Sonstige Strafsachen

"Ich muss bestraft werden und schäme mich für meine Tat."

Landgericht Osnabrück: Reuiger Vater erhält mildes Urteil

Osnabrück – Mit einem milden Urteil endete der Prozess gegen einen 47-Jährigen aus Obergrafschaft. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm die unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln, den Handel damit und die Abgabe an Minderjährigen vorgeworfen. Nach drei Verhandlungstagen erkannte das Landgericht Osnabrück auf eine Freiheitsstrafe zur Bewährung von einem Jahr und zehn Monaten.
Der Fall der 47-jährigen Vaters, der seinen Sohn angestiftet haben sollte, im Sommer des Jahres 2014 für ihn Drogen an dessen Freunde zu verkaufen, war ins Rollen gekommen, nachdem die getrennt vom Vater lebende Mutter Marihuana bei ihrem 16-jährigen Sohn gefunden hatte. Dies hatte sie auf einer Polizeiwache zur Anzeige gebracht, worauf eine Hausdurchsuchung bei dem Vater erfolgt war. 50 Gramm abgepacktes Marihuana, sowie 542 Euro Bargeld waren sichergestellt worden. Aus dem Handy des Sohnes und dessen umfangreiche Aussage bei einem Vernehmungstrichter hatte sich dann die Anklage gegen den Vater ergeben. Unter anderem hatte der Sohn angegeben, dass sein Vater zweimal in die Niederlande gefahren sei, um dort jeweils 100 Gramm Marihuana zu kaufen. Er, der Sohn, habe dieses dann zum Teil an seine minderjährigen Freunde zu einen höheren Preis weiterverkauft. Grund für den familiären Drogenhandel sei die desaströse Finanzsituation des Vaters gewesen. Der Sohn habe sich angeboten, ihm unentgeltlich zu helfen.
"Das waren alles erfahrene Kiffer, die in der Drogenszene bekannt waren," stellte die Staatsanwältin später in ihrem Plädoyer bezüglich der Marihuanakäufer fest. Warum drei von ihnen trotz gerichtlicher Ladung am zweiten Verhandlungstag nicht erschienen waren, wurde auch am dritten nicht deutlich. Einer überreichte nachträglich ein Attest, was ihm die bereits verhängte Ordnungsstrafe von 150 Euro ersparte. Ein weiterer erschien in Begleitung seines Vaters und der dritte wurde von der Polizei vorgeführt. Alle drei mussten aussagen, weil sie bereits rechtskräftig wegen Delikten gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt wurden. Sie bestätigten, dass sie jeweils mehrmals Kleinstmengen vom Sohn des Angeklagten gekauft hatten. Der Vater sei dabei in keinem Fall in Erscheinung getreten.
Da sich auch nach diesen Aussagen nicht belegen ließ, dass der Angeklagte in die Niederlande gereist sei, um die Drogen zu beschaffen, wurde der Anklagepunkt Einfuhr von Betäubungsmitteln fallengelassen.
Die Frage, ob der Vater seinen Sohn bestimmt, also angewiesen hatte, für ihn Drogen zu verkaufen, wurde anschließend ausführlich erörtert. Zwar sei der gewerbsmäßige Handel nicht zu widerlegen, wandte Verteidiger Robert Koop ein, aber der Sohn habe sich freiwillig dafür angeboten. Er verwies auf einen entsprechenden Kommentar zum Gesetzestext und eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes.
In seinem anschließenden Plädoyer beantragte er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.
Die Staatsanwältin sah zwar einen gewerbsmäßigen Handel und die Abgabe von Drogen an Minderjährige als erwiesen an, ging aber von einem minderschweren Fall aus, weil es sich eben um erfahrene Konsumenten gehandelt habe. Außerdem sei die Idee für den Handel vom Sohn gekommen und der Tatzeitraum kurz gewesen. Die gefundenen Drogen und das Geld sollen eingezogen werden. Statt der ursprünglich zur Rede stehenden fünf Jahre Haft beantragte sie zwei Jahre auf Bewährung.
Das Urteil des Gerichts war dann keine Überraschung mehr: Die Strafe von einem Jahr und zehn Monaten könne wegen einer positiven Sozialprognose zur Bewährung ausgesprochen werden. Der Angeklagte habe keine Vorstrafen und durch sein letztes Wort deutlich gemacht, dass er sich vom Drogenhandel entgültig abgewandt habe.
"Ich hätte es besser wissen müssen," hatte der 47-Jährige gesagt, "es war eine große Dummheit. Ich muss dafür bestraft werden und schäme mich dafür."

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