Sonstige Strafsachen

Komplettes Mehrfamilienhaus mitten in Wohnsiedlung als Indoorplantage

Stehen vor dem Landgericht Osnabrück nur die kleinen Fische?

Osnabrück – Gegen vier Vietnamesen begann vor dem Landgericht Osnabrück ein Prozess wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Hinzu kommt ein Stromdiebstahl. Schadenshöhe 41.147 Euro. Die Verhandlung findet vor der Jugendkammer des Landgerichts statt, weil ein Angeklagter laut Gutachten zur Tatzeit zwischen 19 und 21 Jahren alt war. Das was die Ermittler am 8.03.2014 an der Ursulastraße in Nordhorn vorfanden, dürfte auch sie überrascht haben. Zwar konnten sie nach umfangreichen Telefonüberwachungen davon ausgehen auf eine professionell aufgebaute Indoorplantage für den Anbau von Cannabis zu treffen, doch auf ein Haus, dass vom Keller bis zum Dachgeschoss, nebst Anbau komplett mit Pflanzen und dem erforderlichen Zubehör zugestellt ist, treffen auch erfahrene Kripoleute nicht jeden Tag. Nach einem Tipp einer "Vertrauensperson" beim Zoll in Hannover begann eine umfassende Observation eines immer größer werden Personenkreises, der vornehmlich in den Niederlanden, aber eben auch in Deutschland tätig war, beziehungsweise ist. Neben der angeordneten Telefonüberwachung wurde das Haus an der Ursulastraße über einen längeren Zeitraum beobachtet und dann mit einem Hubschrauber mit Wärmbildkamera überflogen. Ergebnis: Es könnte sich eine Indooranlage darin befinden. Als sich die Anzeichen verdichteten, dass eine umfangreiche Ernte bevorstand griff eine SEK-Einheit zu und erwischte vier Personen beim Ernten und Trocknen von Cannabispflanzen. Eine spätere Auswertung der Funde ergab: Es konnten 1788 frische Pflanzen sichergestellt werden, hinzu kamen bereits getrocknete Pflanzen. Insgesamt verwertbar davon waren 72 kg, die einen THC-Wirkstoffanteil von 14,4 % hatten. Der reine THC Anteil stellt somit über 10 kg dar und das ist "eine nicht geringe Menge", wie es in der Anklageschrift heißt. Bei den Angeklagten handelt es sich um drei Männer (46, 42 und ungefähr 20 Jahre) sowie eine 46-jährige Frau, welche als einzige die niederländische Staatsangehörigkeit besitzt. Leider, so Rechtsanwalt Therond, der den 42 Jährigen vertritt, sitzen auf der Anklagebank wiedermal nur "kleinen Fische". Die Drahtzieher und Investoren haben sich abgesetzt. Die "kleinen Fische", die sich jetzt verantworten müssen, haben als Gießer, Pflücker und als Gärtner gearbeitet. Der Gärtner wurde bei Problemen auf verschiedenen Anlagen, auch in den Niederlanden eingesetzt. Die 46-Jährige Frau gab nach der Verhaftung an, sie hätte lediglich für die anderen gekocht und nichts vom Cannabisanbau gemerkt. Das steht aber, laut Akten, in "diametralen Gegensatz zu den objektiv gewonnenen Erkenntnissen". Täglich wurde dem flüchtigen Chef der Bande per Handy über den Reifezustand der Pflanzen Bericht erstattet. Dabei wurde zum Teil eine codierte Sprache verwendet. Als es hieß: "Die Hühner sind gelblich geworden", läuteten die Alarmglocken und der Gärtner musste anrücken, denn die Pflanzen ließen die Flügel hängen und verfärbten sich. Aber wenig später konnte ihnen doch "die Haare geschnitten" werden.Der Prozess wird voraussichtlich am 20.9 fortgesetzt und nach einer möglichen Verfahrensabsprache beendet werden.Den Angeklagten drohen mehrjährige Haftstrafen.

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