sofa auseinander genommen."

Gegen den Angeklagten wurde auch wegen eines schweren Raubes im Dezember 2012 ermittelt. Anlässlich dieses Überfalls auf dem Parkplatz eines Nordhorner Casinos bei dem es auch um Drogen ging, soll ein Schuss gefallen sein. Da einer der Hauptakteure sich abgesetzt hat, ruht das Verfahren in dieser Sache.

Unglaubhaft wurde die Einlassung des Angeklagten vom "unbekannten Verwandten" durch das Verlesen seines Vorstrafenregisters, welches acht Eintragungen aufweist.

Neben wiederholtem Fahren ohne Fahrerlaubnis hat sich der in Omsk geborene Russlanddeutsche auch mehrfach wegen Handelns mit Betäubungsmitteln strafbar gemacht. Er hat längere Zeiten in Haft verbracht, was ihn aber nicht davon abhielt als Türsteher einen Gast krankenhausreif zu prügeln. Für diese Tat ist er im April dieses Jahres vom Landgericht Osnabrück zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Überraschend dann das Ende der Verhandlung:

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich milde und beantragte ein Bewährungsstrafe von 2 Jahren, weil von einer positiven Sozialprognose auszugehen sei. Dieser Antrag war Wasser auf die Mühlen des Verteidigers, der allerdings anders als der Staatsanwalt nur vom Besitz der Drogen und nicht einem Handel damit ausging. Er beantragte kein konkretes Strafmass. Allerdings solle die Staatsanwaltschaft das beschlagnahmte Geld wieder rausrücken, es stamme aus einem Autoverkauf.

Als dann der Richter das Urteil von zwei Jahren und sechs Monaten verkündete, blieb der Angeklagte zwar äußerlich ruhig, aber gerechnet haben wird er damit nicht. Gesenkten Hauptes verliess der Angeklagte mit seiner Verlobten den Sitzungssaal. Immerhin: Die 960 Euro erhält das Päarchen wieder, bevor es dann für eine Zeit getrennt wird.

Diesen Beitrag teilen



Räuberpistole vom "unbekannten Verwandten" - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt