Sonstige Strafsachen

Väterliches Teilgeständnis - Drogenverkauf ja, aber keinen Marihuana-Bong mit dem Sohn geraucht

Landgericht Osnabrück verhängte Ordnungsstrafe gegen drei jugendliche Gerichtsschwänzer

Osnabrück (kno) – Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Osnabrück gegen einen 47-Jährigen aus der Obergrafschaft wegen des Handelns mit Betäubungsmitteln kam es wie angekündigt zu einer Einlassung des Angeklagten. Ein Teil der Anklagevorwürfe wurde bestritten, ein Teil wurde eingeräumt.
Am ersten Prozesstag hatte der Sohn des Angeklagten seine Vater schwer belastet und damit die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft untermauert. Um seinem Vater finanziell zu helfen soll der jetzt 17-Jährige sich im Sommer 2014 bereit erklärt haben Marihuanablüten an befreundete Gleichaltrige zu verkaufen. Außerdem, so hatte der junge Mann dem Gericht geschildert, habe er mit seinem Vater zusammen mindestens einmal ein Wasserpfeife (Bong) mit Drogen geraucht. Die Drogen habe sein Vater in den Niederlanden gekauft und dann in Kleinstmengen an ihn weitergeben, damit er sie veräußere. Der Erlös sei an seinen Vater geflossen.
Den Verkauf der Drogen an Minderjährige räumte der Angeklagte ein. Ja, es sei richtig, dass er sich angesichts massiver finanzieller Probleme entschlossen habe, das Angebot seines Sohnes ihm zu helfen angenommen habe. Allerdings habe er nie zusammen mit seinem Sohn Drogen konsumiert. Auch habe er die Cannabisprodukte nicht in den Niederlanden, sondern in Ochtrup gekauft. Eine Teil der ersten 100 g habe er sofort an einen Dritten weiterveräußert. Anschließend sei es zum Verkauf der Kleinstmengen von einem bis fünf Gramm über seinen Sohn an dessen Freunde gekommen. Der Verkauf habe nur einmal in seiner Wohnung stattgefunden. Persönlich, so erklärte der Angeklagte, habe er die Freunde seines Sohnes nicht gekannt. Er habe, so erklärte der 47-Jährige Anfang August erkannt, dass die Abgabe der Drogen an Jugendliche falsch sei und den Verkauf beendet. Wenig später sei es dann allerdings zur Hausdurchsuchung gekommen.
Nach dem Teilgeständnis des Angeklagten sagten zwei von fünf geladenen Jugendlichen aus. Beide bestätigten, dass sie jeweils ein- bis zweimal wenige Gramm Marihuana vom Sohn des Angeklagten gekauft hätten. Auf Nachfrage gaben sie an, gewusst zu haben, dass der Angeklagte die Drogen beschafft hätte. Beide Zeugen machten nicht den Eindruck, als ob sie durch den Sohn zum ersten Mal in Kontakt mit der Weichdroge gekommen seien. Einer kannte sich gut mit den Preisen aus und hatte, vermutlich mit einer Feinwaage, festgestellt, dass die Menge nicht stimmt: "Es waren 0,3 g zu wenig in der Tüte." Und aus der Aussage des zweiten Zeugen schimmerte durch, dass er aus Preisgründen lieber direkt in die nahegelegenen Niederlande fährt.
Auf drei weitere jugendliche Zeugen wartete das Gericht vergeblich. Auf Antrag der Staatsanwältin wurde gegen die drei Gerichtsschwänzer jeweils eine Ordnungsstrafe von 150 Euro verhängt. Zum nächsten Termin sollen sie polizeilich vorgeführt werden, die Kosten für die Maßnahme haben sie zu tragen.

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