Sonstige Strafsachen

Lange Geschichte vom "Saufen und Vögeln" und Gewalttaten.

Landgericht Osnabrück prüft Vorwürfe gegen 34-Jährigen wegen sexueller Nötigung sehr genau.

Bereits seit zwei Verhandlungstagen läuft vor dem Landgericht Osnabrück ein Prozess gegen einen 34-jährigen Mann aus Nordhorn. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zehn Straftaten vor. In den Jahren 2013 bis 2015 soll er sich unter anderem wegen einer Vergewaltigung, Körperverletzung, Bedrohung und Freiheitsberaubungen strafbar gemacht haben. Opfer seiner Taten soll seine 34-jährige, ehemalige Lebensgefährtin gewesen sein.

Der erste Verhandlungstag war kurz. Nach der Anklageverlesung ließ der große, kräftige Angeklagte durch seinen Bremer Anwalt verkünden, dass er sich „schweigend verteidigen“ werde. Als daraufhin die Hauptbelastungszeugin in den Sitzungssaal gerufen wurde, passierte nichts. Sie war nicht erschienen. Die 18. große Strafkammer verhängte ein Ordnungsgeld und veranlasste eine eventuelle Zwangsvorführung zum nächsten Termin.
Der zweite Prozesstag stand ganz im Zeichen des vermeintlichen Opfers. Sieben Stunden, unterbrochen von zwei Pausen, dauerte die Aussage der 34-jährigen Frau aus Bremen, die aus Eberswalde angereist war. Dort ist sie zur Zeit in einer Mutter und Kind Einrichtung für Suchtkranke untergebracht. Sehr ausführlich schilderte die Frau ihren Lebenslauf und die Beziehung zu dem Angeklagten, aus der eine gemeinsame Tochter (*2014) hervorging. Die gemeinsame Zeit war geprägt von Alkohol und Streitigkeiten. Die Angeklagte fasste es anders zusammen: „Es war nur Saufen und Vögeln.“ Bereits mit 18 Jahren ließ sich die Zeugin wegen einer Alkoholabhängigkeit behandeln. Immer wieder habe es Rückfälle und erneute Aufenthalte in Entzugseinrichtungen gegeben. Aus zwei Beziehungen zu anderen Männern wurden drei Kinder geboren, die bei Pflegeeltern aufwachsen. Anfang 2012 habe sie in einer Suchttherapie den Angeklagten kennengelernt, schilderte die junge Frau den Anfang der Beziehung. Schon in der Suchtklinik sei es zu erneuten Rückfällen gekommen, man habe auch gemeinsam auf den Zimmern getrunken. Zu einem ersten aktenkundigen Vorfall sei es im März 2013 im Zimmer einer Notunterkunft in Bremen gekommen. Nach einer verbalen Auseinandersetzung habe sie der Angeklagte an den Haaren gezogen, um sie am Verlassen des Zimmers zu hindern. Anschließend habe er sie zu Boden gebracht und dort fixiert. Der zweite, heftigere Vorfall ereignete sich bei Verwandten des Angeklagten in Schüttorf. Nach einem Trinkgelage habe sie wohl „etwas Falsches gesagt“ und dann eine Ohrfeige vom Angeklagten erhalten. Danach habe er sie am Hals mit einer Hand gewürgt. Eine Veilchen und Würgemale seien die Folge dieser Attacke gewesen. Ebenfalls in Schüttorf, aber in einer anderen Wohnung kam es am 15. März 2014 zu einer sexuellen Nötigung. Wieder war erheblicher Alkoholkonsum vorausgegangen. Sie habe schlafen wollen, als der Angeklagte mit einem Topf Chili im Schlafbereich erschienen sei und über sie gegossen habe. Dann sei es zu einer sexuellen Nötigung gekommen. Sie habe deutlich gemacht, dass sie keinen Geschlechtsverkehr wünsche und den Angeklagten von sich weggedrückt. Dieser habe aber nicht von ihr abgelassen, berichtete die Zeugin. Als sie nach dem ungewollten Geschlechtsakt im Badezimmer gewesen sei, sei der 34-Jährige erschienen, habe sie halbnackt hochgehoben und gesagt er werde sie jetzt aus dem Fenster werfen. Sie konnte aber fliehen und hielt sich nur mit einer Decke bekleidet bis zum Morgen im Keller des Hauses auf. Als sie dann in die Wohnung zurückgekehrte, sei diese völlig verwüstet gewesen: „An den Wänden klebten Essensreste und auf den Fensterbänken waren Küchenmesser verteilt.“

Die Zeugin berichtete dann von zahlreichen Bedrohungen per Kurznachrichten und auch persönlich. Im September 2014 habe der gedroht ihr den Fötus des gemeinsamen Kindes aus dem Bauch zu schneiden und ihre anderen drei Kinder auch zu töten. Auf Nachfrage erklärte die Zeugin: „Ja, ich habe ihm das zugetraut.“

Das Gericht steht vor der Frage, ob die Vorwürfe der Zeugin berechtigt sind. Eine Glaubwürdigkeitsgutachterin hat die Zeugin bereits ausführlich befragt und ist auch während des Prozesses anwesend. Im Fokus ihrer Befragung vor Gericht stand die Geschichte einer erfundenen Krebserkrankung von der die Zeugin berichtet hatte. Über neun Monate lang hatte sie die Lüge gegenüber mehreren Bekannten und Freunden aufrechterhalten und immer wieder neue Details hinzugefügt. Für den Verteidiger des Angeklagten erschüttert diese Erzählung die gesamte Glaubwürdigkeit des Zeugin. Sie habe aus Erlebtem und Erfundenem ein Konglomerat gebildet, welches so nicht stimmen könne.
Die Strafkammer wird zum nächsten Verhandlungstermin die Mutter der 34-Jährigen laden, um den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe zu prüfen.

 

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